Fussball : Kleiner Plausch am Spielfeldrand

1986 gab es ihn: Einen Spieler, der mit den Fans während der Partie taktische Feinheiten diskutierte. Heutzutage vermisst Philipp Köster humorige Fußballer.

Philipp Köster

Letzte Woche auf der Bielefelder Alm. Ein Arminia-Anhänger regte sich fürchterlich auf. „Das ist ein Schauspieler. Wird kaum berührt, aber fällt sofort hin“, erregte sich der Fan, um seine Schimpfkanonade mit dem Statement zu beenden: „Typisch Ossi!“

Das Ulkige daran: Die Beschimpfung galt dem Rostocker Victor Agali, gebürtiger Nigerianer. Womit wieder mal bewiesen wäre, dass es beim Fußball auf den Rängen lustiger zugeht als auf dem Spielfeld. Dort wird inzwischen fürchterlich humorlos herumgebolzt, vorbei die Zeiten, als Spaßvogel Sepp Maier noch nach einer verirrten Flugente hechtete oder sein Kollege Wolfgang Kleff dem Publikum seinen nackten Allerwertesten zeigte.

Auf den Rängen hingegen gibt es immer noch viel zu lachen, was vor allem daran liegt, dass der Genuss von Alkohol das Denkvermögen deutlich mindert und nicht jeder Fan mehr mitbekommt, was er da brüllt, wenn er brüllt. Da wird dann die Grammatik gnadenlos gebeugt: „Geh doch zu Hause!“ krakeelte ein Schalker Anhänger mal wutentbrannt in Dortmund, während ein Kölner nach einer desaströsen Leistung des FC nur noch die Kollektivstrafe verhängte und fünf Minuten lang schrie: „Alle raus! Alle raus! Alle raus!“, um dann erschöpft auf seinem Stuhl zusammenzusacken.

Ganz selten habe ich erlebt, dass Spieler auf die Zurufe der Fans reagieren. 1986 forderten Bielefelder Zuschauer auf der Osttribüne den Abwehrmann Michael Wollitz auf, sich doch endlich mal ins Angriffsspiel einzuschalten, worauf Wollitz anfing, mit dem Publikum zu diskutieren: „Was soll ich denn machen? Da kommt doch keiner mit zurück“. Wollitz war drauf und dran, taktische Feinheiten der ballorientierten Gegnerdeckung zu erörtern, als ihn die Zuschauer warnten: „Vorsicht, Ball kommt!“

Wäre doch zu schön, wenn die Spieler auch heute mal wieder während des Spiels ein Schwätzchen mit den Zuschauern halten würden, anstatt nur schnaufend am Mittelkreis herumzustehen. Victor Agali könnte den Anfang machen, der alte Ossi.

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