Fußball-WM 2010 : Vor dem ersten Schuss

Dass die Fußball-WM 2010 tatsächlich in Südafrika stattfinden wird, ist inzwischen sicher. Die Frage ist nur: Wie sicher ist sie dort?

Esther Kogelboom[Kapstadt]
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Andrew Fanton hatte seinen Leuten während des Streiks das Blaue vom Himmel über Kapstadt versprochen. Mehr Geld. Tickets. Am Ende sogar eine großzügige Gewinnbeteiligung. Die Motivationskünste des australischen Bauleiters funktionierten offenbar: Das Greenpoint Stadium, das am wahrscheinlich schönsten gelegene Fußballstadion der Welt, nimmt langsam Gestalt an. Sogar abends, wenn die Baustelle hell beleuchtet wird, hören die Kapstädter im benachbarten Stadtviertel, wie die Handwerker am Dach arbeiten. Am 14. Dezember 2009 will Fanton das fertige Stadion mit seinen 68 000 Sitzplätzen dem Fußball-Weltverband Fifa übergeben. Es ist nur eins von insgesamt zehn Fußballstadien, die für die WM 2010 umgerüstet werden.

Die südafrikanischen Stadionbauer kämpften in diesem Jahr mit allen Tricks darum, ihre Spielstätten rechtzeitig vor Beginn des Turniers fertigzustellen. Nur die Bauleiter des Stadions in Port Elizabeth hängen angeblich im Zeitplan: Das Nelson-Mandela-Bay-Stadion – entworfen vom Hamburger Büro Gerkan, Marg und Partner – wird aufgrund von Verzögerungen bis zum Konföderationen-Pokal 2009 nicht mehr fertiggestellt werden.

Ansonsten kämpfen die Stadionbauer auch deshalb besonders leidenschaftlich für die Einhaltung des Terminplans, weil Fifa-Chef Joseph Blatter unter dem Eindruck von fremdenfeindlichen Hetz jagden in den Townships, regelmäßigen Stromausfällen und Streiks das gefürchtete Wort vom „Plan B“ aussprach – falls das südafrikanische Organisationskomitee es nicht hinbekomme, bitteschön, es gebe ja genügend andere Länder mit bereits vorhandener, perfekter Infrastruktur. Eine Drohgebärde Blatters, die ihre Wirkung nicht verfehlte.

Umso erleichterter klangen die Kommentare in den südafrikanischen Tageszeitungen, als der Fifa-Chef in der Vorweihnachtszeit die frohe Botschaft schickte, er glaube nun doch an die WM in Südafrika: „Plan B is dead and buried“, schrieb die „Pretoria News“. Blatters Plan B tot und begraben.

Optimismus ist also erlaubt: Mit verhaltener Vorfreude schaut Südafrika auf die Austragung des Konföderationen-Pokals vom 14. bis 28. Juni 2009, der als Testlauf für das Großereignis Stärken und Schwächen der Organisatoren um Danny Jordaan offenbaren soll. Doch eine große Sorge gibt es trotzdem: dass viele Zuschauerränge während des Confed-Cups leer bleiben könnten. Die Veranstalter zählen jetzt vor allem auf internationale Gäste, denn Fußball bleibt hinter Rugby und Cricket nur die drittbeliebteste Sportart des Landes.

Noch vor dem Testlauf für die WM müssen die Südafrikaner ein weiteres Großereignis bewältigen – die Parlamentswahlen im Mai. 41 000 Polizisten hat die südafrikanische Regierung bisher zusätzlich eingestellt, um Sicherheit zu gewährleisten. Auf einer Pressekonferenz wurden jetzt die martialisch wirkenden Kampfuniformen einer Spezialeinheit präsentiert, die Verbrecher abschrecken sollen. Zusätzliche Überwachung aus Hubschraubern und Kameras sollen auch das Sportgroßereignis in einem Land absichern, in dem die Menschen in den Städten zum überwiegenden Teil entweder hinter meterhohen Mauern mit Elektrozaun, Glassplittern und Stacheldraht oder im Township leben.

Danny Jordaan, Chef des lokalen Organisationskomitees, macht sich um all das allerdings wenig Sorgen. „In den vergangenen 14 Jahren hat Südafrika 11 Groß ereignisse ausgerichtet – ohne dass es besondere Probleme mit der Sicherheit gab“, sagte er dem „Cape Argus“. „Außerdem ist die Stimmung vor, während und nach Fußballspielen immer besonders friedlich.“

Als gefährlich gilt vor allem Johannesburg, wo die deutsche Mannschaft ihr Quartier aufschlagen will. Der Chef des Büros Nationalmannschaft, Georg Behlau, vertraut aber darauf, dass die Organisatoren „Sicherheitsinseln für die Teamhotels, die Trainingsplätze, Medienzentren und all diese Dinge“ bauen werden. Außerdem sei Johannesburg allein deswegen unumgänglich, weil die Stadt auf 1800 Meter Höhe liege – die DFB-Auswahl müsse sich schließlich rechtzeitig akklimatisieren. In Soccer City, dem früheren FNB-Stadion, werden Eröffnungsspiel und Finale stattfinden.

Neben der Sicherheit – in Südafrika werden im Schnitt täglich 50 Menschen ermordet – ist die Organisation des öffentlichen Nahverkehrs ein drängendes Problem. Wie sollen die Fans von ihren Unterkünften in die Stadien gelangen? Ohne den koordinierten Einsatz von Sammel taxen und Minibussen wird das nicht möglich sein. Die Taxifahrer proben bereits für den Ernstfall: Seit neuestem gibt es in Johannesburg ein Unternehmen namens „Safe Cab“. Jetzt müssen die Wagen nur noch den strengen Auflagen der Fifa genügen. Öffentliche Taxis gab es bisher in Johannesburg kaum.

Im Februar startet der offizielle Ticketverkauf. Eintrittskarten sollen zwischen umgerechnet 11 und 700 Euro ausgegeben werden – für Südafrikaner verbilligt. Nur die sogenannten Hospitality-Pakete werden heute schon angeboten – teure Komplettpakete mit VIP-Service, die Unternehmen für ihre Mitarbeiter oder Kunden bestellen können. Während in Europa wegen der Krisenstimmung eher Kaufzurückhaltung herrsche, bestellten die afrikanischen Länder kräftig, sagt ein Sprecher der in der Schweiz beheimateten Hospitality Match AG.

120 000 Freikarten will die Fifa außerdem an Südafrikaner vergeben, die sich kein Ticket leisten können. Ob diese sich dann auch wirklich ein Spiel im Stadion anschauen oder die Karte lieber für einen guten Preis im Internet verkaufen? Auf diese Frage hat der Fußball-Weltverband noch keine Antwort gefunden.

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