Sport : Fußball und Weltpolitik: Jugoslawien - ein Team wie alle anderen?

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Als die jugoslawischen Fußballer von Belgrad aus auf dem Flughafen Amsterdam-Schiphol landeten, hatten sie die schwierigste Phase ihrer EM-Vorbereitung gestern hinter sich. Einen Tag nachdem Kosovo-Albaner vor Gericht gescheitert waren mit ihrem Antrag, den Jugoslawen ein Einreisevisum zu verweigern, müssen diese nun nur rechtzeitig einlaufen: ins Stadion von Charleroi (gegen Slowenien), Lüttich (gegen Norwegen) und Brügge (gegen Spanien). Die Gegner werden am Mittelkreis warten. Ob die sich dann freuen oder nicht, steht auf einem anderen Blatt, aber wenigstens das Reglement der Uefa betrachtet die Jugoslawen wie die 15 anderen Turnier-Teilnehmer.

Kein europäisches Land wollte seine Auswahl im Vorfeld der EM üben lassen mit den Jugoslawen - nicht etwa aus Angst vor einer sportlichen Blamage. Die EU-Länder haben über Belgrad einen stillen Boykott verhängt, niemand möchte öffentlich etwas zu tun haben mit dem Land, dem Europa die Schuld am Kosovo-Konflikt in die Schuhe geschoben hat. Von allen Seiten kamen nur Absagen auf die Anfragen und Einladungen, die Türken ließen sogar einen fest terminiertes Länderspiel in Belgrad kurzfristig platzen; auf eine detaillierte Erklärung haben sie verzichtet. Eine eilends zusammengetrommelte Journalisten-Auswahl sprang als Ersatz ein - und unterlag 1:7.

Als zweiter Sparringspartner mussten die mit dem Regime von Belgrad politisch befreundeten Chinesen herhalten. Im Stadion der Arbeiterklasse in Peking siegten die Jugoslawen mit mehr Glück als Verstand 2:0. Danach ging der zwölftägige Asien-Trip weiter zu zwei Partien in Südkorea und einem letzten Testmatch in Hongkong. "Dort waren wir wenigstens willkommen", sagt Slobodan Komljenovic vom 1. FC Kaiserslautern, "aber was können wir Sportler dafür, wir wollen doch nur Fußball spielen".

Wenigstens haben die Stars des Teams - nur vier von 22 verdienen ihr Geld noch in der nationalen Liga - gemerkt, dass die Machthaber von Belgrad sie ganz geschickt als propagandistische Waffen einsetzen wollen. Deshalb auch der Aufstand Mihailovics, der gar mit seinem Rücktritt drohte, nachdem in den serbischen Zeitungen Berichte erschienen waren, er sei Mitglied in Slobodan Milosevics Partei geworden. Der Abwehrspieler vom Italienischen Meister Lazio Rom erklärte, er habe verschiedene Dokumente unterschrieben, "allerdings als sportlicher Botschafter meines Landes". Mit der Regierungspartei wolle er nichts am Hut haben.

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