Fußball : Kahn will EM 2008 spielen

Torhüter Oliver Kahn hat seinen Vertrag beim FC Bayern München um zwei Jahre verlängert. Auch eine Fortsetzung der Nationalmannschafts-Karriere bis zur Europameisterschaft 2008 ist zumindest eine Option für ihn.

München - Oliver Kahn will noch mit 39 Jahren im Tor des FC Bayern München stehen. Der Kapitän und Fußball-Nationaltorhüter beendete mit seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung um zwei Jahre nicht nur seine Gedankenspiele über einen Wechsel nach Japan. Der 36-Jährige setzte zugleich ein weiteres Signal, dass der mögliche Weggang von Michael Ballack beim «Herbstmeister» keine negativen Auswirkungen auf die Zukunftsplanung anderer Leistungsträger hat.

«Ich habe bis 2008 verlängert, weil ich überzeugt bin, dass wir hier eine sehr gute Mannschaft mit einer sehr guten Perspektive haben. Und ich bin mit Leidenschaft Torhüter. Ich mache diesen Job liebend gerne», begründete Kahn am Montag in München vor dem Training des Rekordmeisters seinen Entschluss. Auch eine Fortsetzung der Nationalmannschafts-Karriere bis zur Europameisterschaft 2008 ist zumindest eine Option für ihn. «Ausschließen sollte man nichts. Ab einem gewissen Alter entscheidet man Dinge nicht so weit im Voraus. Aber es ist für die Motivation wichtig, sich immer wieder Ziele zu setzen», sagte der 83-malige Nationalspieler.

Bei der Laufzeit kam der Verein dem 1994 vom Karlsruher SC nach München gewechselten Kahn entgegen. «Es war Ollis Wunsch, dass er noch zwei Jahre bleibt. Für uns spielt das Alter keine Rolle. Olli hat zu alter Form gefunden, das war das entscheidende Kriterium», sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Kahn selbst geht davon aus, dass er nun auch seine Karriere beim Rekordmeister, mit dem er international den Weltpokal, die Champions League und den UEFA-Pokal gewonnen hat sowie sechs Mal Meister und vier Mal DFB-Pokalsieger wurde, beenden wird. «Ich denke, dass 2008 die Geschichte beim FC Bayern zu Ende sein wird.» Ein möglicher Anschluss-Job als Manager ist für ihn aktuell kein Thema: «Bis 2008 will ich jetzt noch spielen und mich dann längere Zeit komplett aus dem Fußball zurückziehen.»

Leidtragender der Vertragsverlängerung ist Michael Rensing. Der U 21-Nationaltorhüter wollte Kahn eigentlich nach der WM als Nummer 1 beim FC Bayern beerben. Nun soll sich der 21-Jährige weitere zwei Jahre gedulden. «Es ist nicht einfach für Michael, aber er soll bei uns bleiben. Wir sind überzeugt, dass er der Nachfolger von Kahn wird», sagte Rummenigge. Rensing auszuleihen, sei kein Thema.

Mit der Weiterverpflichtung von Kahn hat die Bayern-Führung noch vor dem letzten Spiel des Jahres an diesem Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den Hamburger SV ihre Hausaufgaben früher als erwartet erledigt. Denn bis auf Ballack, den Franzosen Willy Sagnol und den Brasilianer Zé Roberto konnten frühzeitig alle Leistungsträger langfristig an den Verein gebunden werden.

Das war auch für Kahn ein wichtiges Argument. «Ich habe das Gefühl, dass sich auch dieses Team noch weiter steigern wird - bis zum Champions-League-Sieg», sagte der Kapitän. Erst in der letzten Woche hatten Nationalspieler Sebastian Deisler (bis 2009) und Weltmeister Lucio (2010) verlängert, hinzu kam die Verpflichtung des paraguayischen Nationalspielers Julio dos Santos. Zuvor hatten schon Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Roque Santa Cruz (alle 2009), Owen Hargreaves und Martin Demichelis (beide 2010) verlängert.

«Ich glaube, die Spieler wissen einfach, welchen Arbeitgeber sie haben», kommentierte Rummenigge. Man wolle nun auch rasch das Gespräch mit Mittelfeldspieler Zé Roberto suchen, dessen Vertrag ebenso am Saisonende ausläuft wie die Kontrakte von Ballack und Sagnol. «Bei Sagnol bin ich sehr optimistisch, dass er in München bleibt», erklärte Rummenigge, obwohl der Franzose weiterhin hartnäckig mit Juventus Turin in Verbindung gebracht wird.

Völlig ungewiss ist die Personalie Ballack. «Michael würde ich als große Hängepartie bezeichnen», sagte Rummenigge. Der Bayern-Vorstand hatte sein Angebot über einen neuen, hoch dotierten Vierjahresvertrag bis 2010 vor einem Monat zurückgezogen. Ballack will sich erst im Januar erklären, spekuliert wird über einen Wechsel zu Real Madrid. «Wir haben bei Ballack relativ wenig Einfluss», erklärte Rummenigge. (Von Klaus Bergmann, dpa)

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