Sport : Fußball-Nationalmannschaft: Erinnerung an einen peinlichen Auftritt

miro

Natürlich war es wieder einmal der Bauchmensch Reiner Calmund, der Böses ahnte: "Vielleicht würde bei einigen Spielern ein Tritt in den Hintern die mentale Blockade lösen." Das sagte Leverkusens Manager vor knapp drei Jahren, im Sommer 1999, wenige Stunden vor dem bisher letzten Fußball-Länderspiel von Deutschland gegen die USA. Es lag nicht an der mexikanischen Mittagshitze, die Calmund zu Kopf gestiegen war, sondern am bis dahin peinlichen Auftritt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Guadalajara und den untauglichen Erklärungsversuchen der Spieler.

Im Rahmen des Konföderationen-Cups (Deutschland war als Europameister eingeladen und wollte Pluspunkte sammeln für die Bewerbung um die WM 2006) hatte die Elf von Bundestrainer Erich Ribbeck 0:4 gegen Brasilien verloren und selbst beim 2:0-Sieg über Neuseeland schlecht ausgesehen. Um ins Halbfinale vorzudringen, hätte Deutschland im letzten Gruppenspiel die USA schlagen müssen.

Deutschland verlor das Spiel in Mexikos zweitgrößter Stadt schließlich 0:2 durch Tore von Ben Olsen und Joe-Max Moore. Doch noch grausamer als das nackte Ergebnis war der Umstand, gegen eine zusammengewürfelte amerikanische Mannschaft verloren zu haben. US-Trainer Bruce Arena hatte seine Elf nach einem 0:1 gegen Brasilien auf neun Positionen verändert und praktisch seine zweite Garnitur gegen die Deutschen aufgeboten. Angesprochen auf das Risiko, gegen Deutschland mit neun neuen Spielern angetreten zu sein, die kaum über internationale Erfahrung verfügten, antwortete Frankie Hejduk, damals wie heute bei Bayer Leverkusen unter Vertrag: "Wieso Risiko? Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur elf, sondern 15, 20 gute Spieler haben." Es gab Beobachter, die schon lange bei der Nationalmannschaft sind, die bissig erklärten, es sei das schlechteste Länderspiel der Deutschen aller Zeiten gewesen. Franz Beckenbauer, DFB-Vizepräsident, übernahm quasi die Verantwortung. Der DFB hatte ja Ribbeck zu diesem sportlichen sinnlosen Auftritt gezwungen.

Frankie Hejduk tauschte nach dem Spiel sein Trikot gegen das von Lothar Matthäus, der gerade sein 139. Länderspiel absolviert hatte. Wenige Minuten später landete das Hemd von Matthäus auf den Rängen des Jalisco-Stadions bei irgendwelchen Zuschauern. Der deutsche Fußball war in den USA schon mal wertvoller.

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