Confed-Cup : WM-Gastgeber Südafrika: Slapstick statt Galafußball

Zum Auftakt des Confed-Cups im eigenen Land spielt WM-Gastgeber Südafrika 0:0 gegen den Irak und vergibt kurios eine Torchance. Spanien schlägt Neuseeland 5:0, Fernando Torres gelingt ein Hattrick in den ersten 17 Minuten.

Wolfgang Drechsler[Kapstadt]
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Stürmer verhindert Tor. Fast hätte Kagisho Dikgacoi (links) die Führung für Südafrika erzielt, doch Teamkollege Bernard Parker...

Vor dem Anpfiff hatte Joseph Blatter noch eindringlich um Vertrauen in den Gastgeber Südafrika geworben. „Wir vertrauen Afrika. Und wir vertrauen Südafrika“, hatte der Präsident des Fußball-Weltverbands Fifa vor dem Anstoß des Eröffnungsspiels beim Confed-Cup zwischen Südafrika und Irak am Sonntag gesagt. Am Ende konnten die Bafana Bafana, wie Südafrikas Kicker daheim liebevoll genannt werden, den Vertrauensvorschuss jedoch nicht erfüllen: Nur ein enttäuschendes 0:0 sprang für den WM-Gastgeber heraus. Nun tritt Südafrika gegen das Team aus Neuseeland an, das gestern Abend 0:5 (0:4) gegen Europameister Spanien unterlag. Fernando Torres gelang in den ersten 17 Minuten ein Hattrick.

Die sichtlich nervösen Südafrikaner standen sich lange Zeit selbst im Weg. Kurz vor dem Abpfiff sogar im wahrsten Sinne des Wortes: Ein Kopfball von Kagisho Dikgacoi, der den irakischen Keeper Mohammed Kassid bereits passiert hatte, wurde vom südafrikanischen Stürmer Bernard Parker am Überschreiten der Torlinie gehindert. Der Mann stand schlicht im falschen Moment an der falschen Stelle. Nach einer zerfahrenen ersten Halbzeit ohne Höhepunkte hatte Südafrika in der Schlussviertelstunde schon zwei klare Chancen vergeben, bevor es zu jener kuriosen Szene kam.

Vor dem Spiel hatte das Land am Kap mit einer bunten Afrika-Show die Skeptiker beeindruckt, die an den organisatorischen Fähigkeiten der Südafrikaner gezweifelt hatten. Probleme hatte es zuletzt nur mit dem Rasen im Johannesburger Ellis Park Stadion gegeben, der von der gerade beendeten Rugbysaison noch umgepflügt war. Die Fifa wusste auch dieses Problem in gewohnter Manier herunterzuspielen. „Es ging mehr um optische Aspekte. Im kommenden Jahr haben wir aber andere Ansprüche“, sagte Fifa-Wettbewerbsdirektor Jim Brown.

In die Kritik gerät nach dem gestrigen Match nun Südafrikas brasilianischer Coach Joel Santana. Schließlich hatte Südafrikas WM-Organisationschef Danny Jordaan noch am Tag vor dem Spiel unmissverständlich erklärt, dass im Auftaktspiel nur ein Sieg in Frage käme. „Wir sehen immer, welchen Einfluss ein Erfolg des Heimteams auf ein Turnier haben kann“, sagte Jordaan. „Der Moment, in dem der Gastgeber ausscheidet, bedeutet einen tiefen Einschnitt."

Den Menschen am Kap würde das Erreichen des Halbfinales sehr viel bedeuten. Ein Ausscheiden in der Vorrunde würde südafrikanische Selbstzweifel ein Jahr vor der Heim-WM wieder aufleben lassen. Nach dem Scheitern in der WM-Qualifikation 2006 und dem Aus auf dem Weg zum Afrika-Cup 2010 in Angola erhofft sich das Land nichts sehnlicher als einen Erfolg im Fußball.

Scheitern die Bafana Bafana in der Vorrunde, wird Trainer Santana, der vor dem Turnierauftakt noch selbstbewusst „Galafußball“ seines Teams versprach, wohl der nächste Coach sein, den Südafrikas Nationalteam verschleißt. Überraschen würde es nicht: Seit dem Gewinn der Afrikameisterschaft vor 13 Jahren sind die Trainer am Kap fast ausnahmslos im Jahresrhythmus gegangen.

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