Sport : Fußball unter dem Hakenkreuz: Akten, Archive und eine Ansprache

Fünfeinhalb Jahrzehnte hat es gedauert, bis sich der Deutsche Fußball-Bund dazu durchrang, seine Rolle in der Nazi-Zeit wissenschaftlich erforschen zu lassen. Zweieinhalb Jahrzehnte ist es her, dass der Politologe und Fußballfan Walter Jens auf der 75-Jahr-Feier des DFB sagte: "Fast scheint es, als habe es während der dreizehn Jahre der faschistischen Herrschaft nur ein einziges Problem gegeben: Wie bringen wir es fertig, die verschiedenen Spielsysteme, das kraftvolle im Altreich geübte WM-System und den eleganten Offensivfußball aus Wien, zu verbinden. Auschwitz aber, Buchenwald, Emigration, der Widerstand der Antifaschisten, davon hätte doch auch die Rede sein müssen. Nichts ... über das Echo in den eigenen Reihen: die Anpassung und die Verweigerung." Zweieinhalb Jahre ist es her, dass der DFB die Feierlichkeiten zu seinem 100. Geburtstag vorbereitete und Walter Jens in einem Interview für das Buch "Stürmer für Hitler" seine Worte von 1975 bekräftigte: "Ich könnte diese Rede heute genauso halten, wie ich sie damals gehalten habe." Und anfügte: "Seriös wäre es, wenn ein Historiker mal die Akten auswerten würde. Der DFB müsste mal seine Archive öffnen."

Beides soll nun geschehen. Der DFB hat die Historiker Klaus Hildebrandt und Nils Havemann mit einer Studie beauftragt. Auch Borussia Dortmund lässt forschen. Anlass für uns, dem Thema eine Seite zu widmen.

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