Fußball Weltmeisterschaft : WM mit 48 Teams? Horror ohne Schrecken!

Von allen Szenarien um eine Aufstockung der Fußball-WM hätte die 48er-Variante noch den wenigsten Schrecken. Zumindest aus Sicht der Deutschen. Ein Kommentar.

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Horror-Regisseur? Fifa-Präsident Gianni Infantino will eine Fußball-WM mit 48 Teams inszenieren.
Horror-Regisseur? Fifa-Präsident Gianni Infantino will eine Fußball-WM mit 48 Teams inszenieren.Foto: dpa

Jetzt also 48. Nachdem eine Aufstockung der Fußball-Weltmeisterschaft von 32 auf 40 Teilnehmer schon fast nicht mehr abwendbar schien, bringt Fifa-Präsident Gianni Infantino nun sogar 16 zusätzliche Teams bei WM-Turnieren ab dem Jahr 2026 ins Gespräch.

Natürlich geht es dem Chef des Weltverbandes darum, sein Wahlvolk aus den kleineren Verbänden zu umwerben. Und darum, den Profit seiner Turnier-Melkkuh zu maximieren. Das ist die altbekannte, verquere Funktionärslogik.

Aber von allen Horrorszenarien schreckt eine 48er-WM am wenigsten. 32 Mannschaften sollen zunächst eine Play-off-Runde spielen. Die Sieger stoßen zu den 16 gesetzten Mannschaften. Es folgt die gewohnte 32er-WM mit Gruppen- und K.o.-Spielen.

Für die Deutschen ändert sich nichts

Gerade für vermutlich dauergesetzte Spitzenteams wie Deutschland oder Brasilien würde sich nichts ändern. Für sie gäbe es wohl keine zusätzlichen Spiele. Und die blöde Rechnerei, wer nun weiterkommt, wie bei der 24er-EM oder einer 40er-WM, entfiele.

Viele Fragen sind noch zu klären bei der nächsten Sitzung des Fifa-Councils am 13. und 14. Oktober in Zürich: Wie passt ein WM-Turnier mit 80 Spielen in den vollen Kalender? Welches Land kann ein solches Großturnier noch austragen? Wer ist gesetzt, wer muss sich wie qualifizieren? Zur Not zieht sich Infantino eben auf seine Ursprungsidee mit 40 Teams zurück.

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FIFA-Wahl: Kandidat Gianni Infantino im Porträt
FIFA-Wahl: Kandidat Gianni Infantino im Porträt

Eine Play-off-Runde vor Ort würde zumindest sicherstellen, dass die 16 Teams, die sich qualifizieren, in guter Form sind. Und nicht nur dank eines Zwischenhochs dabei sind, das sie mal vor einem Jahr in der WM-Qualifikation hatten. Allerdings stellt sich immer mehr die Frage nach dem Sinn von zwei Jahren Qualifizierei.

Geht ein Stück WM-Gefühl kaputt?

Aus deutscher Sicht könnte ein Stück WM-Gefühl kaputtgehen: dass es ab dem ersten Tag kribbelt. Wer würde Play-offs ohne deutsche Beteiligung anschauen? Offenbar noch genug. Die Fernsehquoten bei der viel kritisierten 24er-EM in Frankreich waren weiter gut. Am Ende entscheidet die kalte Marktlogik. Schalten all die Fans, die sich jetzt wegen der 48er-Idee ereifern, bei der WM wirklich desinteressiert ab?

Und wenn schon: Wen interessieren ein paar Zuschauer weniger aus Europa, wenn in China oder Indien Millionen zusehen, weil ihreTeams dabei sind? Auch das ist die verquere Funktionärssicht, die doch ihre eigene Logik hat.

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