Fußball-WM 2022 in Katar : Blatter bestätigt politischen Einfluss bei WM-Vergabe

Fifa-Boss Sepp Blatter räumt ein, bei der Vergabe der WM 2022 nach Katar habe es politische Einflüsse gegeben. Auf die Frage, ob der Zuschlag für den Wüstenstaat durch die Fifa-Exekutive durch Zuwendungen beflügelt worden sei, antwortete Blatter: „Eindeutig ja!“

Die Äußerung Sepp Blatters (Bild) dürfte als Spitze gegen Uefa-Präsident Michel Platini verstanden werden.
Die Äußerung Sepp Blatters (Bild) dürfte als Spitze gegen Uefa-Präsident Michel Platini verstanden werden.Foto: AFP

Vor der Uefa-Exekutivsitzung in Dubrovnik hat die Türkei ihren Anspruch auf das EM-Finale 2020 bekräftigt. „Es geht um Versprechungen, und Herr Platini hat uns in einem Vier-Augen-Gespräch versprochen - ich unterstreiche 'uns versprochen' - dass wir sicher das Finalpaket erhalten, sollten wir die Olympischen Spiele nicht bekommen“, sagte der Generalsekretär des türkischen Verbandes, Emre Alkin, der Nachrichtenagentur AP. Istanbul war im Rennen um die Sommerspiele 2020 an Tokio gescheitert.

Für Platini und die anderen Fußball-Granden um DFB-Boss Wolfgang Niersbach geht es bei ihrem zweitägigen Meeting in der kroatischen Hafenstadt aber nicht nur um die erste paneuropäische EM - auch die umstrittene WM 2022 in Katar birgt weiter Zündstoff.

Fifa-Boss Sepp Blatter räumte in einem Interview der Wochenzeitung „Die Zeit“ ein, bei der Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 nach Katar habe es politische Einflüsse gegeben. Auf die Frage, ob der Zuschlag für den Wüstenstaat durch die Fifa-Exekutive durch Zuwendungen beflügelt worden sei, antwortete Blatter: „Eindeutig ja! Es gab direkte politische Einflüsse. Europäische Regierungschefs haben ihren stimmberechtigten Mitgliedern empfohlen, für Katar zu stimmen, weil sie große wirtschaftliche Interessen mit diesem Land verbinden.“ Die Äußerung Blatters dürfte als Spitze gegen Uefa-Präsident Michel Platini verstanden werden. Der Franzose, der womöglich 2015 gegen Blatter um das Amt des Fifa-Präsidenten kandidiert, hatte seine Wahl für Katar öffentlich bestätigt. Wenige Tage vor der Abstimmung war Platini zu einem Abendessen mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und Scheich Hamad Al Thani, dem Emir von Katar, im Élysée-Palast geladen.

Platini will sich mit seinen Exekutivmitgliedern in Dubrovnik auf einen europäischen Terminvorschlag für die WM in neun Jahren verständigen. Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge brachte am Mittwoch in der „Sport Bild“ den April als Termin ins Gespräch. „Es ist schon ein Unterschied, ob im November, im Januar oder sogar im April gespielt wird, was auch nicht auszuschließen ist. Im April sind die Temperaturen in Katar durchaus angenehm“, sagte Rummenigge. Der Präsident der Europäischen Fußball-Clubs (ECA) gab zu bedenken, dass dadurch der internationale Spielkalender nicht ganz so gravierend verändert werden müsse.

Platini hatte zuletzt zu einer Ausrichtung im Januar 2022 tendiert, Blatter spricht sich für den Zeitraum November/Dezember aus. So würde der Fifa-Boss, auch Mitglied im IOC, eine Terminkollision mit den Olympischen Winterspielen im Februar 2022 vermeiden. Für die Winterspiele ist auch München als Ausrichter im Gespräch.

In der „Zeit“ machte Blatter noch einmal klar, dass eine Verlegung aus dem Sommer in den Winter ohne weiteres möglich ist. „In unserer Ausschreibung steht: im Prinzip Juni, Juli. Wir müssen zeitlich flexibel sein, denn sonst kämen die Länder südlich des Äquators niemals als Austragungsort für eine WM infrage.“ Mindestens genauso brisant wie der Machtkampf mit Blatter um den Zeitraum der WM 2022 wird für Platini die Frage, wo die von ihm ins Leben gerufene Pan-Europa-EM 2020 stattfindet. Die UEFA will am Freitag bekanntgeben, welche Länder sich um die Austragung beworben haben. Das Turnier soll in 13 Ländern ausgetragen werden.

Die Türkei pocht darauf, die beiden Halbfinals und das Endspiel auszutragen und hat sich nur um dieses Paket beworben. Der Deutsche Fußball-Bund geht mit München hingegen auch um die Option mit drei Vorrunden- und einer Viertelfinalpartie ins Rennen. Sollte sich die Türkei als Favorit auf die Finalbegegnungen herauskristallisieren, will der DFB sein Interesse daran zurückziehen. (dpa)

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