Sport : Fußball: Noch mehr Mittelmaß

Stefan Hermanns

Manchmal mögen die Deutschen ihre Ausländer richtig gern: wenn sie schnell laufen, hart schießen, toll dribbeln und viele Tore erzielen - kurz: wenn sie außergewöhnlich gute Fußballer sind. Früher war es für die Fußballfans in dieser Hinsicht einfacher. Jeder Bundesligaverein durfte nur zwei Nicht-Deutsche beschäftigen, und weil die Plätze rar waren, ließen die Klubmanager bei der Auswahl besondere Sorgfalt walten. Wer es aus einem fremden Land in die Bundesliga geschafft hatte, war daher schon per se ein Liebling des Volkes. Mag sein, dass dabei auch die exotische Komponente eine Rolle gespielt hat, doch die Ausländer von früher waren im Vergleich zu ihren deutschen Kollegen einfach die besseren Fußballer: Kevin Keegan beim HSV, Allan Simonsen bei Borussia Mönchengladbach, Sören Lerby bei den Bayern oder Asgeir Sigurvinsson beim VfB Stuttgart. Heute heißen die Spieler aus dem Ausland Latoundji, Ganea oder Hejduk - vor 30 Jahren wären sie nicht einmal zum Probetraining eingeladen worden.

Dass jeder Bundesligist künftig fünf außereuropäische Ausländer einsetzen darf statt drei, wird dazu führen, dass noch mehr internationales Mittelmaß in die Liga kommt. Die echten Stars zieht es nach Spanien, England oder Italien. Trotzdem heulen die Deutschen, dass ihr Nachwuchs überhaupt keine Chance mehr habe. Natürlich ist dies eine Schutzbehauptung. Dass der deutsche Nachwuchs zunehmend von ausländischen Spielern verdrängt wird, liegt einfach daran, dass der deutsche Nachwuchs für zu wenig Leistung zu viel Geld fordert. Vielleicht schrauben die deutschen Talente und deren Berater ihre Ansprüche ja künftig wieder zurück, um überhaupt eine Chance zu bekommen. Wenn 19-Jährige dann nach dem ersten Profijahr immer noch im Kleinwagen zum Training kommen müssen, hätte die neue Ausländerregelung schon mal nicht den schlechtesten Effekt gehabt.

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