Andreas Beck : "Die deutschen Tugenden haben uns zum Sieg getragen"

Multikulturelle Spieler und deutscher Siegeswille: Andreas Beck spricht über die Stärken des U21-Europameisterteams, seine Siegprämie und Malmös beste Kneipen.

Interview von Steffen Dobbert
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Andreas Beck im Endspiel gegen England.Foto: dpa

Herr Beck, haben die Gastgeber der EM Sie besonders herzlich empfangen? Wenn man Sie auf den Mannschaftsbildern der EM sieht, könnte man Sie für den einzigen Schweden im deutschen Team halten.



Sie haben recht. Über meine blonde Mähne habe ich schon einige Sprüche abbekommen. Tatsächlich haben wir viele Spieler mit Migrationshintergrund im Team. Das Lustige: Die meisten von ihnen wurden in Deutschland geboren, ich, der in Russland geboren wurde, sehe mit den blonden Haaren aber am ehesten deutsch oder eben schwedisch aus. Auch über so etwas kann man Späße machen.

Beschreiben Sie doch mal: Wie ist es, wenn fast 30 Anfang Zwanzigjährige vier Wochen lang auf einem Haufen sind, Späße machen und Fußball spielen? Ferienlager mit Horst Hrubesch?

Sie sollten nicht vergessen, dass es in diesem Ferienlager um etwas ging. Wir haben zweimal am Tag trainiert und hatten zwischen den wichtigen Spielen extrem wenig Zeit zur Regeneration. Das fühlte sich wenig nach Urlaub an. Aber wir hatten innerhalb der Truppe eine gute Mischung aus Gelassenheit und Konzentration.

Wie wichtig waren die unterschiedlichen Typen für die Stimmung im Team und seinen Erfolg?

Das war das Besondere an dieser Mannschaft. Wir hatten Spieler aus den unterschiedlichsten Teilen Deutschlands und aus vielen Kulturen und Ländern dabei. Trotz dieser Mischung haben wir als Team die sogenannten deutschen Tugenden gezeigt. Wir hatten den absoluten Siegeswillen, jeder ist für den anderen gelaufen – diese Eigenschaften haben uns durchs Turnier getragen. Die Stimmung war toll, und unser Erfolg ist der Beweis, dass der DFB gut integriert.

Die Mannschaft hat sich nach dem Turnier mit einem Banner und Worten auf Schwedisch von den Gastgebern verabschiedet. Wer hatte die Idee?

Dazu hat uns niemand aufgefordert, das war eine Idee unseres Organisationsteams. Wir wurden in Schweden super empfangen. Es gab nie, in keinem Spiel, Missgunst. Die Schweden haben mit uns gefeiert. Um uns zu bedanken, haben wir uns schon vor dem Finale in blau-gelben Shirts warm gemacht. Nach dem Spiel haben wir das Banner gezeigt, das war ein Moment der Dankbarkeit und des Innehaltens.

Bei der Siegerehrung hat DFB-Präsident Theo Zwanziger Sie und Ihre Mitspieler umarmt und auffallend herzlich gedrückt. Ist er der Vater des Erfolges?

Im Moment der Siegerehrung überschlagen sich die Ereignisse, da lässt man den Gefühlen freien Lauf. Wir waren alle überglücklich und haben uns wahnsinnig gefreut.

Deutschland ist U21-, U17- und U19-Europameister, wessen Verdienst ist das?

Das ist ein Verdienst des gesamten Teams. Angefangen über die Spieler und Trainer bis hin zu den Verantwortungsträgern des DFB. Diese drei Europameistertitel in den verschiedenen Altersklassen sind historisch, und jeder hat seinen Teil dazu beigetragen. Wichtig ist auch das Bewusstsein der Spieler. Man muss sich darauf besinnen, worum es geht. Wenn man antritt, muss man als deutscher Nationalspieler den Anspruch haben, gewinnen zu wollen. Nehmen Sie die aktuelle EM: Wir haben uns nur knapp für die Endrunde qualifiziert. Aber als wir nach Schweden gefahren sind, haben wir von Anfang an gesagt: Wir wollen unbedingt gewinnen. Es gab für uns keine Alternative, nur diesen Titel. Ich denke, bei der U17 und U19 herrschte ein ähnliches Bewusstsein.

Horst Hrubesch feierte nach dem EM-Titel mit der U19 mit Ihnen den zweiten Titel. Wie schafft es der Mann, bei Jugendlichen anzukommen?

Er verkörpert die perfekte Mischung aus Autorität und Freundschaftlichkeit. In dem einen Moment sagt er, was er denkt – das kann auch unangenehm sein. Und im nächsten Moment nimmt er einen in den Arm. Er hat die Mannschaft einfach verstanden und spricht die gleiche Sprache wie wir. Außerdem achtet er sehr auf Details.

Stellen Sie sich mal vor, das aktuelle U21-Team würde gegen die A-Nationalmannschaft spielen. Sie würden für den Europameister antreten. Wer würde gewinnen?

Tja, keine Ahnung. Das ist eine Frage, die man so nicht beantworten kann. Es wäre aber keine einseitige Angelegenheit, da auch wir eine gewisse Bundesligaerfahrung vorzuweisen haben. Wir würden auf jeden Fall ein spannendes Spiel sehen.

Sie sollen nach dem Finale etwas gefeiert haben. Verraten Sie uns, wo es die beste Kneipe in Malmö gibt?

Ach, wir waren überall. Das Hipp-Restaurant war eine gute Adresse direkt nach dem Spiel. Ansonsten schwärmen viele vom Etage. Schweden hat schon einiges zu bieten.

In der Nacht des Finales haben Sie und andere gesungen: "Theo, rück die Scheine raus?" Haben Sie die Siegprämie schon bekommen und womöglich schon einen Verwendungszweck?

Nein, noch nicht. Es werden wohl netto sechs- oder siebentausend Euro werden. Davon werde ich die Reisekosten meiner Eltern, meines Bruders und meiner Freundin bezahlen – die waren ja schließlich meinetwegen da. Die Summe, die dann noch übrig bleibt, möchte ich gerne einem guten Zweck zukommen lassen. Darüber mache ich mir im jetzt beginnenden Urlaub Gedanken.

Die Fragen stellte Steffen Dobbert ,  ZEIT ONLINE

Andreas Beck ist seit  5. Februar 2009  Spieler der deutschen Nationalmannschaft. Sein größter internationaler Erfolg ist der Gewinn der U21-Europameisterschaft 2009 in Schweden, bei dem er den ersten von insgesamt vier Treffern erzielte.

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