Sport : Fußball-Übertragungsrechte: Warum Kirch die Kurzberichte fürchtet

Joachim Huber

Nach den gültigen Regeln dauert ein Fußballspiel 90 Minuten à 60 Sekunden. Das macht 5400 Sekunden. Um ein paar Sekunden Fußball für die "Tagesschau" streiten die Kirch-Gruppe als Inhaber der Fernsehrechte und die ARD, die in ihrer Nachrichtensendung am Samstag die wichtigsten Spiele zusammenfassen will. Die Kirch-Gruppe hat für drei Milliarden Mark die Senderechte an der Bundesliga bis zur Saison 2002/2003 gekauft. Eine gewaltige Summe, die Kirch vor allem für Pay-TV Premiere World investiert hat. Nur hier laufen alle Spiele live.

Diese Exklusivität soll den Fan zum Kauf eines Abos zwingen, denn der süchtige Fan soll erst in der "ran"-Sendung alle Spiele im frei empfangbaren Sat 1-Programm sehen können. Aber: Kirch kann seine Investition über seine Senderfamilie nicht refinanzieren. Er braucht weitere Einnahmen, er braucht weitere Lizenznehmer für die Zweit- und die Drittverwertung. Das ZDF spielt mit und wird in der "heute"-Sendung und im "Aktuellen Sport-Studio" berichten. Die ARD spielt nicht mit. Sie will, gegen gutes Geld, in der "Tagesschau" die wichtigsten Partien zusammenfassen. Das lehnt Kirch ab. Denn was kann "ran" um 20 Uhr 15 noch wert sein, wenn in der ARD bereits Bilder gelaufen sind?

Damit Kirch sich richtig unter Druck gesetzt fühlt, droht die ARD mit dem Recht auf Kurzberichterstattung. In der Theorie ein scharfes Schwert, geschmiedet 1998 vom Bundesverfassungsgericht und über Artikel 5 des Rundfunkstaatsvertrages gültiges Recht: "Das Recht auf unentgeltliche Kurzberichterstattung über Veranstaltungen und Ereignisse, die öffentlich zugänglich und von allgemeinem Informationsinteresse sind, steht jedem in Europa zugelassenen Fernsehveranstalter zu. Dieses Recht schließt die Befugnis zum Zugang, zur kurzzeitigen Direktübertragung, zur Aufzeichnung, zu deren Auswertung zu einem einzigen Beitrag ein."

Genutzt hat dieses Recht noch kein Sender. Alle müssen fürchten, dass dieses Schwert, einmal gegen einen anderen gerichtet, auch gegen einen selbst gerichtet werden kann. Motto: Machst du mir meine Bundesliga kaputt, ruiniere ich dir deine Länderspiele.

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