Sport : Fußball-Regionalliga: Nicht schlüssig

Kerstin Hebeler

Nur wenige Zeilen lang war die Nachricht. In fünf Sätzen teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gestern mit, dass Sachsen Leipzig, SSV Ulm und Göttingen 05 "kaum mit einer Zulassung zur Regionalliga rechnen können". Sie hätten innerhalb einer Frist, die Dienstagnacht um 24 Uhr endete, "keine schlüssigen Nachweise zur Erfüllung der Bedingungen erbracht". Die endgültige Entscheidung über den Zwangsabstieg trifft der Zulassungsbeschwerdeausschuss der Regionalverbände zwar erst am kommenden Montag. Da die Klubs aber bis dahin keine neuen Fakten vortragen dürfen, müssen sie in der kommenden Saison wohl in der Oberliga spielen. Ulm kann nicht einmal das tun: Der Verein beantragte noch gestern beim Ulmer Amtsgericht die Einleitung eines Insolvenzverfahrens.

"Die Lähmung ist gewichen, es herrscht aber noch eine sehr katermäßige Stimmung", sagt Jens Fuge, Sprecher des Notpräsidiums von Sachsen Leipzig. Dieses Notpräsidium um Günter Arndt und Oskar Szczepankiewicz vertritt den Klub, nachdem er kurzfristig führungslos war. Das alte Präsidium war geschlossen zurückgetreten, als feststand, dass die für die Lizenzerteilung geforderte Bürgschaft über 5,9 Millionen Mark nicht hinterlegt werden konnte. "Wir müssen klären, ob und wie die Zusammenarbeit mit Sportwelt weiterläuft", sagt Fuge, der selbst dem ehemaligen Präsidium angehörte. Das Darlehensvolumen, das der Vermarkter Sportwelt zugesichert hatte, sei noch nicht erschöpft. Außerdem habe Sportwelt den Verein bis Freitagabend im Glauben gelassen, für den Rest des Geldes zu bürgen, wenn Sachsen Leipzig 1,5 Millionen Mark besorge. Sportwelt wiederum weist jede Verantwortung von sich. "Wir haben zwar dauerhafte Gespräche geführt, aber konkrete Zahlen standen nie im Raum", sagt Pressesprecher Roman Wittemeier.

Muss Sachsen Leipzig, ehemals Chemie Leipzig und 1964 vor dem Konkurrenten Lokomotive Leipzig (heute: VfB Leipzig) überraschend DDR-Meister, in die Oberliga absteigen, dann blieben die Amateure von Werder Bremen in der Regionalliga Nord. Rot-Weiß Erfurt nimmt im Süden den Platz vom Zweitliga-Absteiger SSV Ulm ein. Die Erfurter, eigentlich in die Oberliga abgestiegen, freuten sich auf ihre Art über die fehlende Finanzkraft der Ulmer. "Ist das wirklich wahr? Keine Ente?", fragte Erfurts Trainer Hans-Ulrich Thomale. Er hatte trotz des Abstiegs seinen Vertrag verlängert - nun kann er doch für die dritte Liga planen.

Holstein Kiel profitiert wohl von Göttingens Problemen und rückt für die Niedersachsen nach. Im Gegensatz zu Ulm, Leipzig und Göttingen konnten die Sportwelt-Klubs Eintracht Frankfurt, 1. FC Magdeburg und Rot-Weiß Essen die Bürgschaften beim DFB hinterlegen. Genau 5,09 Millionen Mark brachten die Magdeburger noch in letzter Minute zusammen. Nun kann der Oberliga-Meister für die Regionalliga planen. Ein wenig mehr, 6,1 Millionen Mark, hat Rot-Weiß Essen in kürzester Zeit aufgetrieben. "Ach, wir hatten doch ein paar Tage Zeit", sagt Präsident Rolf Hempelmann. Gibt dann aber zu: "Es war sehr schwierig. Das Ganze hing am seidenen Faden." Aber zwölf Unternehmen aus Essen sowie Vereinsmitglieder hätten die Bürgschaften hinterlegt. Immerhin 1,5 Millionen Mark tragen die Mitglieder von Rot-Weiß Essen selber.

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