Sport : Fußball wie am Rosenmontag

Der 1. FSV Mainz 05 könnte in der Bundesliga den freien Platz für alternativen Fußball besetzen

Friedhard Teuffel

Was ist neu?

Die Mainzer bringen Neues in die Bundesliga, sie selbst aber wollen sich nicht verändern. Bei ihnen wird weiterhin Christian Heidel als Manager arbeiten, ohne dafür bezahlt zu werden. Er führt eine BMW-Niederlassung nur einige hundert Meter vom Stadion entfernt. Einen ehrenamtlichen Manager hat sonst kein Verein in der Fußball-Bundesliga. Namhafte Spieler hat der Klub ebenfalls nicht verpflichtet und sich damit an ein Prinzip seines Trainers Jürgen Klopp gehalten: „Ich will Bundesligaspieler ausbilden, nicht kaufen.“

Immerhin haben sie einen heiß umworbenen Spieler für die nächsten vier Jahre an sich binden können: den torgefährlichen Verteidiger Manuel Friedrich. Ihn haben sie vom Meister Werder Bremen zurück nach Mainz geholt. Vor allem aber ist nicht nur ein Fußballverein in die Bundesliga aufgestiegen. Denn die Mainzer Fans machen sich gerne mit dem Gesang „Wir sind nur ein Karnevalsverein“ über sich selbst lustig. Nach Toren wird im Mainzer Stadion gerne der Narhallamarsch gespielt. Der FC St. Pauli ist aus dem Profifußball verschwunden, der SC Freiburg nach dem Spiel durch die Institutionen im Establishment angekommen – der Platz für den alternativen Frohsinnsfußball ist nun frei für Mainz 05.

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Wer ist der Star?

Der Liebling der Mainzer ist ihr Trainer. Den offensiven Fußball hat Jürgen Klopp zwar nicht neu erfunden, aber immerhin spricht er darüber in seinen eigenen Worten. Der 37 Jahre alte Diplom-Sportwissenschaftler verfügt über eine jugendliche und gewitzte Ausstrahlung. Dabei ist Klopp nur Teamchef, denn die notwendige Trainerlizenz besitzt er nicht.

Seine Popularität in der Stadt ist sogar dadurch noch gewachsen, dass er mit der Mannschaft zweimal erst am letzten Spieltag den Aufstieg verpasst hat. Klopp gab nicht auf. Als die Fans in der vergangenen Saison bei einem Zwischentief der Mainzer auf der Tribüne protestierten, ließ sich Klopp ein Megaphon reichen und überzeugte sie von ihrem gemeinsamen Projekt. Klopp ist auch bodenständig genug für den 1. FSV Mainz 05: 251 Zweitligaspiele hat er bestritten – alle für die Mainzer. Kein Profi hat mehr Spiele in der Zweiten Liga für den Klub gemacht. Im Februar 2001 hatte der Spieler Klopp den Trainerposten übernommen – an einem Fastnachtsdienstag. Anschließend rettete er seinen Verein vor dem Abstieg. Sein Aufstiegsmotto ist alles andere als bieder: „Wir sind so geil auf diese Liga.“

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Was ist möglich?

Die Mainzer sind von ihrem Fußball-Märchen ausreichend motiviert, und sie haben keine Profis verpflichtet, die im Spätherbst ihrer Karriere stecken. Den Teamgeist hat Jürgen Klopp durch ein Zeltlager in Schweden weiter gestärkt. In der Stadt ist die Begeisterung riesengroß, zum Trainingsauftakt kamen 14 000 Fans ins Stadion. Aber was bleibt vom Frohsinn nach den ersten Niederlagen? Über Erstligaerfahrung verfügen nur wenige Spieler und der Trainer gar nicht. Spielerisch ist die Mannschaft unbedarft. Nur mit der richtigen Mischung aus Disziplin und Fastnacht werden die Mainzer eine Chance auf den Klassenverbleib haben.

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