Anführer ohne Binde : Bastian Schweinsteiger: Der heimliche Kapitän

Sein Einsatz war lange fraglich, dann spielte er doch - und wie: Der überragende Bastian Schweinsteiger führt das deutsche Team gegen England auch ohne Binde zum Sieg.

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Bastian Schweinsteiger ist Herz und Motor der Mannschaft.
Bastian Schweinsteiger ist Herz und Motor der Mannschaft.Foto: AFP

Beim Brunch mit Pasta erfahren es die Kollegen, um exakt 14.25 Uhr wissen es auch die Fans im Stadion von Bloemfontein. Da rollt an diesem Sonntagnachmittag der deutsche Bus mit dem Slogan „On the road to get the cup“ hinter der Tribüne vor – und Bastian Schweinsteiger, 25, steigt im Trainingsanzug mit aus. Bedeutet: Ja, er ist fit, die Verhärtung im Oberschenkel verheilt. Da entdecken ihn auch schon die ersten Fans im Oberrang, applaudieren lautstark, ballen die Fäuste, Yes! Sein Einsatz gibt Hoffnung, und auch der Slogan auf dem weißen Bus passt ja ganz hervorragend zu ihm: 2006 wurde er mit der Nationalmannschaft Dritter, 2008 Zweiter – und 2010? Wirklich auf dem Weg zum Cup?

Als der Bayer auf den grau-grünen Rasen von Bloemfontein läuft, pfeifen die Engländer, sie haben Respekt vor diesem Mann mit der Rückennummer 7, über den Bundestrainer Joachim Löw sagt, er sei Herz und Motor der Mannschaft. Und der stottert nicht, er läuft, als hätte es nie dieses Zwicken im linken Muskel gegeben. Schweinsteiger – weiße Schuhe, weiße Schweißbänder – orientiert sich im defensiven Mittelfeld. Er ist das Scharnier im Spiel der Deutschen, er fordert den Ball, nimmt Tempo auf, wenn es der Platz erlaubt, und tritt auf den Ball, wenn es hektisch wird, und ermöglicht den Kollegen eine Phase der Orientierung. Wenn Schweinsteiger will, steht alles still in Bloemfontein.

Schweinsteiger ist keine stattliche Erscheinung, auch wenn er stets die Brust rausdrückt. 1,83 Meter, steht in seinem Spielerpass, bei 77 Kilogramm Körpermasse. Und doch ist der Akteur des FC Bayern immer präsent. Nach fünf Minuten lupft er den Ball perfekt in den Lauf von Mesut Özil, doch der verschießt. Hinten stiebitzt, anders kann man Schweinsteigers Attacken gar nicht nennen, er den Engländern den Ball. Es ist sein 78. Länderspiel, doch noch nie hat er mit der Nationalelf gegen England gewonnen: Beim 2:1 vor drei Jahren war er nicht dabei, dafür aber 2008 bei der 1:2-Niederlage in Berlin. Wird langsam Zeit.

In Bloemfontein läuft es gut, schnell steht es 2:0. Schweinsteiger jubelt mit den Kollegen – und muss aufbauend klatschen, als das 1:2 fällt. Er ist nicht ohne Grund stellvertretender Mannschaftskapitän und somit Vorbild. Doch auch Schweinsteiger macht Fehler, gleich nach der Halbzeit will er den schwierigen Pass spielen und verliert den Ball, das passiert ihm ungewohnt häufig an diesem Nachmittag.

Dabei müsste er der Mannschaft mit seinen Qualitäten gerade jetzt Ruhe bieten, Löcher tun sich auf. Droht doch ein Elfmeterschießen? Auch da hätte er einen exzellenten Ruf. Nach gut einer Stunde kehrt die Ordnung zurück. Und Schweinsteiger gibt mit einem strammen Schuss von halbrechter Position ein erstes Signal, auch wenn der Ball am Pfosten vorbeisaust. In der 67. Minute dann die Erlösung, das 3:1 – vorbereitet durch den Mann mit der 7, Bastian Schweinsteiger. Der hatte einen Konterball quer zum Tor getrieben und in den Lauf Müllers gepasst. Der bedankt sich mit dem Treffer (und danach gleich noch mit einem zweiten zum 4:1). Der Rest ist Jubel.

Draußen steht der Mannschaftsbus. „Playing with Pride and Glory“ steht auf dem Lack, es ist das Gefährt der Engländer. Der Lack kann ab, England spielt nicht mehr mit. Schweinsteiger nimmt den anderen Bus. Abfahrt.

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