Fußball : Wettskandal erreicht Nationalelf

Der neue Wettskandal im deutschen Fußball hat knapp drei Monate vor der Weltmeisterschaft die Nationalmannschaft erreicht. Einem Medienbericht zufolge soll ein deutscher Nationalspieler "mit der so genannten Wettmafia zusammenarbeiten". Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Hamburg - Mehrere Bundesligaspieler seien in den Skandal verstrickt, meldete das ARD-Magazin "Plusminus" unter Berufung auf "Insider-Informationen". Die Staatsanwaltschaft München I wertet die Informationen aus. «Gegebenenfalls werden wir ein Ermittlungsverfahren einleiten», sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler der dpa am Mittwoch. Die Sammlung und Prüfung von Informationen können aber noch einige Tage in Anspruch nehmen. «Wir werden und können keine Namen nennen», sagte Winkler.

Ungläubig hat Franz Beckenbauer auf die angebliche Verwicklung eines deutschen Nationalspielers in den Wettskandal reagiert. «Also, ich kann es mir nicht vorstellen», sagte der Chef des WM- Organisationskomitees in Berlin. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt wirke eine solche Diskussion jedoch zerstörend. «Es wird natürlich um die Welt gehen», sagte Beckenbauer, «es ist natürlich für unsere Organisation nicht gerade förderlich.» Gleichzeitig stellte Beckenbauer fest: «Ein deutscher Nationalspieler müsste eigentlich genug Geld verdienen, um auf solche Wett-Abenteuer zu verzichten.»

Recherchen in der illegalen Wettszene

Mehrere Monate hätten Mitarbeiter der «Plusminus»-Redaktion in der illegalen Wettszene recherchiert, hieß es auf der ARD-Internetseite. «In der Szene scheinen sich regelrecht Paten etabliert zu haben - mit anscheinend guten Kontakten zur Profi-Fußballern.» Der «Plusminus»- Informant, der seit Jahren in dem Umfeld agieren soll, behauptet: «Ich war persönlich bei so einem Gespräch dabei. Da hat ein Bundesligaspieler gesagt: 'Wir werden morgen verlieren'. Und dann hat er noch selber 10 000 Euro gegen seine eigene Mannschaft gesetzt. Ich habe das alles mitgehört.»

Ein Wettpate treffe nach Aussage des Informanten Absprachen mit Fußballprofis, die auch selber Wetten platzieren. Per Handy würden dann Mittelsmänner in ganz Europa informiert. Komplizen platzierten bei verschiedenen Wettannahme-Stellen Wetten mit relativ kleinen Beträgen. Auf Grund dieser Beträge - meist nicht viel mehr als 100 Euro - fielen die Wetten kaum auf.

Nach Informationen des Magazins «stern» soll ein in Malaysia geborener Chinese im Zentrum des neuen Wettskandals stehen. Nach Erkenntnissen der hessischen Ermittlungsbehörden sei der 45-jährige Mann aus Bad Dürkheim Kontaktmann einer internationalen Organisation, die bis nach China und Vietnam reiche. Die Gruppe soll Fußballspieler und Trainer durch Zahlungen von 5000 bis 15 000 Euro veranlasst haben, Spiele in europäischen Ligen zu manipulieren. Bei der Festnahme des Mannes in Mannheim seien in dessen Bad Dürkheimer Wohnung 50 000 Euro Bargeld und Spielbank-Jetons im Wert von 150 000 Euro gefunden worden. Ermittler des hessischen Landeskriminalamts gingen dem Verdacht der Geldwäsche nach, weil Spuren des Wettskandals auch in die Spielbankszene führten.

Vier Vereine aus der Regionalliga Süd - der 1. FC Eschborn, die Stuttgarter Kickers, Eintracht Trier und die SpVgg Bayreuth - haben bislang Anwerbungsversuche von Spielern bestätigt. Keiner sei jedoch darauf eingegangen. Vier Beschuldigte sitzen in Untersuchungshaft.

Nach «Plusminus»-Informationen soll die Wettmafia europaweit vernetzt sein. Der Informant: «Ich kenne die alle. Der Hoyzer und der Ante Sapina in Berlin sind da nur ganz kleine Fische. Auch bei dem Wettskandal in Belgien, wo jetzt gerade die belgische Polizei ermittelt, haben wir alles gewusst. Da hat ein Spieler von Sint Truiden den Tipp gegeben. Und dann wurde bei uns gesetzt. Über 400 000 Euro sind da allein bei einem Wettanbieter gewonnen worden.» Laut «stern» soll die Wett-Mafia auch versucht haben, die österreichische Erstliga-Begegnung Graz gegen Austria Wien mit 60.000 Euro zu beeinflussen, allerdings erfolglos. (tso/dpa)

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