Sport : Fußball-WM 2002: Finalticket für 1500 Mark

Die WM 2002 wird ein teurer Spaß: Wer die Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der nächsten Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea verfolgen will, sollte jetzt schon mit dem Sparen beginnen - schafft die Völler-Truppe es nicht, ist dann wenigstens Geld für üppige Weihnachtsgeschenke vorhanden.

Dies gilt nicht nur wegen der Flugkosten nach Asien, des Länderwechsels bei erfolgreichem Abschneiden der deutschen Elf oder wegen der extremen Hotelkosten, wo für ein Zimmer wie ein Kaninchenstall schon 400 Mark einkalkuliert werden müssen. Auch die Preise für die Eintrittskarten sind gesalzen: Sitzplatz Kurve wird bei den Gruppenspielen nicht unter 120 Mark zu haben sein, ein Endspiel-Ticket auf der Haupttribüne kostet knapp 1500 Mark.

Immerhin wollen der Weltverband Fifa und die beiden Organisationskomitees aus Japan und Südkorea dafür garantieren, dass es nicht wieder zu einem Kartenskandal wie in Frankreich kommt. 1998 hatten windige Partner der Fifa Tickets offensichtlich mehrfach verkauft, und Fans - gerade auch aus Japan - sahen die Spiele dann allenfalls auf Großbildschirmen.

Inzwischen haben die Japaner ihre Zahlen auf den Tisch gelegt. Für ihre 32 Spiele gibt es 1,35 Millionen Tickets, von denen die Hälfte (665 000) an die Fifa für den weltweiten Verkauf gehen. Die Fifa hat ein neues System erfunden, mit dem sie garantieren kann, dass jeder Fan die Spiele seiner Mannschaft sieht - egal, wie weit diese kommt.

Japan gibt von seinem Kontingent 45 000 Tickets an Sponsoren; der Rest geht in den freien Verkauf. Der beginnt angeblich am 15. Februar - drei Monate später als ursprünglich geplant. Und damit liegt das wichtige Thema auf dem Tisch: Die Mitorganisatoren, die 1996 zu ihrem Glück gezwungen wurden, hecheln dem Zeitplan hinterher.

Seinerzeit hatten sowohl Japan als auch Südkorea jeweils 50 Millionen Mark für den Wahlkampf ausgegeben. Keines der beiden Länder wollte das Gesicht verlieren. Die europäischen Mitglieder des Exekutiv-Komitees machten sich für eine gemeinsame Organisation stark. Der damalige Fifa-Boss Joao Havlange formulierte dann in der entscheidenden Sitzung den nur sportpolitisch motivierten Vorschlag, und die Angestellten in Zürich müssen jetzt die Suppe auslöffeln, die ehrenamtliche Funktionäre ihnen eingebrockt haben.

Kürzlich stöhnte Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen: "Das sind doppelte Kosten, aber nur einfache Einnahmen." Teilweise hinken die lokalen Organisatoren den Zeitplänen um sechs Monate hinterher. Zwar beeilt sich die Fifa zu versichern, die Verspätung betreffe nicht die Stadienfrage und die Austragung der WM (Eröffnungsspiel: 31. Mai 2002 in Seoul) sei nicht gefährdet. Parallel dazu aber heißt es, die Verspätung liege bei der Verpflichtung von Sponsoren.

Die Fifa hat durch die Versprechungen, die den Mitgliedsverbänden gemacht worden sind (eine Millionen Dollar pro WM-Periode) und durch das sehr ehrgeizige Gol-Programm laufende Verpflichtungen in Millionen-Höhe. Wenn da Sponsoren zu spät kommen oder Fernsehpartner (Kirch, ISL) ihre Raten verspätet zahlen, geraten die Herren auf dem Zürcher Sonnenberg in eine Liquiditäts-Klemme. Schon sollen sie eine Anleihe aufgenommen haben.

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