Sport : Fußball-Vereine im Osten haben zunehmend wirtschaftliche Nöte

Jens Mende

Mit Lok Altmark Stendal droht innerhalb kürzester Zeit dem dritten Ost-Verein die Pleite. Den derzeit 13. der Fußball- Regionalliga Nordost drücken 500 000 Mark kurzfristige Verbindlichkeiten. "Auch wenn es eine nicht so große Summe ist. Das ist existenzbedrohend für uns", erklärte Stendals Manager Ralf Lemme. Bis zum Wochenende sollen Experten den finanziellen Zustand des Vereins noch einmal untersuchen. Danach könnte ein Antrag auf Einleitung des Insolvenzverfahrens folgen.

Mit dem Ex-Bundesligisten VfB Leipzig und dem ehemaligen Zweitligisten FSV Zwickau mussten bereits zwei Vereine in der laufenden Serie diesen Weg einschlagen. "Die Situation ist Besorgnis erregend", meinte der Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV), Hans-Georg Moldenhauer: "Das ganze ist für den gesamten Fußball im Osten sehr problematisch."

Der NOFV-Chef, zugleich auch Vizepräsident des Deutschen Fußball- Bundes (DFB), hatte sich dafür stark gemacht, dass die neue Regionalliga ab Sommer 2000 mit sieben Ost-Vereinen starten darf. "Bei den Diskussionen damals wurde mir schon gesagt, dass wir froh sein könnten, wenn wir überhaupt so viele wirtschaftlich intakte Ost-Clubs hätten", sagt Moldenhauer, von der Pleitewelle betroffen. Da bei eingeleiteten Konkursverfahren Spieler die Möglichkeit haben, ihre Verträge zu kündigen und bei Konkurrenten anzuheuern, wächst die Gefahr der Wettbewerbsverzerrung.

Nicht wenige sehen in der Lizenzierung, der sich alle Drittliga-Kandidaten ab 1. März 2000 erstmals aussetzen müssen, als weitere Hürde, an der Vereine zerbrechen werden. Der Präsident von Babelsberg 03, Detlef Kaminski, rechnet mit zwei bis drei Vereinen, die aus wirtschaftlichen Gründen die Zulassung nicht bekommen werden. Moldenhauer sieht sich nun Vorwürfen ausgesetzt, ein bereits vor der laufenden Saison 1999/2000 angedachtes Lizenzierungsverfahren nicht durchgeführt zu haben: "Dafür fehlte uns sowohl die rechtliche Grundlage als auch das Personal." Laut Spielordnung hätte der NOFV keine Sanktionsmöglichkeiten gehabt. Beim FC Rot-Weiß Erfurt war im Juni 1997 das Vollstreckungsverfahren eröffnet worden, im März 1998 aber erfolgte die Einstellung, nachdem man sich auf eine Quote von zehn Prozent für die Forderungen geeinigt hatte.

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