Fussball-WM 2022 im Winter? : Kommentar: Die Vernunft sollte siegen

Aufgrund der klimatischen Bedingungen in Katar plant die Fifa eine Verlegung der WM 2022 in den Dezember. Unser Autor Sebastian Stier zweifelt an der Durchsetzbarkeit des Vorhabens.

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Bei der Vergabe der WM 2022 nach Katar war noch keine Rede von einer Verlegung in den Winter. Foto: dpa
Bei der Vergabe der WM 2022 nach Katar war noch keine Rede von einer Verlegung in den Winter.Foto: dpa

Die Meldung kommt nicht überraschend. Angeblich soll das Finale der Fußball-WM 2022 in Katar mitten im Dezember stattfinden. Die entsprechenden Pläne lägen schon im Schubfach des Weltverbandspräsidenten Joseph Blatter. Damit scheint die erstmalige Verlegung des Turniers in den Winter eine beschlossene Sache zu sein. Eine Entscheidung zugunsten aller, so scheint es. Derzeit herrschen im Wüstenstaat um die 45 Grad, kein Mensch kann bei solchen Temperaturen Sport treiben. Auch für die Zuschauer sind solche Bedingungen unzumutbar – trotz der angekündigten klimatisierten Arenen.

Was wie eine Entscheidung der Vernunft anmutet, ist in Wirklichkeit nichts weiter als Schadensbegrenzung. Ein fauler Kompromiss, der vom größten Vergabeskandal in der Geschichte der Fifa ablenken soll. Wirklich vernünftig wäre es nur, die Ausrichtung des Turniers neu zu vergeben. Eine WM wird traditionell in den Sommermonaten gespielt, danach sind die Spielpläne der größten und einflussreichsten Mitgliederverbände ausgerichtet. Bis zur WM sind es noch neun Jahre. Einige Entscheidungsträger der Fifa dürften den Faktor Zeit wohl zu ihren Gunsten ausgelegt haben, als sie für Katar stimmten. Nach dem Motto: Die Aufregung wird sich schon legen, schließlich bleibt noch genügend Zeit, um sich den neuen Bedingungen anzupassen.

Wenn man sich in Zürich da mal nicht geirrt hat. Aus der Premier League kommt bereits heftiger Protest, auch Spanien und Italien dürften wenig Interesse an einer WM im Dezember haben. In England gibt es traditionell keine Winterpause, Spanien und Italien unterbrechen ihre Meisterschaften nur sporadisch. Diese Ligen gehören neben der Bundesliga zu den umsatzstärksten der Welt, eine Winter-WM würde für sie alle finanzielle Einbußen bedeuten.

Und bei Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. England, Italien, Spanien und Deutschland sind auf das Kapital der Kataris nicht oder nur marginal angewiesen, gut möglich, dass aus den Protesten dieser Länder eine Boykottandrohung wird. Die Teilnahme der besten Spieler an der WM wäre dann gefährdet. Allein deshalb sollte die Vergabe neu überdacht werden.

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