Sport : Fußball: Tage der Abrechnung

Sven Goldmann

Michael Kölmel hat nicht mehr viel Freude am Fußball. Die Ehrenmitgliedschaft bei Vereinen wie Fortuna Düsseldorf oder Rot-Weiß Essen ist ihm so sicher wie Gregor Gysi ein Bundestags-Direktmandat in Passau. Die Klubchefs und der DFB vergessen bei ihrer Kritik an dem Unternehmer, dass es Rot-Weiß Essen oder Fortuna Düsseldorf ohne Kölmel nicht mehr geben würde. 15 Vereine hat der Medien-Unternehmer in den letzten Jahren unterstützt. Jetzt wird abgerechnet. Wer Erfolg hat - Mönchengladbach, Mannheim und Union Berlin -, den fördert Kölmel weiter. Der Rest muss sehen, wo er bleibt.

Viel spricht dafür, dass die Baisse an der Börse dafür verantwortlich ist, dass Michael Kölmel keine Bürgschaften mehr geben will. Das aber entwertet nicht sein betriebswirtschaftliches Argument: Die Klubs gierten nach kurzfristigem Erfolg, wo der Finanzier mittelfristige Sanierung forderte. Wer viel gibt, will irgendwann etwas zurückbekommen. Die Zeiten, da Fußball als Subventionsbetrieb funktionierte, sind vorbei.

Es waren die Zeiten, in denen Bundesligisten wie Fortuna Düsseldorf oder Rot-Weiß Essen wie selbstverständlich viel mehr Geld ausgaben als sie einnehmen konnten und am Ende nur überlebten, weil die Kommunen als Retter einsprangen. (Das war in den siebziger Jahren bei Hertha BSC nicht anders. Der Verkauf des vereinseigenen Platzes am Gesundbrunnen für einen überhöhten Preis an den Senat war auch nichts anderes als Subvention.)

Die Bundesligaklubs werden längst nicht mehr wie Schützenvereine, sondern wie mittelständische Unternehmen geführt. Solche Strukturen braucht auch die Regionalliga, und wenn sie die Klubs nicht selbst schaffen, müssen sie dazu gezwungen werden. Warum wird bei Lizenzanträgen nur Zahlenwerk geprüft und nicht die Qualifikation der Leitenden Angestellten?

Zum Beispiel die Gerhard Mayer-Vorfelders. Der hat als Chef beim VfB Stuttgart mindestens 17 Millionen Mark Schulden hinterlassen. Heute ist er DFB-Präsident.

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