Fußball : Neue Spekulationen um Ballack

Im Millionen-Poker um seine Zukunft hat Michael Ballack eine Einigung mit Chelsea London dementiert - die erste Option des Kapitäns der Nationalmannschaft bleibt offensichtlich Real Madrid.

Florenz/London/München - Die überraschende Meldung des Londoner Boulevard-Blattes «Daily Mail» über einen angeblichen Wechsel des Mittelfeldstars des FC Bayern München zum englischen Meister wurde am Dienstag nur wenige Minuten nach der Ankunft der deutschen Nationalmannschaft in Italien vom 29-Jährigen zurückgewiesen. Es sei nichts unterschrieben und er sei auch nicht in London gewesen, ließ Ballack noch auf der Fahrt vom Flughafen in Bologna zum Team-Quartier in Florenz über den Deutschen Fußball-Bund (DFB) ausrichten.

Auch Ballacks Berater Michael Becker bezeichnete die Meldung aus London als «Spekulation». Allerdings sagte der Rechtsanwalt aus Luxemburg der dpa, dass es zu Jahresbeginn eine Anfrage des Clubs des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch gegeben habe. «Ein Mittelsmann des FC Chelsea hat sich über die Transfermodalitäten erkundigt», so Becker. Der Berater versicherte, dass Ballack noch keine Entscheidung getroffen habe: «Nach wie vor ist alles offen.»

Während es mit den Verantwortlichen des FC Bayern seit der Rücknahme ihres Vertragsangebotes im vergangenen November laut Becker kein Gespräch mehr gab, wurde mit Real über ein mögliches Engagement gesprochen. Allerdings hat der Machtkampf innerhalb der Führung des spanischen Rekordmeisters die Verhandlungen ins Stocken gebracht. Nach dem überraschenden Rücktritt von Präsident Florentino Perez am Montagabend und der Amtsübernahme von Fernando Martin bemerkte Becker: «Ich wüsste gar nicht, wen ich jetzt bei Real anrufen sollte. Der Rücktritt von Perez ist nur die Spitze der Eskalation bei Real. Die Entwicklung sollte auch dem Dümmsten zeigen, warum es zu keinen Endverhandlungen gekommen ist.»

Sein Klient gerate aber nicht in Unruhe, versicherte Becker. Es sei nicht ausgeschlossen, dass eine Entscheidung über den kommenden Arbeitgeber von Ballack nicht vor der WM fallen werde. «Michael sieht das Ganze relativ entspannt», behauptete Becker. Bundestrainer Jürgen Klinsmann erwartet ebenfalls interessiert das Ende des Pokers: «Wir sind auch gespannt», sagte er in Florenz. Einfluss nimmt er nicht: «Wir halten uns absolut raus. Das ist eine ganz wichtige Entscheidung für Michael und den FC Bayern.»

Ballack gilt derzeit als einer der begehrtesten Spieler auf dem europäischen Transfermarkt. Zuletzt wurde Inter Mailand besonders häufig genannt. Nachdem Ballack das Bayern-Angebot von über 30 Millionen Euro für eine Verlängerung des am Saisonende auslaufenden Kontrakts um vier Jahre bis 2010 ausgeschlagen hatte, brachte die «Daily Mail» am Dienstag noch höhere Summen ins Spiel. Ein Vertrag mit einer Laufzeit von vier Jahren soll dem FC Chelsea pro Woche umgerechnet rund 177 000 Euro (121 000 Pfund) wert sein. Ballack würde damit angeblich zum bestbezahlten Fußballer der Welt werden.

Eine Bestätigung des Premier-League-Clubs fehlt allerdings in dem Bericht. Chelseas Coach José Mourinho und Vorstandschef Peter Kenyon hatten noch Ende des vergangenen Jahres ein Interesse an dem besten deutschen Spieler dementiert. «Das einzige, was ich sagen kann, ist, dass Michael Ballack nicht zu uns kommen wird», sagte Kenyon damals. Auf Ballacks Stammposition im offensiven Mittelfeld spielt bei den Londonern der englische Nationalspieler Frank Lampard, der hinter dem Brasilianer Ronaldinho (FC Barcelona) bei den Wahlen zum Weltfußballer und zu Europas Fußballer des Jahres 2005 jeweils den zweiten Platz belegt hatte. Nationaltorhüter Jens Lehmann vom FC Arsenal London kann sich einen Ballack-Wechsel zum Lokalrivalen Chelsea nicht vorstellen: «Es erscheint mir unwahrscheinlich, dass Michael zu Chelsea geht. Die haben doch Lampard.»

Beim FC Bayern war am Dienstag von einer Einigung zwischen Ballack und Englands Champion ebenfalls nichts bekannt. «Wir wissen davon nichts. Vielleicht ist es eine Zeitungsente, wie so viele in den letzten Tagen», sagte Vereinssprecher Markus Hörwick. (Von Klaus Bergmann und Jens Mende, dpa)

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