Fußball-WM der Frauen : Frankreich? Wird ganz schwer, sagt Silivia Neid

Im Viertelfinale geht es für die deutschen Frauen am Freitag gegen Frankreich. Die Bundestrainerin erwartet ein Spiel auf Augenhöhe.

Das ist ja auch lustig. Finden Silvia Neid, Lena Goeßling und Anja Mittag (von links nach rechts) nach dem Viertelfinalsieg gegen Schweden. Foto: dpa/Jaspersen
Das ist ja auch lustig. Finden Silvia Neid, Lena Goeßling und Anja Mittag (von links nach rechts) nach dem Viertelfinalsieg gegen...Foto: dpa/Jaspersen

Silvia Neids Augen funkelten, als sie ihre kaum verschlüsselte Botschaft an die WM-Konkurrenz schickte. „Es war nach Norwegen der erste richtige Prüfstein. Das erste Spiel, in dem wir 100 oder 120 Prozent geben mussten“, erklärte die Bundestrainerin und lächelte zufrieden nach dem beeindruckenden 4:1 (2:0)-Achtelfinalsieg gegen einen Gegner, der zu den Favoriten gezählt wurde. „Wir sind überglücklich, dass wir diesen Brocken Schweden aus dem Turnier gespielt haben. Es war vielleicht ein Schlüsselspiel.“ Im Viertelfinale trifft der achtmalige Europameister am kommenden Freitag (22.00 Uhr MESZ) in Montreal wie erwartet auf Frankreich. Die Französinnen setzten sich am Sonntagabend (Ortszeit) im Achtelfinale ohne Probleme mit 3:0 (2:0) gegen Südkorea durch.

Neid und ihre Trainerkolleginnen beobachteten den nächsten Gegner nach der rund dreistündigen Busfahrt bereits im Olympiastadion von Montreal. Neid rechnet erneut mit einem harten Stück Arbeit: „Frankreich ist eine technisch brillante Mannschaft, die auf allen Positionen hervorragend besetzt ist. Ich erwarte ein Spiel zweier gleichwertiger Gegner, die sich nichts schenken werden.“ Doch die DFB-Elf wird sich dann kaum verstecken. Denn Neid demonstrierte mit ihren Einlassungen Selbstbewusstsein, sollte heißen: Seht her, wir hatten vielleicht eine leichte Gruppe. Aber wenn wir richtig gefordert sind, machen wir ernst! Noch schöner formulierte es Simone Laudehr, wortgewandt und mit schelmischem Unterton: „Also, wenn ich nicht in der deutschen Mannschaft spielen würde und hätte das Spiel gesehen, würde ich sagen: Joah, die können schon Fußball spielen...“ Die Erleichterung im deutschen Lager war riesengroß. Auch weil man nach den hohen Gruppensiegen gegen die Elfenbeinküste (10:0) und Thailand mit der „B-Elf“ (4:0) sich und der WM-Konkurrenz beweisen konnte, zu welchen
Leistungen man auch gegen Top-Gegner fähig ist.

Insofern waren die vier Treffer von Anja Mittag (24.), Celia Sasic (36./Foulelfmeter/78.) und Dzsenifer Marozsan (88.) nicht nur Gold wert für das eigene Selbstbewusstsein, sondern auch vier Warnschüsse an die Titelrivalen. Kritiker hatten die Leistungsstärke der Deutschen wegen der leichten Gruppe mehr oder minder angezweifelt.

Ein deutsches Stürmerinnen-Duo führt die Torschützenliste an

Die Antwort gab die extrem fokussierte und optimal eingestellte DFB-Elf vor 22.486 Zuschauern im Lansdowne-Stadion. „Wir haben von der ersten Sekunde an gezeigt, dass wir als Siegerinnen vom Platz gehen wollen und dass wir bereit sind, jeden Weg zu gehen und jeden Zweikampf anzunehmen. So haben wir die Schwedinnen gar nicht erst ins Spiel kommen lassen“, befand Doppeltorschützin Sasic, die wie ihre kongeniale
Sturmpartnerin Anja Mittag ihr Turnierkonto auf fünf Treffer aufstockte. Das deutsche Offensiv-Duo führt die Torschützenliste gemeinsam an. „Ich hatte früh ein gutes Gefühl, und das hat sich auch durch das ganze Spiel gezogen“, sagte Sasic.

Was beim 1:1 gegen Norwegen nur in den ersten 45 Minuten gelungen war, konnte der achtmalige Europameister nun über (fast) die gesamte Spieldauer durchhalten. Aggressiv in den Zweikämpfen, schnell im Umschaltspiel und aufmerksam in der Abwehr trat die Neid-Auswahl dominant wie selten auf. Ein wenig Spannung kam nur kurz auf, als Linda Sembrant (82.) zwischenzeitlich zum 1:3 traf. Doch ernsthaft in Gefahr geriet der Einzug ins Viertelfinale nicht.

Bevor sich die DFB-Elf mit dem nächsten Gegner Frankreich beschäftigt, standen nach der Hitzeschlacht von Ottawa am Sonntag zunächst Regeneration mit einer Radtour am Kanal entlang und Pflege sowie mittags um 12.30 Uhr die Busfahrt in die gut 230 Kilometer entfernte Metropole Montreal an. Danach bezogen die Spielerinnen ihre Zimmer im Le Centre Sheraton und schauten sich das Achtelfinale der Französinnen im Fernsehen
an.

Die insgesamt fünftägige Spielpause wollten die Spielerinnen anfangs dazu nutzen, vollkommen runterzufahren, sich physisch wie psychisch zu erholen. „Es war ein sehr anstrengendes Spiel“, meinte Neid. Wegen der hohen Temperaturen auf dem durch das Granulat zusätzlich aufgeheizten Kunstrasenplatz gingen die Spielerinnen zur schnelleren Regeneration der Muskulatur erstmal ein paar Minuten in die Eistonne. „Es war ja affenheiß da unten“, ließ Torhüterin Nadine Angerer wissen. Saskia Bartusiak hat mehr Zeit zur Erholung als der Rest. Die Innenverteidigerin sah die zweite Gelbe Karte im Turnier und muss im Viertelfinale zuschauen. (dpa)

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