Einzelkritik : Butt ein großer Rückhalt, Boateng mit viel Dampf

Fünf Neue liefen im Spiel um Platz drei für Deutschland auf, von denen aber nicht alle überzeugen können. Tagesspiegel-WM-Reporter Michael Rosentritt mit der Einzelkritik der deutschen Spieler.

von
Jörg Butt spielte trotz zweier Gegentreffer gegen Uruguay fehlerfrei.
Jörg Butt spielte trotz zweier Gegentreffer gegen Uruguay fehlerfrei.Foto: ddp

Hans-Jörg Butt: Der mit 36 Jahren älteste WM-Spieler im deutschen Team wirkte konzentriert. Er ist ein anderer Typ als Manuel Neuer. Beim Gegentor nach knapp einer halben Stunde war der Münchner machtlos. Gleich nach Wiederbeginn wurde er doppelt geprüft, als er nacheinander Schuss und Nachschuss parierte. Dann war auch er im Spiel, was gut war, weil er im zweiten Abschnitt jede Menge zu tun hatte. Großer Rückhalt.

Jerome Boateng: Der 21-Jährige hatte den Flügel in der Abwehr gewechselt. Spielte auf der Lahm-Position. Fast ohne Fehler, nur ging zu selten nach vorn. Aber wenn, wie nach 55 Minuten, dann mit einer herrlichen Flanke direkt auf dem Kopf von Jansen, der zum 2:2 einnickte. In der Schlussphase einer der Besten auf dem Platz.

Per Mertesacker: Der Bremer machte von Beginn an einen wachen Eindruck. Rettete in einer brenzligen Situation gegen Forlán nach 25. Minuten. Kurz darauf aber konnte er Cavani nicht mehr einholen, der sich in seinem Rücken auf dem Weg zum 1:1 gemacht hatte. Immer wieder gute Szenen.

Arne Friedrich: Der Ex-Herthaner hatte nach zehn Minuten alle Kameras auf sich gerichtet, doch nicht weil er dabei war, ein Tor zu verhindern, sondern selbst eins zu erzielen. Nach einer Ecke von Özil stieg der Innenverteidiger hoch und köpfte den Ball an die Latte. In seinem Kerngebiet gewohnt sicher und verlässlich.

Dennis Aogo: Der junge Hamburger (23) rückte auf die linke Außenseite der Viererabwehrkette. In seinem erst dritten Länderspiel machte er einen nervösen Eindruck. Nach einem Ballverlust fuhr er seinem Gegenspieler böse in die Beine - Gelb. Hatte auch fortan Schwierigkeiten, seinen Rhythmus zu finden. Zu Beginn der zweiten Hälfte ließ er jene Flanke zu, die zum 1:2-Rückstand führte. Dann allerdings konnte er sich steigern - musste er aber auch.

Thomas Müller: Nach seiner Sperre wieder zurück im Team - und wie. Sein Instinkt führte ihn in jener 19. Spielminute genau da hin, wo es gefährlich wird. Nach einem Schuss Schweinsteigers, den der Torwart prallen lassen musste, war der 20-Jährige da und drückte den Ball zum 1:0 über die Linie. Es war Müllers fünftes Tor im sechsten WM-Spiel. Damit zog er im Kampf um die WM-Torjägerkrone den Finalisten Wesley Sneijder (Niederlande) und David Villa (Spanien) gleich, die ebenfalls fünf Treffer erzielt haben. Später gesellte sich noch Diego Forlán, der die zwischenzeitliche 2:1-Führung erzielt hatte, hinzu. Egal, er rackerte 90 Minuten. Muss ins All-Star-Team dieser WM.

Sami Khedira: Der Stuttgarter kam gut ins Spiel, und hatte einen guten offensiven Kopfball in der 26. Minute. Baute dann etwas ab, wirkte bisweilen unkonzentriert. Kurz vor der Pause leistete er sich einen grandiosen Fehlpass, der gut zum früheren 1:2-Rückstand hätte führen können. Stabilisierte sich im zweiten Abschnitt aber, und erzielte wenige Minuten vor dem Schluss nach einiger Konfusion im Strafraum das 3:2 mit dem Kopf.

Bastian Schweinsteiger: Der 25-jährige Münchner führt die Mannschaft als Kapitän aufs Feld, anstelle seines Vereinskollegen Philipp Lahm, der von einer Grippe geschwächt ist. Und Schweinsteiger führte gleich von Beginn an Regie. Als sich eine Lücke bot, zog er aus 30 Metern ab, der Torwart ließ prallen, Müller war zur Stelle. Doch dann unterlief ihm auf Höhe der Mittellinie ein unnötiger Ballverlust, der auf direktem Wege zum Gegentor führte. Danach aber wieder wie gewohnt mit viel Übersicht.

Marcell Jansen: Der Hamburger war anstelle des an einer Grippe erkrankten Lukas Podolski in die Startelf gerückt. Hatte im ersten Abschnitt kaum Szenen. Dafür war er in der zweiten Halbzeit zur Stelle, um die Flanke von Boateng zu veredeln: 2:2. Ging kurz vor Schluss runter.

Mesut Özil: Nach dem etwas schwächeren Halbfinale gegen Spanien, spielte er wieder gewitzt, allerdings fehlt ihm ein wenig die Kraft. Gute, schnelle Pässe in die Tiefe. Wich oft auf die Flügel aus, viele gute Ideen. Wirkt manchmal wie eingeschlafen, ist aber, noch bevor der Ball in seine Nähe kommt, plötzlich hellwach. Vergab aber direkt nach dem 2:2 das mögliche 3:2. Ging in der Schlussminute vom Feld.

Cacau: Der 29-Jährige vom VfB Stuttgart ersetzte Miroslav Klose, der über Rückenprobleme klagte. Doch kurz nach dem Anpfiff hätte er fast ein Gegentor verursacht, als er beim Blocken eines Freistoßes den Unterarm einsetzte. In der Offensive mit viel in Bewegung. Hatte im zweiten Abschnitt seine beste Phase, nur leider auch mit Pech im Abschluss. Ging dann vom Platz.

Stefan Kießling: Leverkusens Torjäger kam in der Schlussviertelstunde für Cacau aufs Feld und hatte kurz darauf eine herrliche Aktion. Sein Schuss aber war zu zentral. Ließ dann auch noch eine 100-prozentige Chance nach gutem Zuspiel Boatengs aus.

Toni Kroos: Der 20-Jährige kam kurz vor dem Abpfiff für Jansen und besetzte den linken Flügel, konnte aber keine Akzente mehr setzen.

Serdar Tasci: Kam in der 90. Minute zu seinem ersten WM-Einsatz. Nur darum ging es noch.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar