Fussball : Keine Models mehr

Beim 3:3 in Stuttgart zeigen die Hoffenheimer wieder jene sportlichen Stärken, von denen sie sich beim Rückrundenstart hatten ablenken lassen.

Oliver Trust[Stuttgart]

Demba Ba trug eine lustige Mütze. Rosafarben, mit Buchstaben, die keiner entziffern konnte, und glitzernden Pailletten drauf, die ihm eine strahlende Aura verliehen. Er lächelte dazu, und seine Zähne schimmerten zwischen seinen Lippen hervor. Der Mann aus dem Senegal hatte drei Tore geschossen und war der Matchwinner bei Hoffenheims 3:3 in Stuttgart, obwohl das Spiel gar keinen Sieger hatte.

Die gute Laune Bas, der nun elf Saisontreffer erzielt hat, hatte mehrere Gründe. Trotz des verschossenen Elfmeters durch Sejad Salihovic in der letzten Minute fühlte man sich in Hoffenheim fast wie der Gewinner dieses Spieltages. Nicht einmal die Dopingermittlungen gegen Andreas Ibertsberger und Christoph Janker (siehe Artikel rechts) konnten die Stimmung trüben.

Bei all dem anderen Chaos, das der Aufsteiger in den vergangenen Wochen erlebt hatte, wirkte die packende Partie in Stuttgart wie eine Wiederbelebung. Hoffenheim hat seine Spielfreude wiedergefunden. Wobei, das muss erwähnt werden, die Stuttgarter vor allem in der ersten Hälfte die große Chance vergaben, die zu diesem Zeitpunkt noch vorhandene Unsicherheit auszunutzen, an der Hoffenheim zuletzt schwer trug und die zu einem holprigen Start in die Rückrunde führte. In der vergangenen Woche hatte Trainer Ralf Rangnick scharf kritisiert, dass sich die Hoffenheimer nicht mehr wie in der Vorrunde nur auf ihr Fußballspiel konzentrieren würden. „Über Wochen und Monate haben meine Spieler gelesen, wie gut sie sind“, hatte Rangnick gesagt. „Sie wurden wie Popstars behandelt, als Models abgelichtet, die Handtaschen der Freundin waren wichtiger als der Fußball.“

In Stuttgart zeigte seine Mannschaft nun die Reaktion, die sich Rangnick gewünscht hatte. „Speziell in der zweiten Hälfte konnte man sehen, dass die Mannschaft wieder an die Leistungen aus der Hinrunde anknüpfen konnte“, frohlockte Manager Jan Schindelmeiser. Moral und Herz hatte er bei seinen Spielern entdeckt. „Wir haben wieder gesehen, was uns im vergangenen Jahr stark gemacht hat: Hohe Laufbereitschaft, der Wille, dem anderen zu helfen“, sagte Schindelmeiser und sah einen klaren Trend aus dem sportlichen Tief, das sich an neben Disziplinproblemen auch an der Verletzung des Stürmers Vedad Ibisevic und dem schwachen Einstand des neuen Torwarts Timo Hildebrand festmachen ließ. „Dass der Trainer so auf den Putz gehauen hat, hat uns schon geholfen, uns wieder mehr zu konzentrieren“, sagte Mittelfeldspieler Tobias Weis.

Wie Demba Ba, der immer, wenn es in Stuttgart eng wurde, zur Stelle war. „Das ist das erste Mal, dass ich als Profi drei Tore mache“, sagte Ba. Dabei spielte er auf der ungewohnten Position im Sturmzentrum, die bis zu seinem Kreuzbandriss Ibisevic ausfüllte. „Der ist für Gegenspieler ein ganz Unangenehmer“, sagte Timo Hildebrand. Dabei gilt Ba als außerordentlich umgänglich. Der gläubige Moslem wohnt mit Familie in Heidelberg und hat durchaus andere Zeiten hinter sich. Als er aus Belgien nach Hoffenheim kam, fiel dort seine unausgereifte Schusstechnik auf. Coach Rangnick ließ den Angreifer noch zu Zweitligazeiten bis zur Erschöpfung immer Ballannahme und Schusstechnik auf engstem Raum üben. Wir sehr die Maßnahmen fruchten, hat Ba nun gezeigt. „So“, sagte Manager Schindelmeiser, „können wir auch in Dortmund etwas holen. Das Gesamtbild war richtig gut.“ Auch ohne Models.

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