FUSSBALL-WM 2010 : Ach, Maradona!

Warum Argentinien bei der WM in Südafrika mal wieder leer ausgehen wird und Deutschland immerhin Geheimfavorit ist. Ein Kommentar von Sven Goldmann.

Sven Goldmann

Was soll man sagen zu Diego Armando Maradona? Nein, nicht zu seiner etwas derberen Variante einer Mistkäsescheißdreck-Rede, so etwas kommt schon mal vor, auch unter besser erzogenen Menschen. Viel dramatischer ist, was der Mann in seinem Job als Fußballtrainer anrichtet.

Am Mittwoch hat sich Argentinien mit einem 1:0-Sieg gegen Uruguay für die WM qualifiziert. Wer sich das an Erbärmlichkeit schwer zu überbietende Spiel in Montevideo angeschaut hat, der wird sein Urteil revidieren über das, was die Deutschen ein paar Stunden zuvor in Hamburg zustande gebracht hatten. Das Spiel gegen Finnland war nicht gut, aber was würden die argentinischen Fans dafür geben, würde ihre Mannschaft nur einmal so geordnet und stringent auftreten. Das Verdienst von Joachim Löw ist, dass seine Mannschaft einem Plan folgt. Am Samstag in Moskau ist er perfekt aufgegangen, am Mittwoch in Hamburg eher nicht.

Niemand wird ernsthaft behaupten, dass Löws argentinischer Kollege einen Plan hat. Der Trainer Maradona lebt wie der Spieler von der Inspiration, und in Argentinien haben sie allen Ernstes geglaubt, ein Haufen Weltklassespieler lasse sich durch Handauflegen zu einer Weltklassemannschaft formen. Anders als Deutschland verfügt Argentinien über ein breites Angebot an Fußballern, die ihr Geld an prägenden Positionen in den besten Ligen der Welt verdienen. Maradonas Verbrechen ist es, dass er diesen natürlichen Reichtum so willkürlich verschwendet, wie es der General Peron nach dem Krieg mit den natürlichen Ressourcen dieses gesegneten Landes getan hat.

Der zurzeit beste Fußballspieler der Welt ist ein Argentinier, er verzaubert beim FC Barcelona sein Publikum. Es wird seine Gründe haben, warum Lionel Messi in der Nationalmannschaft seit Monaten keinen Fuß vor den anderen setzen kann. Seine beste Szene in Montevideo war die gewonnene Platzwahl.

Der Individualist Messi lebt im Klub vom Kollektiv, von einem System, das seine Stärken perfekt zur Geltung bringt. In der Nationalmannschaft gibt es kein System. Maradona erwartet von seinem Messi, dass er spielt und führt wie früher Maradona – und sich alles Weitere von selbst findet. So aber funktioniert moderner Fußball nicht. Moderner Fußball ist nicht Mathematik, aber eben doch mehr als eine Spaßveranstaltung. Deshalb fährt der ewige WM-Favorit Argentinien nur als Außenseiter nach Südafrika und das notorisch unterschätzte Deutschland als Geheimfavorit.

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