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Fußball-WM 2014 : Großes brasilianisches Ehrenwort

05.01.2013 14:58 Uhrvon
In Stadion von Brasilia ist der Rasen ist immerhin schon da. Und auch die Tore stehen. Es geht voran in Brasilien im Hinblick auf die WM 2014, wenn auch nur langsam.Bilder
In Stadion von Brasilia ist der Rasen ist immerhin schon da. Und auch die Tore stehen. Es geht voran in Brasilien im Hinblick auf die WM 2014, wenn auch nur langsam. - Foto: dpa

In 18 Monaten beginnt in Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft, auf den Stadienbaustellen ist davon noch nicht viel zu sehen. Eine Reise von Rio nach Manaus.

Wenn Besuch aus Deutschland kommt, erzählt Marcus Haase gern die Geschichte von Barack Obama. Wie der Präsident der USA nach Rio kam und dabei auch kurz beim Fußballklub Flamengo vorbeischaute. Er wollte gerade wieder in seinen Hubschrauber steigen, da trat die Klubpräsidentin nach vorn, schlüpfte aus einem über die offizielle Garderobe gestreiften Flamengo-Trikot und drückte es dem verblüfften Obama in die Hand: „Für Sie, Mr. President! Sie sind jetzt der neueste Flamengo-Zugang!”

Die auf ein paar Fotos festgehaltene Szene lief bei den brasilianischen Fernsehsendern rauf und runter. „In Berlin oder Washington wäre so etwas undenkbar“, sagt Marcus Haase.

„Sie hätten mal die Gesichter der Bodyguards sehen sollen!“ Marcus Haase kennt sich aus mit den Regeln des Protokolls. Er hat bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland für das Organisationskomitee gearbeitet und vor drei Jahren sein Anwaltsbüro von Berlin nach Rio verlegt. Gerade erst hat Haase für Herthas einstigen Paradiesvogel Marcelinho die Rentenansprüche geklärt, und natürlich geht er oft zum Fußball, am liebsten zu Fluminense, dem ältesten Verein in Rio, er hat gerade zum 31. Mal die brasilianische Meisterschaft gewonnen. Aber genauso gern spaziert Haase am Wochenende über die Avenida Atlantica und beobachtet die Cariocas beim Futevollei, einer brasilianischen Spielart des Beachvolleyballs, bei der der Ball mit allem, nur nicht der Hand berührt werden darf. Wer die brasilianische Hingabe zum Fußball verstehen will, kommt nicht vorbei an den zahl- und namenlosen Helden an den Stränden von Copacabana und Ipanema.

In Rio ist Fußball nicht Religion, sondern noch ein bisschen mehr. Deswegen werden die kommenden beiden Jahre ja auch so spannend. Im Juli 2013 kommt der Papst zum Weltjugendtag und ein Jahr später der Rest der Welt zur Fußball- Weltmeisterschaft. Benedikt XVI. lädt zum Gebet an den Strand von Copacabana, wo Platz genug ist für die Jugend. Aber wohin soll ein Jahr später der Rest der Welt? Wer die Brasilianer in diesen Tagen dezent darauf hinweist, es sei doch mal an der Zeit, den Bau der Stadien für die WM auf die Reihe zu bringen, bekommt zu hören: Wird schon irgendwie gehen, ist doch noch Zeit, und zur Not improvisieren wir. Wie es die Senhora Presidente von Flamengo bei ihrem Date mit Barack Obama getan hat.

18 Monate vor dem Eröffnungsspiel in Sao Paulo ist noch keine der zwölf WM- Arenen komplett fertig. Die Mitte Dezember mit großem Brimborium begangene Eröffnung des Stadions von Fortaleza beschränkte sich auf einen symbolischen Anstoß der Staatspräsidentin Dilma Rousseff. Fußball ist dort bis heute nicht gespielt worden. Die in der vergangenen Woche offiziell fertiggestellte Arena in Belo Horizonte soll ab Februar bespielt werden. Und als Gremio Porto Alegre Anfang Dezember gegen den Hamburger SV seine (allerdings nicht für die WM vorgesehene) Arena eröffnete, geschah das auf einer halben Baustelle und einem Rasen, der sich bestens zum Anbau von Kartoffeln eignete. „Wenn ich sehe, wie das Stadion in Porto Alegre eröffnet wurde, dann kann ich mir auch vorstellen, dass Maracana eröffnet wird“, sagt Marcus Haase.

Ah, Maracana … das berühmteste Fußballstadion der Welt! Schon im Sommer 2013 ist das runderneuerte Maracana fest eingeplant für den Confed-Cup, die offizielle WM-Generalprobe. Seit gut zwei Jahren wird das zur WM 1950 errichtete Stadion umgebaut. Zerbröselt ist es unter anderem an den ungezählten Geschäften ungezählter Fans infolge erhöhten Biergenusses in den Halbzeitpausen ungezählter Fußballspiele.

Vom alten Maracana bleibt nur die denkmalgeschützte Fassade. Eigentlich sollten die Arbeiten längst beendet sein, aber auf der Baustelle sieht es so aus, als würde es gerade erst losgehen. Allerlei Rippen fehlten im Oval, die unteren Tribünen existieren nur auf Computer-Animationen, und das Dach – welches Dach?

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