Champions League : Regieren verboten

Titelverteidiger Barcelona muss nach dem 1:3 bei Inter Mailand um den Einzug ins Champions-League-Finale bangen.

Tom Mustroph

Den größten Einsatz sparten sich die Spieler des FC Barcelona für den Stadiontunnel auf. Dort schimpften sie lautstark über das portugiesische Schiedsrichtertrio, das ihnen einen Elfmeter versagt und beim dritten Treffer Inter Mailands eine Abseitsposition übersehen haben soll. Als Barcelonas Xavi im Tunnel erbost auf Mailands Trainer Jose Mourinho zueilte, sagte dieser schlagfertig: „Willst du mit mir über Övrebö sprechen?“

Tom Henning Övrebö hieß der norwegische Schiedsrichter, der in der vorigen Saison eine entscheidende Rolle beim Weiterkommen Barcelonas gegen den FC Chelsea gespielt hatte. Damals hatten sich Chelseas Spieler ähnlich aufgeregt wie Barcelonas Spieler am Dienstagabend über die Entscheidungen der Portugiesen. Als Mourinho seine aktuelle Begegnung im Spielertunnel auf der Pressekonferenz erzählte, lachten sogar die ihm sonst nicht sonderlich gewogenen Sportjournalisten. Mourinho war offenbar nicht einmal in der dritten Halbzeit zu bezwingen. Zuvor hatte sein Team beim 3:1 im Halbfinal-Hinspiel der Champions League Titelverteidiger Barcelona in die Schranken gewiesen.

Inter Mailand demonstrierte, wie einfach und schön Fußball sein kann. Um seiner Mannschaft das Spielen zu erleichtern, verzichtete Mourinho sogar auf die erwartete taktische Revolution und ließ das Team im erprobten 4-3-1-2-System agieren. „Die Mannschaft benötigte ein Zeichen des Vertrauens“, sagte er, „sie brauchte die Botschaft des Trainers, dass der Schlüssel zum Erfolg nicht nur im Verteidigen besteht.“

Im Mittelfeld ließ Inter Barcelonas Messi keinen Platz

Seine Botschaft erreichte die Adressaten. Inter spielte. Der von Wesley Sneijder gut in Szene gesetzte Dreiersturm Goran Pandev, Diego Milito und Samuel Eto’o spielte Barcelonas Abwehr streckenweise sogar schwindlig. Hätte Milito in der einen oder anderen Situation kühleren Kopf bewahrt, wäre Sneijder beim Alleingang nicht der Ball unglücklich auf den Fuß getropft und hätte vor allem der eingewechselte Balotelli in der Schlussphase auf Kooperation statt Eigensinn gesetzt, wäre Barcelona sogar deftiger abgefertigt worden. So blieb es bei einem verdienten und deutlichen 3:1 nach Toren von Sneijder, Maicon und Milito. Barcelona, das durch Pedro in Führung gegangen war, enttäuschte und zog nur in der Schlussphase ein Powerplay auf.

Denn auch das Verteidigen vergaßen die Gastgeber nicht. Ein erstes Signal setzte Innenverteidiger Walter Samuel, als er den zum Durchbruch ansetzenden Barça-Stürmer Zlatan Ibrahimovic wuchtig, aber auch nicht regelkonform bremste. Ibrahimovic blieb bei seiner Rückkehr an die einstige Arbeitsstätte so blass, dass selbst die unsportlichsten Inter-Tifosi kurzzeitig aus Mitleid die üblichen Beschimpfungen unterließen.

Der bedeutsamere Hinweis für eine exzellente Abwehrarbeit kam von Cambiasso. Er spitzelte Messi noch in der Anfangsphase gekonnt den Ball vom Fuß. In der Folgezeit wurde das argentinische Dribbelgenie immer wieder von der Mittelfeldzange Cambiasso und Thiago Motta eingeklemmt. „Sie haben die Partie im Mittelfeld gewonnen“, sagte Barcelonas Trainer Pep Guardiola, „wir wollten dort regieren, aber sie haben das nicht zugelassen.“ Für das Rückspiel versprach er: „Die 90 Minuten im Camp Nou werden lang werden für Inter. Wir wollen mehr als nur die zwei nötigen Tore erzielen.“ Während die „Gazzetta dello Sport“ Inter Mailand in dicken Lettern als „imperial“ preist, ist Mourinho wesentlich weniger euphorisch. „Wir haben noch nichts gewonnen, die Chancen stehen 50:50“, sagte er.

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