Deutschland - Malta 3:0 : Löws B-Elf müht sich zum Sieg über Außenseiter

Weil Ballack, Bayern und Bremer wegen ihrer Pokalfinals fehlten, durfte sich die zweite Reihe im Länderspiel gegen Malta versuchen - doch so richtig aufdrängen konnte sich außer Doppeltorschütze Cacau niemand.

Gregor Derichs
Cacau trifft zum 1:0, aber die Begeisterung bei seinen Mitspielern hält sich in Grenzen. Foto: dpa
Cacau trifft zum 1:0, aber die Begeisterung bei seinen Mitspielern hält sich in Grenzen.Foto: dpa

Das Wetter war grau, die Stimmung mau. Der Start in das afrikanische Abenteuer, das erst in zwei Monaten beendet sein soll, strahlte eine Stunde wenig Begeisterung aus. „Ich wusste gar nicht, was ich von dem Spiel erwarten konnte“, sagte Joachim Löw. Danach war der Bundestrainer schlauer, denn im ersten von drei Testspielen vor dem Beginn der Weltmeisterschaft in Südafrika blieb die deutsche Nationalmannschaft vieles schuldig. Gegen Malta, das in der europäischen Rangliste der über 50 Teams ganz unten angesiedelt ist, blieb das erwartete Schützenfest aus. Von einer guten Leistung ganz zu schweigen. Mit 3:0 (1:0) gewann der Vize-Europameister gegen die Kicker von der Mittelmeerinsel. Es war der „knappste“ Heimsieg gegen Malta, die vorher zweimal mit 8:0, einmal mit 7:0 und einmal mit 6:0 nach Hause geschickt worden waren. Aber Löw war nicht böse deswegen. „Wir haben viele Chancen herausgespielt. Das war die Vorgabe.“ Diese Zielsetzung wurde erfüllt. Dass mehr als drei Viertel der Tormöglichkeiten vergeben wurde, war nicht ganz im Sinne des Erfinders.

Der Stuttgarter Cacau, ein gebürtiger Brasilianer, der im vorigen Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat, erzielte bei seinem sechsten Einsatz seine ersten Länderspieltore zum 1:0 (16) und 2:0 (57.). Zudem erhielt er ein Lob von Löw. Es steht fest, dass der Südamerikaner, der als Amateur vor neun Jahren nach München kam und in der Landesliga anfing, mit zur WM fährt. „Das ist einfach traumhaft. Deutschland hat mich so gut aufgenommen, es hat mich praktisch adoptiert. Ich freue mich, ein Teil dieser Nation zu sein“, erklärte Cacau. Nicht nur er, sondern keiner der nominierten Stürmer soll aus dem 27 umfassenden WM-Kader mehr herausfallen. Vielleicht stumpfte diese Gewissheit die Konzentration ab. Vor allem in der ersten Halbzeit schien der Wettbewerb von Lukas Podolski, Stefan Kießling und den anderen zu lauten: Wer vergibt die Torchancen am schönsten. Zudem war Maltas Torwart Justin Haber vom ungarischen Spitzenklub Ferencvaros Budapest der beste und meistbeschäftigste Spieler auf dem Platz.

Der Widerstand der Amateure von der 400.000-Einwohner-Insel ließ nie richtig nach. Die scharfe Hereingabe von Podolski in der 61. Minute verwandelte Kenneth Scicluna aus Versehen in bester Stürmermanier mit einem harten Schuss zum 3:0 ins eigene Tor. In der Nachspielzeit traf Piotr Trochowski mit einem abgefälschten Schuss die Latte. Der Hamburger schoss häufig spektakulär, aber letztlich immer am Ziel vorbei. Das Gute an diesem Benefizspiel: Die satte Einnahme von fünf Millionen Euro lässt der DFB komplett guten Zwecken zufließen.

Am Freitag startet die Mannschaft von Düsseldorf aus ins erste Trainingslager nach Sizilien. Die Partie gegen Malta galt als lockerer Aufgalopp zur WM-Vorbereitung, die bis zur Abreise nach Johannesburg am 6. Juni etwas mehr als drei Wochen dauert. Zwölf Spieler aus dem vorläufigen WM-Aufgebot fehlten beim ersten Länderspiel, das der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in Aachen durchführte. Sieben Nationalspieler der Bayern und vier aus Bremen sind morgen (Samstag) im DFB-Pokalfinale in Berlin involviert, Dazu fehlte Michael Ballack wegen des englisches Cup-Endspiels mit Chelsea gegen Portsmouth.

Vier Talente gaben ihr Debüt im A-Team

Bundestrainer Joachim Löw hatte das Team mit so genannten Perspektivspielern aufgefüllt. Vier Talente gaben ihr Debüt im A-Team: Dennis Aogo stand sogar in der Startelf. „Das ist ein großer Tag für mich. Unglaublich, dass ich deutscher Nationalspieler bin“, sagte der gebürtige Karlsruher, dessen Vater aus Nigeria stammt. Aogo trat als erster in Löws Casting für einen neuen Linksverteidiger auf. Der Bundestrainer denkt daran, Philipp Lahm nach rechts zu verschieben. In der 79. Minute wurde Aogo von seinem Hamburger Kollegen Jerome Boateng abgelöst, den Löw wie auch Heiko Westermann (Schalke) und Marcell Jansen (Hamburg) zu den WM-Kandidaten auf die linke Außenverteidigerposition auf der Rechnung hat.

Außer Aogo kamen die weiteren Neulinge in der zweiten Halbzeit zum Einsatz. Es waren die Dortmunder Mats Hummels und Kevin Großkreutz sowie der Leverkusener Stefan Reinartz. Das Trio zählt nicht zum erweiterten 27 Spieler umfassenden WM-Kader und fährt auch nicht mit nach Sizilien. Von dort geht es am Ende der nächsten Woche weiter zum zweiten Trainingscamp nach Südtirol, das für einen Abstecher zum zweiten Test in Budapest gegen Ungarn verlassen wird. Der letzte Test findet zwei Tage vor dem Abflug nach Südafrika noch einmal vor eigenem Publikum in Frankfurt gegen Bosnien-Herzegowina statt.

Angeführt wurde die DFB-Elf von Arne Friedrich als Kapitän. Der 30-Jährige erhielt den Vorzug vor Podolski, obwohl er mit 70 Länderspielen eine Partie weniger als der Kölner bestritten hat. Aber diesmal war für Löw nicht die Zahl der Einsätze, sondern das höhere Alter von Friedrich und seine längere Zugehörigkeit zum Team (seit 2002) ausschlaggebend. „Malta ist ein Gegner, den man schlagen muss“, hatte Friedrich vor dem Anpfiff die Favoritenrolle unterstrichen. Aber die Roten, bei denen der Ex-Lauterer Michael Mifsud mitwirkte, hielten besser mit als gedacht. Und die deutsche Mannschaft agierte schwächer als erwartet. Empfehlen für eine endgültige WM-Nominierung, die am 1. Juni erfolgen muss, konnte sich eigentlich noch niemand.

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