Fußball : Stadionsperren in Deutschland?

Theo Zwanziger hat nach den Fan-Krawallen in Leipzig nicht ausgeschlossen, dass auch in Deutschland Stadien gesperrt werden. Gleichzeitig räumte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes eine Mitschuld an den Ausschreitungen ein.

Halle/Leipzig - "Ich kann mir Stadien vorstellen, in denen kein Fußball mehr gespielt wird", sagte Zwanziger dem Radio-Sender "MDR Info". Er hielt auch so genannte "Geisterspiele" vor leeren Rängen für möglich - wie zuletzt in Italien. Zwanziger machte den Deutschen Fußball-Bund (DFB) mitverantwortlich für die Krawallen in Leipzig. "Nach den Verhältnissen in Italien hätten wir vielleicht damit rechnen müssen, dass einige aus der Hooligan-Szene der Weltöffentlichkeit deutlich machen wollen, dass die deutschen Hooligans nicht schlechter sind als die italienischen." Dann entschuldigte sich der DFB-Chef bei den Polizisten.

Die Gewerkschaften der Polizei forderten ein härteres Vorgehen gegen Randalierer. Vereine und Verbände sollen stärker in die Pflicht genommen nehmen. "Italienische Verhältnisse dürfen nicht geduldet werden", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg. Am Samstag war es nach einer Begegnung im sächsischen Landespokal zwischen dem 1. FC Lokomotive Leipzig und dem FC Erzgebirge Aue II zu schweren Ausschreitungen gekommen. Etwa 800 Hooligans hatten rund 300 Polizisten attackiert; es gab 42 Verletzte.

"Von der Politik kommt nichts"

Der Aufsichtsratsvorsitzende des 1. FC Lok Leipzig, Frank Müller, denkt trotz der erneuten Krawalle nicht an Rücktritt. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Das war eine abgesprochene Sache gewaltbereiter Fans", sagte er. Bald soll es eine Sitzung des Vorstandes und des Aufsichtsrates geben. "Ich habe Angst um den Verein", meinte Müller und forderte Hilfe von der Politik, "denn bisher kam nichts".

Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) kündigte in der "Leipziger Volkszeitung" an, das Problem auf politischer Ebene zu behandeln. Die Polizei gründete eine spezielle Ermittlungsgruppe. Unterdessen haben die Polizei-Gewerkschaften Alarm geschlagen. "36 verletzte Polizisten sollten Anlass genug sein, um die Täter konsequent zur Rechenschaft zu ziehen. Es ist skandalös, dass die mutmaßlichen Gewalttäter am Sonntag schon wieder auf freien Fuß kamen", sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Wolfgang Speck.

Der DPolG-Chef forderte eine engere Zusammenarbeit zwischen Vereinen, dem DFB, der Politik und der Polizei. Es müsse mehr Überwachung geben und Stadionverbote sollen zur Regel werden, sagte Speck. (Von Frank Kastner und Jörn Perske, dpa)

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