Fußball : Vollverschleiert im Sturm

Überraschender Besuch: Die iranische Nationalspielerin Narmila Fathi kommt zur Berliner Premiere des Fußballfilms "Football Under Cover".

Annette Kögel
Fathi
Narmila Fathi vor einem Plakat des Fußballfilms "Football under cover". -Foto: dpa

BerlinStaubig sind die Straßen von Teheran, und ein rauer Wind verweht die schwarzen Schleier. Blickdicht sind sie dennoch verhüllt, die iranische Nationalspielerin Narmila Fathi und ihre Mutter Efat, auch sie früher für ihr Land am Ball. Jetzt spielen sich die beiden Frauen den Ball zu, wie sie das immer tun in diesem Land, wo Männern bei Frauen-Spielen der Zutritt verboten ist und Frauen der Zutritt bei Männer-Partien. „Fußballspielen bedeutet für mich Kraft bekommen – und Selbstbewusstsein ausstrahlen“, sagt die 23-jährige Narmila Fathi aus Teheran. Die Trainingseinheit mit ihrer 50 Jahre alten Mutter ist eine Szene aus dem deutsch-iranischen Dokumentarfilm „Football Under Cover“, der schon im Februar bei der Berlinale ausgezeichnet wurde. Am morgigen Donnerstag kommt der Film in die deutschen Kinos, und die junge Nationalspielerin Narmila Fathi ist die einzige aus ihrer Mannschaft, die jetzt zur Premiere nach Deutschland ausreisen konnte.

Allein in der Hauptstadt gibt es 40 Damenteams

Unter dem Kopftuch strahlen mit Kajal geschminkte Augen. Die sonst vollverkleidete Stürmerin mit der Nummer 13 trägt außerhalb des Spielfelds Lippenstift. Wenn sie in Teheran in die Universität zu den Vorlesungen in Sportwissenschaften geht, achten Sittenwächter darauf, dass bei Mädchen vom neunten Lebensjahr an ja kein Knopf zu weit geöffnet ist, keine Strähne zu viel aus dem Schleier schaut. Muss auch der Frauenfußball im Land von Präsident Mahmud Ahmadinedschad erst aus der Defensive kommen? Narmila Fathi winkt ab. „Wir haben bei uns in vielen Provinzen insgesamt 14 Frauenliga-Fußballmannschaften“, sagt die schlanke Frau, „und allein in Teheran gibt es 40 Damenteams.“ In der Nationalmannschaft waren sogar schon ein männlicher Trainer und Physiotherapeut unter Vertrag. Zuletzt traten die Iranerinnen in Vietnam bei den Westasien-Meisterschaften an. Narmila Fathi hat schon in Dubai, Jordanien, Kuwait und Katar Tore geschossen.

Ein Höhepunkt der Karriere war aber vor zwei Jahren das Freundschaftsspiel gegen die Berliner Verbandsligamannschaft Al Dersimspor. Von dieser Begegnung zweier Welten, dem ersten öffentlichen Frauenfußballspiel in einem Stadion seit der Revolution 1979, erzählt auch der Film „Football Under Cover“. Voll nachdenklicher Sequenzen, voller Situationskomik – ein Fußballfilm mit authentischem Charme wie der Kreuzberg-Streifen „Prinzessinnenbad“. Die Regisseure Ayat Najafi und Spielerin Marlene sowie ihr Bruder David Assmann begleiteten die Berlinerinnen beim Training, bei Botschaftsbesuchen, beim Schleieranprobieren im Flugzeug, beim Auflaufen im Stadion mit ausgelassen feiernden Iranerinnen. Und immer wieder zeigt die Kamera auch die Fußballspielerin Narmila: Wie sie im Park dribbelt, wie die Mutter sie bittet, sich doch vor dem Kamerateam auch zu Hause lieber zu verhüllen, wie sie beim Gitarrenspiel in sich versinkt.

"Die Fifa sollte auch verschleierte Teams akzeptieren"

In Berlin muss sie jetzt ständig Autogramme geben. Die Gegnerinnen aus Kreuzberg trinken Radler und rauchen auch mal eine Kippe, die Iranerin zieht Mineralwasser durch den Strohhalm und löffelt Gemüsesuppe. Sie erzählt, dass sie mittlerweile auf Hallenfußball umgestiegen ist, „mir gefällt der hohe technische Anspruch und die Schnelligkeit des Spiels“. Und sie trainiert jetzt selbst den Nachwuchs. Von ihrem Ausflug nach Berlin berichtet die 23-Jährige ihren Mannschaftskameradinnen per SMS.

Sie alle hoffen, dass sie doch noch, wie schon 2007 geplant, als Team ein Rückspiel gegen die Deutschen machen dürfen. In Berlin. Wenige Stunden vor dem Abflug mussten die Mädchen damals ihre Koffer wieder auspacken. Technische Probleme, so die Begründung. Für das Spiel wollen sich auch die Kino-Premierengäste Claudia Roth von den Grünen und die frühere Nationalspielerin Steffi Jones stark machen. Jones schenkte ihrer iranischen Kollegin vorm Kino „voller Hochachtung“ einen Pin von der Frauenfußball-WM in Deutschland 2011. „Ich wünsche mir, dass die Fifa auch verschleierte Teams akzeptiert, dann könnten wir da mitmachen“, sagt Fathi.

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