"England im Finale" : Schiedsrichter Webb pfeift Niederlande - Spanien

An Selbstironie mangelt es den Briten nicht. „England doch im WM- Finale“, titelte ein Blatt auf der Insel. Referee Howard Webb wird diese Ehre zuteil. Der Polizist hat eine erstaunliche Karriere als Schiedsrichter hingelegt. Noch vor zwei Jahren galt er als Loser.

"Final Whistle": Der englische Schiedsrichter Howard Webb pfeift das WM-Finale zwischen den Niederlande und Spanien am Sonntag in Johannesburg. Foto: AFP
"Final Whistle": Der englische Schiedsrichter Howard Webb pfeift das WM-Finale zwischen den Niederlande und Spanien am Sonntag in...Foto: AFP

Ein Sergeant aus Yorkshire soll beim WM- Finale zwischen Spanien und den Niederlanden auf dem Platz für Recht und Ordnung sorgen. Howard Melton Webb ist von der Fifa zum Referee des Endspiels am Sonntag im Soccer City-Stadion von Johannesburg ernannt worden. Drei drei Tage vor seinem 39. Geburtstag krönt er eine Schiedsrichter-Karriere, die noch vor zwei Jahren praktisch beendet schien. In Polen war Polizist Webb sprichwörtlich zur Fahndung ausgeschrieben, nachdem er bei der Fußball-EM im Duell der deutschen Nachbarländer Österreich in der Schlussminute einen Elfmeter zugesprochen hatte.

Wüste Beschimpfungen von Polens Ministerpräsidenten Donald Tusk und Morddrohungen enttäuschter Fans flatterten bei Webb ein, dabei hatte er eigentlich alles richtig gemacht. Bei der EM war er dennoch nicht mehr präsentabel und musste nach der Vorrunde heim. Zwei Jahre später ist alles anders und Familienvater Webb der Star auf dem Schiedsrichter-Boulevard.

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen machte er bei seinen drei Einsätzen am Kap alles richtig, was ihn schon früh im Turnier zum Endspiel-Kandidaten machte. Nicht einmal zwei Monate nach dem Einsatz im Champions-League-Endspiel zwischen dem FC Bayern München und Inter Mailand (0:2) hat der Mann aus Rotherham die höchste Schiri- Karrierestufe erreicht. Webb setzt damit eine englische Referee- Tradition fort. Zum vierten Mal leitet ein Pfeifenmann von der Insel ein WM-Finale. Das ist Rekord. Als einzigem Deutschen wurde diese Ehre Rudi Glöckner zuteil. Er leitete 1970 das Endspiel Brasilien gegen Italien (4:1).

Die britische Presse nahm die Personalie Webb erleichtert und mit einem Schuss Selbstironie auf. „England doch im WM-Finale“, titelte zum Beispiel „The Mirror“. Dabei hatten Unparteiische von der Insel bei Großereignissen zuletzt kein Fortune. Webbs EM-Desaster war die unglaubliche Peinlichkeit des Graham Poll vorausgegangen, der bei der WM 2006 dem Kroaten Josip Simunic im Vorrundenspiel gegen Australien dreimal Gelb zeigte. Der letzte Finalauftritt eines englischen „Refs“ ist 36 Jahre her - und verlief auch nicht unumstritten. John Taylor leitete in München das Finale Deutschland - Niederlande (2:1). Der geschickte Fall des Frankfurters Bernd Hölzenbein gilt bis heute als „Mutter aller Schwalben“. Taylor gab Elfmeter. Paul Breitner verwandelte. Die Niederländer erinnern sich noch heute ungern.

Mit Webb hatte Holland erst einmal Kontakt. Sein Länderspiel-Debüt gab er am 6. September 2006 beim 3:0 des Oranje-Teams gegen Weißrussland in der EM-Qualifikation in Eindhoven. Die Erinnerungen der Spanier an den Glatzkopf sind frischer. Webb war auch Referee ihres WM-Auftaktspiels gegen die Schweiz, in dem die Iberer eine überraschende 0:1-Niederlage kassierten. Danach leitete Webb am Kap noch die Spiele Italien-Slowakei (2:3) und das Achtelfinale zwischen Brasilien und Chile (3:0). (dpa)

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