Fußball-Wetten : Die Betrugsgefahr spielt immer mit

Asiens Glücksspielmarkt hat eine zu große Macht über den Fußball in aller Welt, meint Friedhard Teuffel in seinem Kommentar. Denn wo so viel Geld eingesetzt wird, erliegen immer wieder Spieler und Schiedsrichter der Versuchung.

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Karikatur: Klaus Stuttmann

Die Welt des Sports ist schon viel enger zusammengerückt, als einem lieb sein kann. In Schanghai oder Singapur fiebert man bei Spielen der deutschen Fußball-Oberliga mit. Liebe zu einem deutschen Verein ist dabei nicht im Spiel – es geht ums Geld. Hunderttausende werden schon mal bei einer einzigen Partie gesetzt. Und manchmal wissen die Wettteilnehmer schon vorher, wie das Spiel ausgehen wird.

Asiens Glücksspielmarkt hat eine ungeheure Macht über den Fußball in aller Welt gewonnen. Denn wo so viel Geld eingesetzt wird, erliegen immer wieder Spieler und Schiedsrichter der Versuchung, für ein paar tausend Euro die Mannschaft und das Spiel zu verraten. Die Ermittlungsergebnisse von Europol zur Manipulation im Fußball sind daher nicht überraschend. Neu ist allenfalls das Ausmaß des Betrugs und dass Europol sich auch auf die hintersten Hintermänner in Asien fokussiert. Die europäische Polizeibehörde zeigt damit, wo das eigentliche Problem liegt – und dass es nicht zu lösen ist.

Glücksspiel gehört in vielen Ländern Asiens zur Alltagskultur, und weil dabei so viel Geld im Umlauf ist, nutzen Kriminelle diese Ströme, um ihr Geld zu waschen. Das kann dann eben auch mithilfe eines deutschen Fußballklubs passieren. Alle Forderungen an nationale und internationale Fußballverbände und selbst an die große Politik, doch endlich etwas dagegen zu tun, kann man sich daher sparen. Die Fußballverbände haben ein Frühwarnsystem eingerichtet, das in so gut wie keinem Manipulationsfall Alarm schlägt. Wie soll es auch, wenn manche Millionenwetten in geschlossenen asiatischen Zirkeln verabredet werden?

Die Betrugsgefahr ist zum Mitspieler geworden, gerade in halbprofessionellen Ligen, in denen 10 000 Euro Bestechungsgeld mehr sind als zwei Monatsgehälter. Manche Fußballspieler haben dazu noch ein Problem: Spielsucht. Ihnen reicht der Kick auf dem Platz nicht aus, es muss auch noch ein Wetteinsatz obendrauf. Gerade solche Spieler sind besonders anfällig für die Anwerbeversuche von Hintermännern. Eine gesellschaftliche Debatte über die Spielsucht bei Profis und Halbprofis ist eine der wenigen Dinge, die den Fußball jetzt ein kleines Stück weiterbringen könnten.

Unentdeckt bleiben viele Manipulationen auch, weil im Grunde manchmal gar nichts groß beeinflusst wird. Lässt die favorisierte Mannschaft kurz vor Schluss noch den Anschlusstreffer zum 2:1 zu und gewinnt anschließend trotzdem das Spiel, freut sich jeder Fan und kein Funktionär schöpft Verdacht. Doch dahinter kann auch eine Millionenwette stehen, wonach der Favorit eben nur mit einem Tor Unterschied gewinnen darf. Diese sogenannte Handicapwette kann viel Geld einbringen, ohne das Ergebnis entscheidend zu verändern.

Die asiatische Glücksspielkultur werden Fußballverbände und Politik aus Europa nicht ändern können. Trotzdem muss der Sport sich eingestehen, dass er nicht nur von Global Playern regiert wird, sondern auch von Global Gamblern.

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