Fußball-Verbände : DFB-Präsident Zwanziger soll in die Uefa-Exekutive

Kandidat wider Willen: DFB-Präsident Zwanziger soll Nachfolger von Gerhard Mayer-Vorfelder in Europas Fußball-Regierung werden. Auf dem Uefa-Gipfel am Mittwoch stellt er sich zur Wahl. Und er hat prominente Fürsprecher: Franz Beckenbauer und Uefa-Präsident Platini.

Eric Dobias[dpa]
Theo Zwanziger
Theo Zwanziger wollte zuerst gar nicht kandidieren - ist nun aber zuversichtlich. -Foto: dpa

KopenhagenBeim europäischen Fußball-Gipfel in Kopenhagen will Theo Zwanziger seine internationale Feuertaufe mit Bravour bestehen und die Nachfolge von Gerhard Mayer-Vorfelder in der Uefa-Exekutive antreten. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) stellt sich an diesem Mittwoch auf dem Uefa-Kongress in der dänischen Hauptstadt zuversichtlich zur Wahl in Europas Fußball-Regierung und darf dabei auf prominente Fürsprecher bauen. Franz Beckenbauer hat im Vorfeld für Zwanziger kräftig die Werbetrommel gerührt, und auch Uefa-Präsident Michel Platini wünscht sich den DFB-Boss in das Gremium.

"Da Gerhard Mayer-Vorfelder ausscheidet, erscheint es logisch, dass ein Platz für Deutschland reserviert ist. Ich gehe davon aus, dass Theo Zwanziger keine Probleme haben wird, gewählt zu werden", sagte Beckenbauer am Dienstag nach der letzten Sitzung des alten Exekutivkomitees.

Dennoch sieht Zwanziger die Wahl im Bella Center von Kopenhagen nicht als Selbstläufer an. "Wenn man sich um ein Mandat bewirbt, dann hofft und wünscht man sich natürlich auch, dass man gewählt wird. Erwarten kann man das nicht. Es ist wie bei jeder Wahl, dass es mehr Kandidaten gibt als Plätze zur Verfügung stehen. Deshalb ist es so, dass ich das in großer Gelassenheit abwarte und das Votum der Delegierten respektiere", sagte Zwanziger.

Zwanziger formuliert Anspruch des DFB

Zwölf Kandidaten bewerben sich um neun Plätze in der Exekutive, die maßgeblich die Geschicke des europäischen Fußballs bestimmt. Der DFB ist in dem Gremium seit vielen Jahren durch den am Mittwoch von der großen Fußball-Bühne abtretenden Mayer-Vorfelder vertreten. "Es ist schon so, dass der DFB als einer der größten Sportverbände der Welt in dem Gremium, in dem viele Grundsatzentscheidungen des europäischen Fußballs getroffen werden, vertreten sein sollte", formulierte Zwanziger den Anspruch.

In den kommenden vier Jahren will der Kandidat wider Willen, der eigentlich Generalsekretär Wolfgang Niersbach auf den Posten lancieren wollte und seinen Hut erst auf sanften Druck aus der Uefa und dem DFB selbst in den Ring warf, die Interessen des deutschen Fußballs auf internationaler Ebene wahrnehmen. "Es wäre schon gut, wenn wir hier weiterhin unsere Vorstellungen vom Fußball einbringen, aber natürlich auch von anderen lernen können. Da ein Stück weit mitzugestalten und die Erfahrungen unseres großen Fußball-Marktes in Deutschland einzubringen, wäre wichtig", sagte Zwanziger.

Beckenbauer: Zwanziger findet in schwierigen Situation die "richtigen Wege"

Unterstützt wird der DFB-Präsident in seinem Bestreben von Beckenbauer, der als Mitglied im Exekutivkomitee des Weltverbandes Fifa seinen ganzen Einfluss für Zwanziger hat spielen lassen. "Mit seinem rhetorischen Geschick und seiner Erfahrung, mit seinem juristischen Sachverstand und seiner Fähigkeit, gerade in schwierigen Diskussionen und Situationen die richtigen Wege und Argumente zu finden, bringt Theo Zwanziger alle Voraussetzungen mit, um die Entwicklung des Fußballs in Europa stark zu beeinflussen", lobte der "Kaiser".

Einen Tag vor der Wahl votierte er erneut für einen ständigen Sitz der großen Verbände wie Deutschland, England, Frankreich, Spanien und Italien in der Exekutive. Ein entsprechender Vorstoß war allerdings vor zehn Jahren nicht von Erfolg gekrönt und wurde seither nie wieder unternommen.

Um Zwanziger auf europäischem Terrain bekanntzumachen, hat der DFB eine eigens erstellte Hochglanz-Broschüre an die Uefa-Mitglieder verschickt. "Gelassen darf man nur sein, wenn man auch gearbeitet hat. Die anderen Verbände erwarten, dass wir Deutschen uns um ihre Stimme bemühen, mit fairen Mitteln und im Verweis auf das, was wir glauben, einbringen zu wollen", erklärte der 63-jährige DFB-Präsident.

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