Fußball-WM : Du, mein Bruder

Honduras’ Erfolg in der WM-Qualifikation eint die tief zerstrittene Nation.

Tobias Käufer

Bogota - Die Menschen in dem von einer schweren politischen Krise erschütterten Honduras haben nach der überraschenden Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika für einen Tag alle Sorgen vergessen. Das mittelamerikanische Land versank in einem Freudentaumel. Der nach dem Staatsstreich vom 28. Juni international nicht anerkannte Chef der Übergangsregierung, Roberto Micheletti, erklärte den „Tag danach“ kurzerhand zum Feiertag: „Es lebe Honduras und Trainer Reinaldo Rueda, der die Mannschaft nach Südafrika geführt hat“, rief der umstrittene Regierungschef seinen Landsleuten via Fernsehansprache zu. Bei den Feierlichkeiten waren allerdings Schüsse in die Luft streng verboten, ganz so ausgelassen sollte nach den Ausgangssperren der vergangenen Wochen dann doch nicht gefeiert werden.

Den 1:0-Sieg in El Salvador begossen die honduranischen Fans gemeinsam, egal ob sie Anhänger des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya oder des amtierenden Regierungschefs Roberto Micheletti sind. Beide Lager stehen sich ansonsten seit Wochen unversöhnlich gegenüber.

Carlos Pavon hatte am Mittwoch den Treffer des Tages erzielt, dennoch mussten Honduras’ Spieler und Fans bis zum Schlusspfiff zittern, denn das sportliche Schicksal des Teams wurde zeitgleich in Washington entschieden. Dank des 2:2-Ausgleichstreffers von Jonathan Bornstein in der Nachspielzeit für die bereits qualifizierten USA gegen Costa Rica erreichte Honduras erstmals seit 1982 eine WM.

Honduras’ Coach Rueda wusste um die Bedeutung des Erfolges für das politisch gespaltene Land. „Ich bin zufrieden, weil das Volk jetzt glücklich ist“, sagte der Kolumbianer mit Tränen in den Augen. Und ehe der frühere Student der Sporthochschule Köln von seinen Spielern auf den Schultern über den Platz getragen wurde, rief er noch den Menschen zu: „Für uns alle wurde ein Traum wahr. Jetzt sollten wir für einen Moment die Probleme vergessen und friedlich feiern.“ Seine Spieler gingen mit gutem Beispiel voran. Sie knieten auf dem Rasen zum Gebet.

In Honduras überschlugen sich die Medien mit Superlativen: „Honduras weltmeisterlich“, jubelte die Tageszeitung „La Prensa“ über die zweite WM-Teilnahme nach 1982, während „La Tribuna“ begeistert feststellte: „Dieses Mal waren die göttliche Kraft und alles Glück der Erde auf unserer Seite.“ Tobias Käufer

0 Kommentare

Neuester Kommentar