Fußball-Nationalmannschaft : Thomas Müller ist zurück im Kerngeschäft

Krise? Welche Krise? Thomas Müller trifft in der WM-Qualifikation wie er will. Bei der EM und in der Bundesliga lief es zuletzt hingegen längst nicht so gut.

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Habe die Ehre! Thomas Müller grüßt das Hamburger Publikum nach seinem Tor zum 3:0.
Habe die Ehre! Thomas Müller grüßt das Hamburger Publikum nach seinem Tor zum 3:0.Foto: dpa

Thomas Müller hatte wirklich Pech, dass sein Einsatz nicht belohnt wurde. Das WM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Tschechien näherte sich seiner finalen Phase, eine letzte Flanke segelte in den Strafraum, und Thomas Müller, der Stürmer, stand da, wo Stürmer stehen müssen: nah am Tor. Noch einmal raffte er sich auf, mobilisierte er die letzten Kräfte. Müller stieg hoch und erwischte den Ball mit dem Kopf; doch dann pfiff der Schiedsrichter und verhängte einen Freistoß – für die Deutschen. Müller hatte drei Meter vor dem eigenen Tor in höchster Not geklärt, war dabei aber von seinem tschechischen Gegenspieler regelwidrig bedrängt worden.

Dass sich der deutsche Angreifer beim Stand von 3:0 und zu diesem späten Zeitpunkt überhaupt noch an der Verteidigung beteiligte, fand Mats Hummels einerseits bemerkenswert, weil das nicht Müllers vorrangige Aufgabe ist – und andererseits auch wieder nicht bemerkenswert, weil Thomas Müller nun mal Thomas Müller ist. „Er macht alles, damit die Mannschaft erfolgreich ist“, sagte sein Münchner Vereinskollege Hummels.

In der Regel besteht Müllers Beitrag zum Erfolg der Nationalmannschaft aus Toren, Toren und noch mal Toren. 36 sind es jetzt schon in bisher 80 Länderspielen. Nur eins fehlt ihm noch, um zu Oliver Bierhoff aufzuschließen und es unter die Top Ten der besten deutschen Torschützen zu schaffen. Aber zuletzt hatte der Münchner in seiner Kernkompetenz ein wenig geschwächelt. In der Bundesliga steht er nach sechs Spieltagen immer noch bei null Treffern, was natürlich in Kombination mit seiner Bilanz bei der Europameisterschaft im Sommer (ebenfalls kein Tor) für eine wirklich dramatische Krise spricht. Andererseits hat Müller gegen Tschechien im zweiten WM-Qualifikationsspiel zum zweiten Mal zwei Tore erzielt. „Ich war natürlich in einer tragischen Situation vor dem Spiel, entsprechend bin ich froh, dass ich mich aus dem Sumpf befreien konnte“, scherzte der 27-Jährige.

Wann ein Stürmer trifft und wann nicht, bleibt für immer rätselhaft

Thomas Müller – das ist keine neue Erkenntnis – ist ein humoriger Bursche, und seine Fähigkeit zur Selbstironie hat er sich selbst in schwierigeren Zeiten bewahrt. Bei der Europameisterschaft zum Beispiel, als er Tag für Tag auf seine Torlosigkeit angesprochen wurde und trotzdem nach außen jederzeit die Ruhe bewahrte. „Es gibt bei jedem Offensivspieler mal eine Phase, wo er nicht trifft und ihm ein bisschen das Pech an den Füßen klebt“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Das sei während der EM bei Müller sicherlich der Fall gewesen. „Jetzt hat er bei uns auch wieder einen guten Lauf.“ Wann und warum ein Stürmer trifft und wann und warum er nicht trifft, das wird vermutlich für immer eines der unlösbaren Rätsel des Fußballs bleiben. „Erklärungen dafür zu finden ist schwierig“, glaubt Löw.

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Vielleicht gibt es auch keine, und wenn es keine gibt, muss man auch nicht krampfhaft nach welchen suchen. Zumindest hat Müller das nicht getan. „Du musst dir was vornehmen, hart an dir arbeiten und es immer wieder versuchen“, sagte er. „Wenn du konsequent bist, gehen sie rein.“ So wie gegen Tschechien, als er mit einem überlegten Schuss gegen die Laufrichtung des Torhüters nach einer knappen Viertelstunde zum 1:0 traf und später wie ein guter alter Mittelstürmer Richtung kurzer Pfosten sprintete, vor dem tschechischen Verteidiger an den Ball kam und den 3:0-Endstand erzielte.

Zu verstehen ist das manchmal wirklich nicht. Bei zwei WM-Endrunden hat Müller zweimal fünf Tore erzielt, bei zwei EM-Turnieren zweimal null. Jetzt ist wieder WM-Qualifikation, und „wenn WM draufsteht, funktioniert es gleich wieder“, sagte der Münchner. „Interessant und irgendwie lustig.“ Wobei: Richtig lustig hat Thomas Müller das wohl nicht gefunden.

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