Fußball-WM der Frauen : Hope Solo und die Asche im Torraum

Das Halbfinale USA-Deutschland bei der Fußball-WM der Frauen ist auch ein Duell der weltbesten Torhüterinnen Hope Solo und Nadine Angerer. Die US-Torfrau mag es gerne schrill. In ihrem Privatleben geht es zuweilen drunter und drüber.

Inga Radel
Eine Frau trägt feuerrot. Torhüterin Hope Solo mag es gerne bunt. Foto: AFP
Eine Frau trägt feuerrot. Torhüterin Hope Solo mag es gerne bunt.Foto: AFP

Hope Amelia Solo ist aktuell bei der Fußball-WM der Frauen in Kanada seit 423 Minuten ohne Gegentor. Ihre Zimmerpartnerin und Freundin Carli Lloyd bejubelte nach diesem neuen US-Rekord „die beste Torhüterin aller Zeiten“. Aber Moment mal: Nadine Angerer blieb 2007 während der WM in China das komplette Turnier, exakt 540 Minuten, unüberwunden. Es trennen die Star-Keeper, die sich in der Nacht zum Mittwoch (1 Uhr/ARD) im Halbfinale begegnen, noch 117 Minuten. Und zwei WM-Titel: Angerer gewann ihn 2003 und 2007, Solos Twitter-Account ist überschrieben mit den Worten „angehende Weltmeisterin“.

Unsere Spielerinnen sind nicht so viel auf Partys wie Solo, sagt Silvia Neid

Aber natürlich unterscheidet die 33 Jahre alte Amerikanerin und die 36-jährige Deutsche noch mehr. Angerer taugt eher als Vorbild und Werbeträgerin. Im Fifa-Spot mit den größten WM-Stars repräsentiert Abby Wambach das US-Team, nicht Solo. Sogar Bundestrainerin Silvia Neid wurde von einem US-Reporter schon zu Solos Eskapaden befragt. „Auch wir haben extravagante Spielerinnen“, sagte Neid, „aber sie sind nicht so viel auf Partys wie Hope Solo.“

Natürlich kann man darüber streiten, wer die größeren Erfolge vorzuweisen hat. Immerhin wurde Solo in den vergangenen drei Jahren Welttorhüterin, gewann zweimal Olympia-Gold und den „Goldenen Handschuh“ als beste Torhüterin der WM in Deutschland 2011. Wie Angerer legte auch Solo schon eine sehr lesenswerte Autobiographie vor: „A Memoir of Hope“ bietet aber noch mehr Abgründe als Angerers Werk.

Der Vater saß im Gefängnis, die Mutter war Alkoholikerin

Man versteht die Nummer 1 und ihre Herkunft seither besser. Ihr Vater Jeffrey war ein zeitweise im Gefängnis sitzender, obdachloser Vietnamveteran, der vor acht Jahren starb, und dessen Asche sie in ihrem Torraum verstreute. Ihre Mutter Judy war Alkoholikerin. Und irgendwie gerät sie in ihrem Leben immer wieder in Familienstreitereien. Der Vorwurf der häuslichen Gewalt gegen ihre Halbschwester Teresa Obert und deren damals 17 Jahre alten Sohn aus dem Sommer 2014 steht nach wie vor im Raum, nachdem just zu WM-Beginn in US-Medien neue Unterlagen zu dem Fall veröffentlicht worden waren. Demnach soll sie keineswegs das Opfer gewesen sein.

Über all die Geschichten lacht Solo mit ihrer Zimmerkollegin

Solo hat sich dazu während des Turniers bisher nicht geäußert. Sie bekommt aber klare Rückendeckung von Nationalcoach Jill Ellis: „Ich habe Hope erst einmal in den Arm genommen.“ Und auch Kapitänin Carli Lloyd unterstützt die Mitspielerin: „Die Hope-Solo-News sind kalter Kaffee. Hope ist meine Zimmerpartnerin und darüber reden wir nicht einmal. Darüber lachen wir nur.“

Nach dem glanzlosen 1:0 im Viertelfinale gegen China sagte die Torhüterin vom US-Proficlub Seattle Reign knapp über den Turnierverlauf: „Historisch gesehen brauchen wir immer etwas, um in Gang zu kommen. Ich wusste, es würde Schwankungen geben und ich bin froh, dass wir dem Sturm trotzen konnten.“

Wie Angerer lebt auch Solo von ihrer Aura im Tor. Bei dieser WM trägt sie ein feuerrotes Torwartoutfit. Sie profitiert aber auch von einer enormen Defensivstärke der erfahrenen US–Mannschaft. Die Innenverteidigerinnen Becky Sauerbrunn und Julie Johnston sind ein Bollwerk. Im Halbfinale gegen die DFB-Auswahl wird es auf Hope Solo ankommen. Wenn sie mit ihrem Team ins Finale einzieht, dürfte sie sich auch den „Goldenen Handschuh“ überstreifen und im Falle des WM-Triumphs könnte Hope Solo das „angehende“ aus ihrer Twitter-Selbstbeschreibung streichen – und sich endlich Weltmeisterin nennen.

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