Carlos Simon : Seine Kollegen nennen ihn Sheriff

Deutschland könnte wieder Ungemach von eigentlich unparteiischer Seite drohen: Der brasilianische Schiedsrichter Carlos Simon ist in seiner Heimat skandalumwittert. Er stand sogar schon unter Betrugsverdacht.

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Zieht schneller als sein Schatten. Carlos Simon zückt gern mal ein Gelbe Karte.
Zieht schneller als sein Schatten. Carlos Simon zückt gern mal ein Gelbe Karte.Foto: AFP

Die Seleção spielt Beamtenfußball, Brasilien ist nicht mehr Brasilien. Entrüstung spaziert über den Boulevard. Und nun schickt das Mutterland des Spaßfußballs den Deutschen im Gruppenfinale gegen Ghana auch noch einen Schiedsrichter, der die perfekte Projektionsfläche für Verschwörungstheorien und die Zweifel an der Qualität der Unparteiischen dieser WM ist. Denn Carlos Simon interpretiert seine Rolle auf dem Platz gleichzeitig divenhaft und engherzig. Er liebt die Komödie, versteht aber keinen Spaß. Seine Auftritte sind großes Theater, das er mit der Spaghettigestik eines Sergio-Leone-Revolverhelden inszeniert.

Seine brasilianischen Kollegen nennen ihn Sheriff, weil er, die Hand immer in der Nähe der Brusttasche, die Karten schneller zieht als sein Schatten. Aber auch nur deshalb. Für die Charaktermaske des edlen Ordnungshüters fehlt dem 44-Jährigen die nötige Integrität. Vielmehr ist Simons Name skandalumwittert, seine Nominierung für die WM mindestens streitbar. Schon 2008 gab es Betrugsvorwürfe gegen ihn, nachdem er einen Spieler von Flamengo Rio de Janeiro für eine Schwalbe vom Platz gestellt hatte, anstatt einen klaren Elfmeter zu geben.

Der Verein versuchte seine WM-Nominierung mit einem Brief an die Fifa zu verhindern. Und schickte als Gimmick ein Worst-of-Video Simons gleich mit. Im vergangenen Jahr wurde Simon in Brasilien schließlich für sechs Wochen suspendiert, weil er durch eine Reihe abstruser Fehlentscheidungen unter Manipulationsverdacht geraten war. Er wurde zum Outlaw. Doch Simon, auch das passt in seine Antihelden-Vita, kehrte auf die Bühne zurück.

Dabei halfen ihm nicht zuletzt seine Verbindungen zu Verbandschef Ricardo Teixeira. Deshalb werden seine theatralischen Pfiffe nun Joachim Löws Schicksalsspiel mit einem Morricone-Soundteppich unterlegen. Und es kommt zu einem ambivalenten Wiedersehen: Denn Simon leitete bereits 2006 Deutschlands Achtelfinale gegen Schweden, nahm Teddy Lucic mit Gelb-Rot aus dem Spiel und sprach Henrik Larsson später einen eher erstaunlichen Strafstoß zu, der sich aber im Münchner Himmel verlor. Deutschland siegte, und Simon hatte seine Nebenrolle im Sommermärchen sicher. Als Sheriff ohne Stern.

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