Fußball-Klassiker : Maradona, Matthäus, Mafia

Der Klassiker zwischen Deutschland und Argentinien war schon früher eng mit dem Namen Diego Maradona verbunden. Ein Rückblick auf vier Begegnungen des deutschen Fußballs mit dem wahrscheinlich besten Spieler aller Zeiten.

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Das erste Mal



Argentinien – Deutschland 1:1

24. März 1982 in Buenos Aires

Zu Beginn der Achtzigerjahre ist Diego Maradona schon ein Weltstar und Lothar Matthäus noch eine kleine Nummer. Zur Südamerikareise der Nationalmannschaft nimmt ihn Bundestrainer Jupp Derwall nur mit, weil einige Stammspieler abgesagt haben. Im Monumental von Buenos Aires fürchtet Argentiniens Trainer Cesar Luis Menotti um die Gesundheit seines Lieblingsschülers. Denn ein Jahr zuvor hat Derwall Hans-Peter Briegel auf Maradona angesetzt, und Menotti beschwerte sich , da habe einer „einen Panzer gegen einen Künstler gestellt“. Es ist heiß und schwül im Monumental, Matthäus sieht Maradona zum ersten Mal live. „Korrekt, eng am Mann, hart, fair“ – so hat er seinen Part angekündigt, und er hält ihn 90 Minuten lang durch. Von Maradona ist so gut wie nichts zu sehen. Wolfgang Dremmler schießt das 1:0, Gabriel Calderon den Ausgleich, aber der Mann des Spiels ist Matthäus. Fünf Kilogramm Körpergewicht verliert er an diesem Abend, aber so gut wie keinen Zweikampf gegen Maradona. Der bezeichnet ihn in seiner Autobiographie „Yo soy el Diego“ als den „besten Gegenspieler, den ich je hatte“.

Das Drama

Argentinien – Deutschland 3:2 (1:0)

29. Juni 1986 in Mexiko-Stadt; WM-Finale

Wieder hat es Matthäus mit Maradona zu tun, auch dieses Mal gelingt ihm, was bei dieser WM noch keiner geschafft hat: Er schaltet ihn aus. Doch dessen Kollegen zeigen, dass sie mehr sind als Staffage für den besten Fußballer der Welt. Das liegt auch daran, dass die Deutschen großzügig sind und dem Gegner die frühe Führung schenken. Torhüter Harald Schumacher springt an einer Flanke vorbei und lässt José Luis Brown einköpfen. In der zweiten Halbzeit erhöht Maradonas heutiger Intimfeind Jorge Valdano auf 2:0, das Spiel scheint gelaufen. Teamchef Franz Beckenbauer aber zeigt Mut und wechselt die Stürmer Dieter Hoeneß und Rudi Völler ein. Der bullige Hoeneß rempelt gleich Maradona um, es ist das Signal für die aufregendste Schlussphase, die ein WM-Finale je erlebt hat. Karl-Heinz Rummenigge verkürzt auf 1:2, acht Minuten später köpft Völler das 2:2. Maradona schreibt in seinen Memoiren, beim Anstoß habe er zu Jorge Burruchaga gesagt: „Los, sie sind müde, jetzt packen wir sie!“ Drei Minuten später gelingt ihm sein einziger Geniestreich im Finale: ein Pass auf Burruchaga, die deutsche Abwehr ist zu weit aufgerückt, Schumacher läuft halbherzig heraus. 3:2. Argentinien ist Weltmeister.

Die Revanche

Deutschland – Argentinien 1:0

8. Juli 1990 in Rom; WM-Finale

Die Herren Maradona und Matthäus begegnen sich unter veränderten Vorzeichen. Der Argentinier ist weit entfernt von seiner 86er Glanzform, und der bei Inter Mailand gereifte Deutsche hat die Rolle des Aufpassers eingetauscht gegen die einer Führungspersönlichkeit. Es wird das einseitigste Finale der WM-Geschichte. In der zweiten Halbzeit muss Torhüter Bodo Illgner 36 Minuten warten, bis zum ersten Mal ein Ball auf sein Tor rollt. Es ist eine Rückgabe von Jürgen Kohler. Verzweifelt versuchen die Argentinier, sich über die Zeit zu retten. Aber in der 86. Minute stürzt Völler im Strafraum allzu bereitwillig über das Bein von Roberto Sensini. Als Elfmeterschütze ist Matthäus vorgesehen. Der aber hat in der Halbzeit den Schuh gewechselt und mag, abergläubisch wie er ist, nicht zum Vollzug antreten. Also übernimmt Andreas Brehme den Job und trifft zum 1:0. Ein paar Minuten später ist Schluss. Maradona weint bei der Siegerehrung, er sieht dunkle Mächte am Werk, „die Mafia hat gewonnen“. Dass er sich in diesen Kreisen ganz gut auskennt, wird die Welt erst ein paar Jahre später erfahren.

Das Wiedersehen

Deutschland – Argentinien 1:1, 4:2 i.E.

30. Juni 2006 in Berlin; WM-Viertelfinale

Bei der WM 2006 feiert Maradona als prominentester Tourist des Turniers ein Wiedersehen mit Deutschland. Doch weil er fürs Viertelfinale nicht genug Karten für seine Entourage bekommt, bleibt er beleidigt im Hotel. In seiner Suite an der Friedrichstraße bejubelt er das 1:0 durch Roberto Ayala. Alles sieht nach einem Erfolg des WM-Favoriten aus, bis sich zwanzig Minuten vor Schluss Torhüter Roberto Abbondanzieri verletzt und ausgetauscht werden muss. Das ist nicht vorgesehen im Plan von Trainer José Pekerman, denn es wird ihm in der entscheidenden Phase eine Wechseloption fehlen. Er reagiert ängstlich und holt erst Spielmacher Juan Roman Riquelme und dann Stürmer Hernan Crespo vom Platz. Eine Minute später gelingt Miroslav Klose das 1:1. Pekerman kann nicht mehr reagieren, Maradonas Liebling, Weltstar Lionel Messi, muss auf der Ersatzbank bleiben. Es kommt zu dem, was sich keine Mannschaft auf der Welt gegen Deutschland wünscht: Elfmeterschießen. Torhüter Jens Lehmann zaubert den berühmtesten Zettel der Fußballgeschichte aus seinem Stutzen und pariert die Schüsse von Ayala und Esteban Cambiasso. Alle Deutschen treffen, und die Nation bekommt ihr Sommermärchen, womit sich die Argentinier nicht so recht abfinden wollen. Noch auf dem Spielfeld zetteln sie eine Rangelei an, in deren Folge auch Torsten Frings zulangt und deshalb für das Halbfinale gegen Italien gesperrt wird. Maradona verlässt Berlin, ohne sich von seiner Mannschaft zu verabschieden. Gut zwei Jahre später kommt es zu einem Wiedersehen, als der argentinische Verband Maradona als neuen Nationaltrainer vorstellt. An diesem Mittwoch ist er den Deutschen in München erstmals als Trainer gegenüber getreten.

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