Sport : Fußball-Nationalmannschaft: Mit Rückenwind gegen England

Mit vier Rückkehrern, dem Rückenwind aus dem Länderspiel gegen Ungarn und der Unterstützung der eigenen Zuschauer will Rudi Völler am 1. September im "Spiel des Jahres" gegen den Erzrivalen England vorzeitig das Ticket für die Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan lösen. "Wir wollen in München gegen England alles klar machen", meinte ein optimistischer Teamchef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei der Bekanntgabe seines 21-köpfigen Aufgebotes für das entscheidende Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel am 1. September (19.30 Uhr/live in der ARD) in dem seit Wochen mit 63 000 Zuschauern ausverkauften Münchner Olympiastadion.

Im Gegensatz zum ersten Saisontest in Ungarn (5:2) am 15. August in Budapest kann Völler wieder auf seinen Abwehrchef Jens Nowotny, Michael Ballack ( beide Bayer Leverkusen), Christian Wörns (Borussia Dortmund) und auch Mehmet Scholl vom Champions-League-Sieger Bayern München zurückgreifen. Fehlen werden dagegen der Dortmunder Jörg Heinrich (Knöchelverletzung) und auch der Bremer Marco Bode, der sich am Montag im Training einen Muskelfaserriss zugezogen hat.

Zudem ist der Leverkusener Carsten Ramelow für die Partie gesperrt. Der Dortmunder Christoph Metzelder, der in Ungarn sein erstes Länderspiel bestritt, muss laut Rudi Völler "erst mal Hannes Löhr bei der U 21 helfen, die Punkte zu holen". Dagegen ist der 21-jährige Sebastian Kehl vom SC Freiburg nach seinem starken Auftritt in Budapest wieder dabei.

Derzeit einziges Sorgenkind ist Mehmet Scholl, der wegen einer Entzündung im Sprunggelenk auch für das europäische Supercup-Finale heute gegen den FC Liverpool passen musste. "Scholl ist ein unheimlich wichtiger Kreativspieler, der an einem guten Tag ein Spiel alleine entscheiden kann. Ich hoffe, dass wir ihn bis zum 1. September fit bekommen. Wenn er es nicht packen sollte, wäre das ein herber Verlust", meinte der Teamchef. Zudem hofft Völler, dass am Wochenende im Pokal-Wettbewerb keine weiteren Nationalspieler verletzt werden.

Völler, der seine Spieler am kommenden Dienstagmittag im idyllischen Hotel Schloßgut Oberambach in Münsing am Starnberger See zum Treffpunkt erwartet, warnt trotz der hervorragenden Ausgangsposition vor verfrühter Euphorie. "Wir stehen sehr gut da, sind aber noch lange nicht durch. In dem Spiel geht es für beide Teams fast um alles. Und die Engländer haben unter ihrem neuen Trainer Sven-Göran Eriksson wieder etwas an Stabilität gewonnen und wollen uns noch als Tabellenführer abfangen", erläuterte der Teamchef, der genau weiß, dass die jüngsten Testspielergebnisse - England verlor in der vergangenen Woche gegen die Mannschaft der Niederlande 0:2 - "nichts zählen".

Der 41-Jährige demonstrierte knapp anderthalb Wochen vor dem Klassiker aber auch eigene Stärke: "Wir glauben an uns, spielen zu Hause und deshalb auf Sieg. Sollte das Spiel unentschieden enden, könnten wir damit aber sicherlich besser leben als die Engländer."

Deutschland führt die Tabelle der Euro-Gruppe neun mit 16 Punkten vor England (10) an, das aber noch ein Spiel mehr auszutragen hat. Das Hinspiel hatte die DFB-Auswahl am 7. Oktober vergangenen Jahres durch einen Freistoßtreffer von England-Legionär Dietmar Hamann 1:0 in London gewonnen. Es war zugleich das letzte Spiel im legendären Wembleystadion vor dessen Abriss.

Bei einem Sieg im Rückspiel wäre dem dreimaligen Welt- und Europameister als Gruppenerster das Ticket für die Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea nicht mehr zu nehmen. Bei einem Remis müsste die DFB-Auswahl im abschließenden Gruppenspiel am 6. Oktober in Gelsenkirchen gegen Finnland ebenfalls noch einen Zähler verbuchen, um den Qualifikationsspielen der Gruppenzweiten am 7. und 14. November aus dem Weg zu gehen.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Rudi Völler zusammen mit seinem Trainer Michael Skibbe auf eine ruhige Vorbereitung. "Wir brauchen zwar unsere Ruhe, wollen uns aber auch nicht total abschotten, denn das wäre auch nicht gut." Dennoch wird nur eine der geplanten fünf Trainingseinheiten öffentlich sein.

Auch das Thema Sicherheit spielt beim Spiel der Spiele eine wesentliche Rolle. "Wir haben im Vorfeld alles getan, damit nichts passiert", berichtet Horst R. Schmidt, der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes. Kopfzerbrechen bereiteten nicht die 6000 englischen Fans, die Karten haben, sondern diejenigen, die ohne Karte nach München reisen. "Aber auch darauf sind wir in Zusammenerarbeit mit den englischen Kollegen bestens vorbereitet", so Schmidt.

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