Fußball-Nationalmannschaft : In der Abwehrmitte wird es eng

Vor einigen Jahre mangelte es im Nationalteam an starken Innenverteidigern. Mittlerweile bieten sich fast zu viele gute Spieler für die Abwehrmitte an - auch am Sonntag, wenn es gegen Uruguay geht.

Gregor Derichs
Mann der Mitte. Friedrich (hier zwischen Müller und Kroos) könnte am Sonntag an der Seite von Badstuber spielen.
Mann der Mitte. Friedrich (hier zwischen Müller und Kroos) könnte am Sonntag an der Seite von Badstuber spielen.Foto: dapd

Vor gut einem Jahr, als Joachim Löw in Stuttgart die 23 Nationalspieler für das WM-Aufgebot bekannt gab, rief besonders eine Entscheidung bei einigen Bundesligaspielern regen SMS-Verkehr hervor. „Warum Badstuber?“, lautete eine Frage von Abwehrspielern, die im Ruhrgebiet zu Hause sind. Mats Hummels, inzwischen Deutscher Meister mit Borussia Dortmund, oder Benedikt Höwedes, mit Schalke 04 vor einem Jahr Vizemeister, wunderten sich, dass Löw dem Münchner Konkurrenten den Vorzug gab – sozusagen an ihnen vorbei. Hummels, 22, und Höwedes, 23, hatten im Sommer 2009 mit der Junioren-Auswahl für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) erstmals den U21-Europameistertitel gewonnen. Löw lobte beide umgehend als Kandidaten für den baldigen Aufstieg in die A-Nationalelf. Doch dann überholte der Münchner Badstuber, 21, das Duo, er war beim FC Bayern München zum Stammspieler gereift, stand bei der Weltmeisterschaft zu Beginn zweimal in der Startelf. Vor dem Freundschaftsspiel am Sonntag in Sinsheim gegen Uruguay (Anstoß 20 Uhr, live im ZDF), das als Test für die EM-Qualifikationsspiele in Österreich (3. Juni) und Aserbaidschan (7. Juni) dient, hat sich das Trio erstmals komplett bei der Nationalmannschaft versammelt.

Aber nicht nur diese Drei kämpfen um einen Platz in der Innenverteidigung. „Dort hat sich die Situation wahnsinnig verbessert. Vor Jahren mussten wir immer zittern, dass Mertesacker oder Metzelder nicht ausfallen. Ich musste dort immer Notlösungen parat haben“, sagte Löw. Der 51-Jährige kann plötzlich für die beiden Positionen in der Abwehrmitte, auf der viele Jahre händeringend nach Nachwuchs gesucht wurde, einen gewissen Überfluss feststellen. Denn auch der Wolfsburger Arne Friedrich, der bei der WM in Südafrika überragend spielte, steht nach längerer Verletzung wieder zur Verfügung. Die Luxuslage ist inzwischen so groß, dass Löw sogar auf die Nominierung von Per Mertesacker, den eigentlichen Abwehrchef, verzichtete, damit der Bremer seine chronischen Fersen-Probleme auskurieren kann.

Auch Jerome Boateng, den die Bayern eventuell von Manchester City verpflichten wollen, spielt am liebsten Innenverteidiger, bei der Junioren-EM bildete er mit Höwedes ein überragendes Gespann. Bei der Nationalelf ist der frühere Berliner aber nur, um nach einer Meniskusoperation ein Spezialtraining mit den Fitness-Trainern zu absolvieren.

In allen bisherigen fünf EM-Qualifikationspielen seit der WM und im Test-Klassiker gegen Italien vertraute Löw auf Mertesacker und Badstuber. Da Mertesacker fehlt, sucht der Bundestrainer gegen Uruguay eine Alternative, der die Rolle als Badstubers Assistent in Wien und Baku übernimmt. Friedrich, der am Sonntag 31 Jahre alt wird, dürfte die erste Option sein, Hummels die zweite. Höwedes, erst am Mittwoch kurzfristig nachnominiert, darf nach zwei Jahren Wartezeit zumindest mit seinem Debüt rechnen. „Der Bundestrainer hat mit mir gesprochen, dass ich vielleicht eine Einsatzchance bekomme“, sagte er. Der Mönchengladbacher Marco Reus, der zweite Neuling im Kader, muss wegen muskulärer Probleme nach dem Relegationserfolg gegen Bochum seine Premiere als A-Nationalspieler erneut aufschieben.

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