Desmond Tutu : Versöhnung für Afrika

Wie Desmond Tutu für die Fußball-WM 2010 wirbt. Der 77-Jährige hofft auf einen Effekt wie bei der Rugby-WM 1995.

Esther Kogelboom
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Fröhlich am Ball. Erzbischof Tutu unterhielt in Berlin das Publikum. Foto: dpa

Berlin Eigentlich bringen verfrühte Glückwünsche Pech. Doch Desmond Tutu hat damit offenbar kein Problem: Als der Erzbischof am gestrigen Freitag in der südafrikanischen Botschaft einen Happy-Birthday-Chor für den nicht anwesenden Nelson Mandela anstimmte, der heute 91 wird, fielen selbst die größten Skeptiker mit ein. „Einmal in San Francisco“, erzählte Tutu daraufhin lachend, „hat mich ein junges Mädchen auf der Straße angesprochen: ,Hallo, Erzbischof Mandela!’ Ich sagte nur: zwei zum Preis von einem.“

Südafrika könnte sich kaum einen besseren Botschafter für die Fußball-WM 2010 wünschen als den ehemaligen Erzbischof und Friedensnobelpreisträger. Bei der Podiumsdiskussion mit dem Fifa-Kommunikationsdirektor Hans Klaus und Wolfgang Maennig von der Universität Hamburg zog der charismatische und fröhliche Tutu alle Aufmerksamkeit auf sich.

So erinnerte Desmond Tutu, der von 1996 bis 1998 der Wahrheits- und Versöhnungskommission vorstand, an das Finale der Rugby-Weltmeisterschaft 1995 in Johannesburg. „Unser Team hat gewonnen, und das hat unser Land nachhaltig verändert. Dieser Sieg hat mehr für die Aussöhnung zwischen den Menschen erreicht, als alle Predigten, die ich in einem Jahr halten kann.“ Rugby sei in Südafrika traditionell der Sport der Weißen gewesen. Einen ähnlich versöhnenden Effekt erhoffe er sich nun auch durch die Fußball-WM – diesmal aber gleich für den ganzen afrikanischen Kontinent.

Auf die Frage, wie denn der Streik der Bauarbeiter zu bewerten sei, reagierte Desmond Tutu mit seinem legendären schrillen Kichern. Dann sagte er: „Das ist nun mal der Preis der Freiheit, für die wir so sehr gekämpft haben. Wenn ein Arbeiter in einem freien Land lebt, hat er auch das Recht zu streiken.“ Trotzdem zeigte er sich erleichtert, dass beide Seiten inzwischen zu einer Lösung gekommen sind und die Arbeit an den Stadien fortgesetzt werden kann.

Mehrmals wiederholte der 77-Jährige, dass man Südafrika seine „Fehler“ doch bitte nachsehen solle. „Bitte gebt uns eine Chance. Die haben wir verdient. Wir sind doch erst seit 15 Jahren ein freies Land. Und wir hatten nach dem Ende der Apartheid keinen Marshall-Plan.“ Südafrika sei schließlich ein Land, in dem alles möglich sei und wo es alles gebe, „sogar Deutsche“.

Desmond Tutu erklärte weiter, ihm sei zu seiner großen Freude zu Ohren gekommen, dass inzwischen sogar die Vuvuzela, ein traditionelles Blasinstrument aus Plastik, das bei südafrikanischen Sportveranstaltungen massenhaft benutzt wird und dumpfe Trööt-Laute produziert, in Deutschland angekommen sei.

Und wie schätzt Tutu die Arbeit des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma ein, der ihn gerne „kleiner, zorniger Bischof“ nennt? „Er ist mein Präsident, und ich bete dafür, dass er erfolgreich sein wird.“ Desmond Tutus Gesichtsausdruck sagte allerdings in etwa das Gegenteil.

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