Fußball : Madrid verliebt sich in Ronaldo

Sämtliche Erweckungsprediger und Pop-Dramaturgen dieser Welt werden Real-Madrid-Präsident Florentino Perez hassen, und Cristiano Ronaldo gleich dazu.

Julia Macher

MadridMadrid - Sämtliche Erweckungsprediger und Pop-Dramaturgen dieser Welt werden Florentino Pérez hassen, und Cristiano Ronaldo gleich dazu. Mit dem sakralen Popspektakel, dass der Real-Madrid- Präsident für den teuersten Spieler aller Zeiten inszenierte, kann niemand konkurrieren. Was lässt sich schon vergleichen mit der Hysterie, die CR9, the artist formerly known as CR7, im Santiago Bernaubeu Stadion entfachte?

80 000 Menschen strömen am Montagabend ins Stadion, der Rest versammelt sich draußen vor Großleinwänden, um den 94-Millionen-Euro-Einkauf zu bejubeln. Im Vip-Bereich sitzt auch ein Vertreter des Vatikans, schließlich wird kein Geringerer als der Messias erwartet. Der Heilsbringer des modernen Fußballs ist am Nachmittag im Privatjet vom Himmel herabgestiegen und wartet jetzt auf den großen Auftritt. „Nur wenige sind auserwählt, über die wahrhaft Großen Zeugnis abzulegen“, beginnt der Präsident seine Rede. Es ist eine missglückte Hommage auf die Klublegenden Alfredo di Stefano und Eusebio, die Reals glorreiche Geschichte repräsentieren. Dann springt der leibhaftige Cristiano Ronaldo auf die Bühne. Er zeigt ein strahlendes Lächeln, so weiß wie sein neues Real-Madrid-Trikot, kratzt sich verlegen am Oberschenkel und löst dann mit dem Standardsatz „Ich bin sehr glücklich, hier zu sein“ und einem gemeinsam gebrüllten „Eins, zwei drei: Hala Madrid!“ eine kollektive Massenhysterie aus. „Ronaldo, heirate mich!“-Schilder werden geschwenkt, T-Shirts vom Leib gerissen, neue angezogen. Das Marketingkalkül geht auf: In wenigen Stunden verkauft der Klub 5000 Ronaldo-Trikots.

Einen Hauch Katharsis gibt es dann doch. Spät nachts wird Sportdirektor Jorge Valdano gefragt, warum es nicht gelungen sei, David Villa oder Xabi Alonso nach Madrid zu locken. Valdano räuspert sich und gesteht dann: „Die Spanier überschätzen Real Madrid und verlangen zu viel Geld.“ Dank Steuervorteilen für ausländische Spitzenkräfte kommen den Klub spanische Spieler zuweilen teurer zu stehen als internationale Stars. Man merkt, dass der Entdecker von Reals Vorzeigespielers Raúl davon nicht sonderlich begeistert ist. Julia Macher

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