FUSSBALL-WM : Überfall im WM-Stadion

Nach einem Raubzug lebt die Sicherheitsdiskussion in Südafrika neu auf.

Wolfgang Drechsler[Kapstadt]

Es sollte eine glanzvolle Premiere des ersten fertiggestellten WM-Stadions in Südafrika werden. Doch dann überschattete ein Raubüberfall am Dienstag die sportliche Premiere im Stadion von Port Elizabeth und ließ Befürchtungen über Sicherheitsmängel beim laufenden Confed-Cup und der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr wieder aufleben. Wie der südafrikanische Rundfunk gestern meldete, drang am Dienstagnachmittag, ein paar Stunden nach dem ersten Spiel in der neuen Arena, eine Gruppe bewaffneter Männer in die Bar des Nelson-Mandela-Bay-Stadions im fünften Stock ein, bedrohte das Personal mit Schusswaffen und verlangte die Herausgabe der Tageskasse. Verletzt wurde niemand, die Polizei nahm später fünf Verdächtige fest.

Es war ein Rugbymatch zwischen einem ortsansässigen Team und den britisch-irischen Lions, das die Premiere im für 48 000 Zuschauer ausgelegten Stadion bildete, das erst zu Monatsbeginn fertiggestellt worden war. Eigentlich sollten in Port Elizabeth auch Spiele für den Confed-Cup stattfinden, aber die Fifa strich das Stadion im vergangenen Jahr nach Verzögerungen von der Ausrichterliste.

Auch beim Confed-Cup zeigen sich derzeit einige Mängel im Sicherheitsbereich. Das WM-Organisationskomitee beauftragte beispielsweise erst eine Woche vor dem Start der Veranstaltung eine Sicherheitsfirma zur Unterstützung der Polizei. „Das ist ein Skandal“, kommentiert Johann Burger vom Institut für Sicherheitsstudien in Pretoria. „Aber auch eine wichtige Lektion für 2010.“

Eigentlich hatte die Sicherheitsfirma G4S während des Confed-Cups VIPs, Hotels, Stadien und Trainingsplätze schützen sollen, den Auftrag am Ende aber nicht bekommen. G4S-Chef Nick Buckles hatte daraufhin Mitte Mai angekündigt, sein international tätiges Unternehmen werde fortan nicht mehr mit den Organisatoren der WM zusammenarbeiten. Außerdem sagte er, die Effizienz des Sicherheitsdienstes werde vernachlässigt, weil die Kunden vor allem hinter günstigen Preisen her seien.

Davon will das Organisationskomitee (LOC) aber nichts wissen. „Die Sicherheit beim Confed-Cup ist in keinster Weise bedroht“, sagte LOC-Sprecher Rich Mkhondo. Auch Danny Jordaan, der Geschäftsführer des Organisationskomitees, beruhigte die Gemüter: „Südafrika war seit 1994 Gastgeber von 146 internationalen Großveranstaltungen, und nie hat es dabei einen schwerwiegenden Zwischenfall gegeben.“ Unterdessen hat die Fifa auf die leeren Ränge beim Spiel der Spanier gegen Neuseeland am Sonntag reagiert – und wird ab sofort kostenlos Tickets für die Partien der Gruppenphase verteilen.

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