Sport : Fußball-Nationalelf: Der Chef auf dem Rasen

Der heimliche Sieger in der Kokain-Affäre um Christoph Daum und bei der Neustrukturierung des DFB-Trainerstabes heißt Michael Skibbe. Zwar beherrscht Rudi Völler die Schlagzeilen, aber der eigentliche Ersatz für den vormals designierten Bundestrainer Christoph Daum ist der als Dortmunder Chefcoach gescheiterte Skibbe. Die rechte Hand von DFB-Teamchef Völler ist in seiner schwammigen Funktion als "Nur"-DFB-Trainer der ranghöchste und wichtigste Coach in Diensten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

"Michael Skibbe ist künftig der Koordinator zwischen allen sportlichen Ebenen im Verband. Aus diesem Grund hat er am Montag auch erstmals an der Sitzung der Task Force teilgenommen, bei der mit Skibbes Zustimmung auch das neue Konzept der Nachwuchsförderung verabschiedet wurde", sagte der für die Nationalmannschaft zuständige DFB-Direktor Bernd Pfaff.

In den vergangenen vier Wochen überstand die Zweckgemeinschaft eine harte Probe. Weil Rudi Völler als doppelter Teamchef der Nationalmannschaft und von Bayer Leverkusen die Grenzen der Belastbarkeit zu spüren bekam, übertrug er einen Teil der Verantwortung auf Michael Skibbe. Der 35-jährige Assistenzcoach erledigte die Vorbereitungsmaßnahmen auf das Testspiel gegen Dänemark - Ausarbeiten der Trainingspläne, Studium des Gegners und Formüberprüfung der Nationalspieler - nahezu eigenverantwortlich und zur vollsten Zufriedenheit seines Chefs. Völler: "Da war er noch mehr gefordert, das hat er ganz toll gemacht."

Die jüngsten Erfahrungen haben Teamchef Völler in der Ansicht bestärkt, den richtigen Mann für das Amt des Bundestrainers ausgewählt zu haben, für das auch Friedhelm Funkel oder Andreas Brehme zur Diskussion standen. "Michael ist meine erste Ansprechperson, mein Partner", sagt Völler über seinen Assistenten, der sich keinesfalls nur als Gehilfe sieht. "Ich will kein Kotrainer sein. Mir war wichtig, dass mein Aufgabenbereich das Training auf dem Platz war."

Dort gibt in der Tat der ehemalige Dortmunder Coach den Ton an, ruhig, sachlich, mit knappen und unmissverständlichen Kommandos. Völler verfolgt das Geschehen, die Arme hinter dem Rücken verschränkt, hier und da ein kurzes Zwiegespräch führend. "Michael Skibbe leitet das Training, da redet Rudi Völler nicht viel rein. Dafür ist Rudi Völler für die Aufstellung zuständig, da redet Michael Skibbe nicht rein", beschreibt Kapitän Oliver Bierhoff die Aufgabenverteilung des Duos, das sich offensichtlich ideal ergänzt. "Sie haben die gleiche Sichtweise und die gleiche Einstellung", so Bierhoff.

Das konnte man vom Vorgängergespann Erich Ribbeck und Uli Stielike beim besten Willen nicht behaupten. Die einstigen Freunde hatten sich durch die gemeinsame Arbeit auseinanderdividiert. Dagegen scheinen Völler und Skibbe, die sich überhaupt nicht kannten, zu einem Team zusammenzuwachsen. "Die Galionsfigur und der akribische Arbeiter. Das sind Typen, die sich ergänzen", meint Schalkes Manager Rudi Assauer.

Noch immer aber warten die beiden darauf, dass die mündlichen Abmachungen mit dem Verband schriftlich fixiert werden und die ursprünglich nur bis zum Saisonende datierten Verträge überarbeitet werden. Laut DFB-Mediendirektor Wolfgang Niersbach soll diese Anpassung "zeitnah" erfolgen. Dann wird nicht nur die Laufzeit bis zur WM 2002 verlängert, sondern auch die Aufgabenstellung genau definiert.

Bei der Reform des DFB-Trainerstabes soll Skibbe als Führungskraft eine zentrale Rolle spielen. Der ehemalige Dortmunder Trainer soll als Nachfolger des bald 66-jährigen Dietrich Weise die strukturelle und inhaltliche Koordination des gesamten Nachwuchsbereiches übernehmen, für den der DFB zu Wochenbeginn eine mit jährlich 20 Millionen Mark geförderte Ausdehnung beschlossen hatte. Parallel dazu soll Stielike als Leiter der Junioren-Auswahlmannschaften des DFB die zweite Säule bilden. Allerdings hat er sich noch nicht klar geäußert, ob er weiterhin beim DFB bleiben möchte. Auch im Unterbau zeichnen sich Veränderungen gab, da mit Klaus Sammer und Hannes Löhr zwei DFB-Trainer in den nächsten Jahren altersbedingt ausscheiden.

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