Ghana-Uruguay : Das schadeste Spiel aller Zeiten

Ortstermin im Soccer City Stadium: Kein Jubel, sondern resigniertes Getröte, der Traum vom Einzug Ghanas ins Halbfinale ist geplatzt. Dabei hatte alles so gut begonnen.

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Junge Ghana-Fans.
Junge Ghana-Fans.Foto: Hadija Haruna

Ein Trauermarsch in grün, gelb, roten Gewändern zieht durch die Gänge des Soccer City Stadiums in Johannesburg. Der Traum vom Einzug Ghanas ins Halbfinale ist geplatzt – in der 117 Minute, als Asamoah Gyan den Strafstoß nach einem Handspiel von Luis Suárez an die Latte setzt. Die Partie geht ins Elfmeterschießen. Es ist als würden die Zuschauer ahnen, dass es das Aus für Ghana bedeutet.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Die Stimmung in der ersten Halbzeit ist angeheizt, die uruguayischen Fans in der Unterzahl. „Go Baghana“, erklingt es aus dem Zuschauerraum. Lautes Tröten trägt die Fans über die erste Hälfte des eher trägen Spiels. Dann das Tor von Sulley Muntari aus 35 Metern in der Verlängerung. Die Meute tobt. Jubelgesänge, Tanz und Trommellaute. Mancher Fan wäre vor Freude am liebsten über die Brüstung gesprungen. Die Halbzeitpause bedeutet ein rauschendes Fest auf den Gängen.

Als hätte das ghanaische Team diesen Weckruf gebraucht, um ins Spiel zukommen, dreht es in der zweiten Halbzeit auf. Umso überraschender für die Zuschauer das Tor Forláns durch einen Freistoß. Doch kein Grund missmutig zu werden. Laola Wellen ziehen durchs Stadion, denn entschieden ist noch nichts. „Ihr macht das: go, go, go“, schreit die Fangemeinde.  Boateng und Gyan werden wie Helden bejubelt. Am Ende der Halbzeit sind es flehentliche Rufe. Bitte: nur keine Verlängerung.

Lächeln trotz Niederlage
Lächeln trotz NiederlageFoto: Hadija Haruna

117 Minute, der Distanzschuss Boatengs, den Fernando Muslera zum Eckball erklärt. Das plötzliche Durcheinander im Strafraum bringt das Publikum zum Explodieren. „Hand, Foul, Toooor.“ Der Schiedsrichter vergibt eine rote Karte an Suárez. Ein aufatmendes Stimmengewirr aus dem Zuschauerraum mit lautem Vuvuzela-Tröten erklingt. Gyan trifft nicht. Es kommt zum Elfmeterschiessen. „Neeeeein“, schreit das Publikum.

Es ist ein schwerer Gang für die ghanaischen Fans, die die Fäuste ballen, die Augen schließen und hoffen. Gyan und Stephen Appiah treffen das Tor. Jubel. Für die Uruguayer hat das Publikum nur laute Buh-Rufe übrig. Doch Mauricion Victorino und Andres Scotti treffen. Dann der schwache Schuss von John Mensah. Erschöpft sinken die Zuschauer in ihre Sitze zurück, noch ein kurzes Aufbäumen als  Maxi Pereira über die Latte schiesst. Dominic Adiyah ist ihre letzte Hoffnung. Doch er verschießt und Sebastián Abreu schießt Uruguay mit einem Lupfer in die Tormitte ins Halbfinale. Der Zuschauerraum ist wie erstarrt, während sich das uruguayische Team in die Arme springt. Später wird Kevin Prince Boateng mit dankender Geste die Ecken des Stadion abgehen, das Publikum wird applaudieren, bevor es mit gesenkten Köpfen das Stadion verlässt.

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