Comeback? : Jens Lehmann bringt sich für Nationelf ins Gespräch

Torwart Jens Lehmann verlängert seinen Vertrag in Stuttgart um ein Jahr und überrascht mit Rückkehrplänen ins Tor des DFB-Teams.

Oliver Trust[Stuttgart]
Jens Lehmann Foto: dpa
Jens Lehmann.Foto: dpa

Jens Lehmann glaubt an Schicksal. Vielleicht, sagte der ehemalige Torhüter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, sei es ja noch für etwas gut gewesen, dass er mit Bundestrainer Joachim Löw noch keinen Termin für ein Abschiedsspiel aus der Nationalelf gefunden habe. Der 39 Jahre alte Keeper überraschte mit seinen Überlegungen. Zwar hatte es zuletzt Gerüchte um eine Comeback des Torhüters gegeben, wirklich ernst genommen hatte diese aber wohl niemand. Lehmann verkniff sich auch eine ironische Bemerkung nicht, die er auf die momentan durch Verletzungen und Formschwächen gebeutelten potentiellen Nationalkeeper bezog. Lehmann sagte mit einem breiten Grinsen, dass er nicht wisse „ ob Bedarf da ist“.

Der eigentliche Anlass für die gestrige Pressekonferenz in Stuttgart war die Vertragsverlängerung des Torhüters beim VfB um ein Jahr. Mit seinen Gedankenspielen bezüglich der Nationalelf lieferte Lehmann allerdings ein anderes Thema. „Die WM in Südafrika wäre ein Anreiz für mich“, sagte er. „Die Nationalmannschaft war immer meine Hauptmotivation und das hat mir gefehlt“, sagte Lehmann. „Wenn sich das nun wieder ergibt, kann ich mir das vorstellen. Bis zur WM sind es noch 14 bis 15 Monate“, so Lehmann, der bisher 61 Länderspiele absolvierte und nun sogar die Veröffentlichung seiner Biografie mit dem Titel „Warum eigentlich gerade ich?“ weiter hinaus schiebt.

Noch am Rande der Länderspiele gegen Liechtenstein und Wales hatten sowohl Bundestorwarttrainer Andy Köpke als auch Bundestrainer Joachim Löw zurückhaltend geäußert. Köpke sprach vom „falschen Signal“ und Löw meinte, es gäbe derzeit keine Überlegungen in diese Richtung. Aber, man könne „im Fußball nichts ausschließen“. Lehmann selbst hatte noch vorige Woche über seinen Teamkollegen Mario Gomez ausrichten lassen, er wisse von Rückkehrplänen nichts: „Das ist ja lustig.“ Umso überraschender kamen die Pläne des Torhüters gestern.

Lehmann setzt auf Geduld und kann sich offenbar allein mit dem Gedanken an eine Rückkehr zusätzlich motivieren. Vorbild könnte der Italiener Dino Zoff sein, der bei der WM 1982 mit 40 Jahren noch spielte. Lehmann wird im November 2009 40 Jahre alt. In Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff, ein enger Freund von Lehmann und dessen Familie, hat der rückkehrwillige Keeper sicher einen Fürsprecher. Realistisch betrachtet dürften Lehmanns Chancen allerdings sehr gering sein. Selbst wenn sich die Verletzungsprobleme und die schwankenden Leistungen der Torhüter René Adler, Manuel Neuer, Robert Enke und Tim Wiese fortsetzen, werden seine Chancen gering sein, zumal der Bundestrainer ihn nach der Europameisterschaft 2008 bei einem Essen in Stuttgart mit sanftem Druck zu seinem Rücktritt veranlasst hatte.

Über die Vertragsverlängerung beim VfB wurde gestern dann allerdings auch noch gesprochen. „Für uns ist es ganz, ganz wichtig, dass Jens ein weiteres Jahr bei uns bleibt“, sagte Stuttgarts Manager Horst Heldt. Die Vertragsverhandlungen mit Lehmann, der in seinem Abschiedsjahr rund 2,5 Millionen Euro plus Erfolgsprämien verdienen soll, hatten sich über einige Zeit hingezogen. Als Zugeständnis an sein Alter darf Lehmann zudem das Auslauftraining am Tag nach Spielen schwänzen. Horst Heldt sagte dazu: „Wir haben uns dreimal getroffen, es kann also keine Rede davon sein, dass es lange gedauert hat. Jens Lehmann bekommt keine Sonderrechte, er weiß wie er sich verhalten muss und was er will. Aber ich glaube ein Jahr reicht.“ Es sei eben ein Unterschied, ob einer 20 oder 39 Jahre alt sei – deshalb das Zugeständnis beim Auslaufen am Sonntag, den Lehmann komplett mit seiner Familie verbringen möchte. Heldt und Teamchef Markus Babbel lobten Lehmanns professionelle Einstellung und seine Rolle als Führungsfigur und Vorbild im jungen Kader der Schwaben.

Lehmann begründete die Vertragsverlängerung auch mit seiner Familie: „Vor allem meine Kinder wollten, dass ich weiter spiele“. Seine Frau Conny habe gespürt, „dass ich gerne weiter spielen will“.



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