Ankunft in Südafrika : Maschinenpistolen am Morgen

Das deutsche Team kommt an, Südafrika bemüht sich um Sicherheit. Die Nationalmannschaft wird nach ihrem Flug und beim ersten Training im WM-Land von Fans und Polizei in Empfang genommen.

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Nach dem Rührei meldete sich kurz der Flugkapitän zu Wort. „Bitte seien Sie nicht beunruhigt“, säuselte Jürgen Raps aus den Lautsprechern, „unsere Maschine wird gleich vom Militär umstellt.“ Das sei in diesen Tagen immer so, wenn WM-Fußballer auf dem Flughafen von Johannesburg eintreffen. Und siehe da: Kaum war der monströse Flieger A380 mit der deutschen Nationalmannschaft an Bord kurz nach 7 Uhr gelandet, da rauschten auch schon die südafrikanischen Militärfahrzeuge heran. Und die müde Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) durfte auf dem Rollfeld gleich mal in den Lauf von Maschinenpistolen blinzeln. Schönen guten Morgen.

Immerhin, die Sonne schien ganz wunderbar und wärmte die Haut, das dürfte auch die Nationalspieler erfreut haben, bevor sie ihren Bus bestiegen. 60 Kilometer sind es vom Internationalen Flughafen OR Tambo in Johannesburg bis zum WM-Quartier Velmore, das bei Pretoria liegt. Der Tross – der DFB ist immerhin mit insgesamt 70 Leuten angereist – wurde über die frisch sanierte Autobahn, an der immer noch Bauarbeiter werkeln, durch die Steppe chauffiert; überall entlang der Piste parkten Polizeiwagen mit Blaulicht. Der Empfang im Velmore fiel dann weniger martialisch aus: Die Hotelbelegschaft hatte sich am Gartenzaun versammelt, wedelte brav mit ihren schwarz-rot-goldenen Fähnchen und pustete standesgemäß kräftig in die Vuvuzela. „Es war ein großartiger Empfang“, ließ Bundestrainer Joachim Löw ausrichten. „Er hat auf Anhieb gezeigt, mit welch großer Begeisterung die Südafrikaner Gastgeber dieses WM-Turniers sind und dass sie alles dafür tun werden, dass sich die Gäste wohlfühlen.“ Anschließend durften die Spieler erst einmal ihre Trolleys auspacken und ein Nickerchen machen, am Nachmittag stand die erste Trainingseinheit in Südafrika an.

Die kurze Verschnaufpause kam gerade recht, steckte der Reisegruppe aus Frankfurt am Main doch ein zehn Stunden Flug in den Knochen. Mit an Bord, in der First Class, war auch die kolumbianische Sängerin Shakira, die ihr WM-Lied beim Eröffnungsspiel am Freitag singen wird – auf sie hatte der Flieger mehr als eine halbe Stunde gewartet. Flugkapitän Raps, der sich ein Deutschland-Fähnchen auf die Wange gemalt hatte, erzählte, dass er 165 Tonnen Kerosin im Tank habe, „damit kommen wir sogar bis nach Durban, aber das wäre ja eine Woche zu früh“. Dort treten die Deutschen am Sonntag zum Auftakt gegen Australien an.

Die Spieler machten es sich im Oberdeck in ihren zwei Meter langen Sesseln bequem und schauten Filme wie „Das Wunder von Bern“, während unten – getrennt durch eine gesperrte Treppe – viele Reporter saßen und hunderte Fans. Viele hatten die erste Reise mit dem A380 gewonnen, andere hatten wiederum viel Geld für diesen Jungfernflug bezahlt. 1400 Euro habe das Ticket gekostet, erzählten zwei Herren aus dem Sauerland, die sich als leidenschaftliche Autogrammsammler entpuppten. Allerdings waren sie gar nicht an den Fußballern interessiert, sondern viel mehr an der Signatur des Piloten.

Das Flugpersonal hat nun ein paar Tage frei, während die Fußballer sich auf die kommenden Aufgaben im sonnigen Südafrika konzentrieren werden. Ein öffentliches Training, so will es der Weltverband Fifa, müssen die Teilnehmer veranstalten, das wollte der DFB gleich am ersten Tag erledigt wissen. Keine schlechte Idee, schließlich dürfte das Training im Stadion des Vororts Atteridgeville auch viele Sympathien eingebracht haben. Mehr als 2000 Fans waren gekommen (übrigens mit fast ebenso vielen Vuvuzelas). Bis in die bitterkalten Abendstunden wurde trainiert, dann ging es wieder heim mit einer langen Polizei-Eskorte, vorbei an all den Hausbesitzern, die in ihre Vorgärten Deutschland-Fahnen gehängt haben. Und da sollen sie auch lange bleiben, das würde nicht nur dem Flugkapitän ganz gut passen. „Wir würden uns freuen, wenn wir Sie am 12. Juli mit diesem Flugzeug wieder abholen könnten – als Weltmeister“, sprach er zum Abschied ins Bordmikro und rief den Fußballern zu: „Also Jungs, reißt Euch zusammen.“

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