Fußball-WM 2010 : WM-Auslosung: Brocken am Tafelberg

Deutschland ist am Freitag bei der Auslosung der WM-Gruppen gesetzt – im Gegensatz zu Frankreich.

Gregor Derichs[Kapstadt]
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Es geht los. Riesige schwimmende Fußbälle kündigen in Kapstadt die WM 2010 an. Am Freitag werden in Südafrika die Vorrundengruppen...dpa

Joachim Löw hätte seine Freude gehabt, wenn er im International Convention Center von Kapstadt der Fifa-Organisationskommission hätte lauschen dürfen. Überaus nette Worte fand dieses Gremium für seine Mannschaft. Die DFB-Elf, die binnen eines Jahres in der Fifa-Weltrangliste vom zweiten auf den sechsten Platz zurückgefallen ist, wird am Freitag bei der Auslosung der WM-Gruppen in Topf 1 der acht Top-Teams gesetzt sein.

Doch das ist keine Garantie für leichte Gruppengegner. „Die Festlegung der Gruppen hat keine Überraschungen beschert. Wir können durchaus auf drei schwere Brocken in der Vorrunde treffen“, sagte Manager Oliver Bierhoff, der gestern in Centurion in der Nähe von Johannesburg das WM-Quartier des DFB-Teams inspizierte. Mögliche deutsche Gegner sind Frankreich oder Portugal, dazu die Elfenbeinküste, die beim 2:2 im Testspiel Mitte November in Gelsenkirchen nicht in bester Besetzung antrat, oder das sehr stark eingeschätzte Nigeria. Dazu wären noch die USA oder Mexiko denkbar. Die Deutschen könnten aber auch eine vermeintlich leichte Gruppe mit Slowenien, Algerien und Nordkorea zugelost bekommen. „Wir haben keine Wunschgegner“, sagte Löw. „Mit der Auslosung beginnt für mich das Turnier, dann geht die WM los. Am Freitag werden wir wissen, gegen wen wir spielen, wo wir spielen und vor allem wann wir spielen. Danach können wir mit den konkreten Planungen beginnen“, erklärte Löw.

In Kapstadt gab es keinerlei Debatten um den Stellenwert seines Teams. Noch vor der WM 2002 war es fraglich gewesen, ob die deutsche Mannschaft den besten Teams zugeordnet würde, nachdem sie bei der WM 1998 im Viertelfinale und bei der EM 2000 in der Vorrunde gescheitert war. Auch vor der WM 2006 war die DFB-Auswahl aus den Top Ten der Weltrangliste gefallen, wurde aber als Gastgeber gesetzt. Diesmal ist Deutschland wieder eine natürliche Fußball-Großmacht, als WM-Dritter 2006 und Vize-Europameister 2008.

Damit ist ausgeschlossen, dass Löws Team schon in der Vorrunde auf andere Weltklasseteams trifft, die ebenfalls in Topf 1 sind. Südafrika, sportlich weniger stark einzuschätzen, ist als Gastgeber bei den gesetzten Teams, die die Gruppenköpfe bilden. Dazu kommen Titelverteidiger Italien, Rekordweltmeister Brasilien, Europameister Spanien, Argentinien – trotz der Probleme in der Qualifikation – und die mit Trainer Fabio Capello wieder sehr starken Engländer. Nur ein Platz war umstritten: Das Team der Niederlande erhielt gestern etwas überraschend den Vorzug vor Frankreich oder Portugal. Dafür soll die Weltrangliste von Oktober, vor der Austragung der Play-Off-Spiele, den Ausschlag gegeben haben. Möglicherweise kommt auf Frankreich noch mehr Ungemach zu: Stürmer Thierry Henry drohen nach seinem Handspiel gegen Irland Sanktionen. Fifa-Präsident Joseph Blatter kündigte Untersuchungen der Disziplinarkommission an. Irland zog gestern seine Bitte zurück, als 33. Land zur WM zugelassen zu werden.

Diego Maradona darf die Auslosung am Freitag nicht direkt im International Convention Center verfolgen. Die Sperre gegen den argentinischen Nationaltrainer wegen dessen verbaler Ausfälle gilt nicht nur für das nächste Länderspiel des zweimaligen Weltmeisters, sondern auch für die WM-Auslosung.

Topf 1: Südafrika, Brasilien, Spanien, Italien, Deutschland, Argentinien, England, Niederlande.

Topf 2: Japan, Südkorea, Nordkorea, Australien, Neuseeland, USA, Mexiko, Honduras.

Topf 3: Nigeria, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Algerien, Paraguay, Chile, Uruguay.

Topf 4: Frankreich, Portugal, Dänemark, Slowakei, Slowenien, Schweiz, Griechenland, Serbien.

In einem speziellen Live-Ticker können Sie, liebe Leser, die WM-Gruppen-Auslosung am Freitagabend ab 17.45 Uhr auf unserer WM-Sonderseite www.tagesspiegel.de/wm2010 verfolgen. Viel Spaß!

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