Fußball-WM : Gewerkschaft: Berlin kann Sicherheit nicht garantieren

Die von der Bundesregierung zur Fußball-WM 2006 gegebenen Sicherheitsgarantien sind für die Hauptstadt Berlin nach Einschätzung der Polizeigewerkschaft GdP kaum einzuhalten.

Berlin (23.08.2005, 14:59 Uhr) - «Berlin ist zur WM im Visier von Terroristen, Hooligans und Kriminellen. Doch die Stadt hat bislang noch nicht einmal ein Einsatzkonzept; lediglich eine Urlaubssperre ist verhängt. Es fehlt in Größenordnungen an Polizisten und Fahrzeugen», sagte der Landesbezirksvorsitzende Eberhard Schönberg am Dienstag in einem dpa-Gespräch.

«Die Sicherheit in der Bundeshauptstadt ist eine nationale Aufgabe, Berlin braucht daher auch die Unterstützung der Bundespolitik», mahnte Schönberg. «Höchst alarmiert sind wir durch die Vorgänge vom Wochenende. Um ein einziges Spiel der 4. Liga zwischen dem 1. FC Union und dem BFC Dynamo abzusichern, mussten 1100 Bereitschaftspolizisten eingesetzt werden. Das ist fast alles, was wir an geschlossenen Einheiten haben. Selbst wenn bei der Fußball-WM jeder Polizeibeamte eingesetzt wird, der noch krauchen kann, reicht das bei weitem nicht für die versprochene Rundumsicherung aus», sagte der Gewerkschaftschef. Hinzu komme, dass normale Streifenpolizisten für solch brisante und gefährliche Einsätze so gut wie gar nicht ausgebildet seien.

«Experten sind sich einig: Wenn Hooligans oder Terroristen in Deutschland ein Zeichen setzen wollen, werden sie das vor oder während der WM in Berlin tun», meinte Schönberg. Es sei zu erwarten, dass sich Gewalttäter aus dem In- und Ausland verabreden und auf den Weg nach Berlin machen. «Die Hooligans werden sich bei der WM nicht in den Stadien austoben, weil dort die Kontrolle viel zu stark ist, sondern das gesamte Stadtgebiet unsicher machen.»

Berlin sei es gewohnt, bei besonderen Sicherheitslagen wie dem 1. Mai bis zu 5000 Beamte Verstärkung aus anderen Bundesländern zu bekommen. «Bei der WM können wir aber bis weit über die Hälfte der Zeit keine Hilfe von auswärts erwarten, weil die anderen Länder bis dahin jeden Mann selbst brauchen.»

«Uns liegt der Erfahrungsbericht eines Polizeiführers nach einem Spiel des BFC am 5. August im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg vor», sagte Schönberg. Dabei sei es zu ungewöhnlich brutalen Angriffen von bis zu 200 Fans gegen die Polizei gekommen. «Demnach haben die Zahl, die Aggressivität und die Planung der Hooligans eine ganz neue Qualität angenommen. Polizisten wurden sofort aggressiv mit Fußtritten und Faustschlägen angegriffen. Rädelsführer hielten sich im Hintergrund und dirigierten mit Handys jüngere Schläger nach vorn. Laut dem Bericht macht die Szene ihren Nachwuchs für die WM fit.» (tso)

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