Aufstellung gegen Finnland : Kleine Experimente

Im unbedeutenden Qualifikationsspiel gegen Finnland am Mittwoch wird es Änderungen im deutschen Team geben. Andreas Beck und Piotr Trochowski werden in der Startelf stehen.

Sven Goldmann[Hamburg]
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Erwärmen für die Fans. Rund 25 000 Zuschauer bejubelten am Montag in Hamburg die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beim...Foto: dpa

Im Oktober ist Hamburg, wie Hamburg eigentlich immer ist. Freundlich, aber kühl. Für den Mittwochabend, wenn die deutsche Nationalmannschaft zum Abschluss der WM-Qualifikation Finnland empfängt, werden Temperaturen um den Nullpunkt erwartet. Das entspricht ziemlich genau der Witterung im WM- Quartier in der südafrikanischen Provinz Gauteng, wenn dort erst einmal die Sonne untergegangen ist, also gegen fünf Uhr nachmittags. Perfekte Bedingungen also, um sich schon mal auf den südafrikanischen Winter einzustimmen.

Der angeschlagene Ballack will unbedingt spielen

Nach der Qualifikation ist vor der WM, auch wenn in diesem Fall die Qualifikation noch gar nicht richtig vorbei ist. Oliver Bierhoff ist bekanntlich nicht nur Manager, sondern auch Chefdiplomat der deutschen Nationalmannschaft, und deshalb muss er erst mal klarstellen, „dass niemand bei uns hier ein Spaßspiel erwartet oder eins, das irgendwie stattfinden muss“. Schließlich ist die Hamburger Arena seit langem ausverkauft. „Wir sind dem Publikum einiges schuldig“, sagt Bierhoff. „Alle freuen sich, auch Michael Ballack will unbedingt spielen“, so denn die am Samstag beim 1:0-Sieg in Moskau erlittene Knöchelverletzung abgeklungen ist.

So viel zum Protokoll. Aber selbstverständlich wird Joachim Löw am Mittwoch ein wenig experimentieren. Bierhoff sagt, der Bundestrainer habe ihn ausdrücklich autorisiert, der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass der Hoffenheimer Andreas Beck und der Hamburger Piotr Trochowski gegen die Finnen in der Startelf stehen werden.

Im Falle des Rechtsverteidigers Beck macht das schon mal deshalb Sinn, weil der in Moskau aufgebotene Jerome Boateng nach Gelb-Rot gesperrt ist und der spät eingewechselte Arne Friedrich derzeit ein wenig kriselt. Friedrichs Stärken liegen in der Defensive, die von Beck im Spiel nach vorn. Da von den Finnen kein bedingungsloser Sturmlauf zu erwarten steht, ist Beck eine logische Besetzung für diese strategisch wichtige Position, sie ist so schwer umkämpft wie keine andere in der deutschen Mannschaft. Dabei ist es eigentlich nur ein Stellvertreterkampf, was auch daran liegt, dass es in der Bundesliga keinen Linksverteidiger von internationalem Niveau gibt. Also muss der vielseitig zu verwendende Münchner Philipp Lahm im Nationalteam auf links wechseln. Das kommt einem wie Beck natürlich entgegen, „denn der Philipp hat eine Qualität, die der Weltklasse ziemlich nahe kommt“. An ihm könnte er kaum vorbeiziehen, an Boateng und Friedrich schon.

Weil nun in Moskau gegen die stürmischen Russen eher Defensivqualitäten gefragt waren, erlebte Beck diesen Höhepunkt der Qualifikationskampagne nur auf der Tribüne des Luschniki-Stadions. Natürlich hat er auch von dort mitgefiebert, „aber ich war schon ein wenig traurig“, sagt der Hoffenheimer und dass er jede Minute zur Präsentation nutzen will, am besten gleich 90 davon gegen Finnland. Dann merkt er noch an, dass Jerome Boateng natürlich ein großartiger Fußballspieler sei, „bei der U-21-Europameisterschaft hat er als Innenverteidiger neben mir ein hervorragendes Turnier gespielt“. Andreas Beck hätte wohl nichts dagegen, wenn Boateng auch in der A-Nationalmannschaft ins Abwehrzentrum wechseln würde.

Der kreative Geist Özil ist der Gewinner im deutschen Team

Joachim Löw hat zwar noch am Samstag betont, der Debütant werde trotz seines Platzverweises weiterhin zum Kader gehören. Aber wahrscheinlich ist Boateng der Einzige aus der Startelf, dessen Platz in den kommenden Wochen ernsthaft zur Disposition steht. Torhüter René Adler müsste sich schon reichlich Bälle ins eigene Netz werfen, wollte er das Trikot mit der Nummer eins noch aus der Hand geben. Im Angriff lobt der Bundestrainer immer wieder Mario Gomez und Cacau, vielleicht werden sie am Mittwoch beide spielen. Doch seitdem Miroslav Klose auch in entscheidenden Spielen trifft, führt auch an ihm kein Weg vorbei.

Der eigentliche Gewinner der vergangenen Monate ist Mesut Özil. Ein kreativer Geist, der nicht nur schön spielt, sondern auch Tore schießen kann oder vorbereiten, zum Beispiel das am Samstag in Moskau. Özil hält das, was Piotr Trochowski einmal versprochen hat. Der zählte vor gut einem Jahr im ersten Qualifikationsspiel zu den besten Deutschen, aber da ging es auch nicht gegen Russland, sondern nur gegen Liechtenstein. Am Mittwoch darf Trochowski mal wieder von Anfang an spielen, aber er wird wissen, dass das auch eine Verbeugung vor dem Hamburger Publikum ist. „Das ist schon super, in meiner Stadt einzulaufen, ich musste viele Kartenwünsche erfüllen“, sagt Trochowski und gibt doch zu, „dass ich zurzeit nicht mit mir zufrieden bin: Ich will zurück in die Mannschaft“. Also vorbei an Özil, für den er selbst ein schwer zu steigerndes Kompliment formuliert: „Zurzeit ist Mesut mit seiner Klasse ein Vorteil für die gesamte Nation.“

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